Mittwoch, 23. März 2011
In einer besseren Welt


Wo beginnt Gewalt? Wie kann ich mich davor schützen? Wie reagiere ich, wenn mir Gewalt angetan wird? In welcher Form darf ich mich wehren? Wie schütze ich Kinder vor Gewalt? Wann ist Gegenwalt gerechtfertigt? Dies sind nur ein Teil der Fragen, die „In einer besseren Welt“ stellt. Aus diesem Fragengerüst hat die preisgekrönte Regisseurin Susanne Bier (u.a. vor wenigen Wochen mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet worden) einen komplexen Film gedreht, der auf verschiedenen Ebenen agiert und auch dramaturgisch mehrere Dimensionen durchbricht.

Der rote Faden erzählt vom Schuljungen Elias, der in der Schule stark gehänselt wird und durch den Neuankömmling Christian unterstützt wird, denn dieser verprügelt erst einmal Elias´s Hauptpeiniger und überschreitet eindeutig sämtliche Grenzen einer gerechtfertigten Reaktion . Dennoch schweißt es die beiden Jungs zusammen und sie entwickeln ihr eigenes Weltbild aus dem Schulalltag heraus. Gewalt muss mit noch mehr Gewalt vernichtet werden, damit der Gegner nicht wieder zurückschlagen kann. Besonders fatal ist dabei, dass Christian durch den Tod seiner Mutter schwer traumatisiert ist und den inneren Schmerz versucht zu kanalisieren.
Der Film ist unglaublich komplex und lässt weder die Hardliner noch die Gutmenschen astrein aus der Geschichte herausgehen. Niemand wird aus der Verantwortung gezogen, nicht einmal die Jugendlichen, die oft noch gar nicht wissen, was sie tun! Ein gewisses Unrechtbewusstsein sollte auch bei den jungen Menschen ausgeprägt sein. Aber die Kraft eines verletzten Menschen und auch die absolute Blindheit gegenüber der Realität sind nachvollziehbar, wenn auch extrem folgenreich. Susanne Bier gelingt es aus den Jungschauspielern tolle Momente heraus zu kitzeln und auch die Visualität des Films zeugt von ganz großem Kino.

Einziger Kritikpunkt ist das etwas zu glatte Ende, was bei all dem Pessimismus nicht ins Bild passen will. Selbstverständlich wollen die Wenigsten ein ernüchterndes, trauriges Ende sehen, jedoch spitzt sich die Geschichte im Handlungsverlauf genau in eine derartige Richtung, dass ein allgemein versöhnliches Ende kaum vorstellbar ist. Das würde nur „in einer besseren Welt“ stattfinden. Diese Welt baut Susanne Bier im Kino auf und diese Frau versteht ihr Handwerk!

9/10

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Montag, 14. März 2011
Almanya -Willkommen in Deutschland


Dieser Film hätte kaum einen besseren Starttermin finden können, als in diesem Frühjahr zu starten. Die hiesige Diskussion bezüglich Integration, Migranten und Co. ist abgekühlt, sodass dieser Beitrag zu dem Thema nicht unnötig aufgezwungen wirkt. Denn die unterhaltsame Geschichte vom Familienoberhaupt Hüseyin, der als Gastarbeiter in den 60er Jahren nach Deutschland kommt, ist voll gepackt mit satirischen Anspielungen, die weder die Deutschen noch die Türken verschont lassen.

Die Familie lebt mittlerweile in der dritten Generation in Deutschland und Hüseyins Enkel Cenk fragt sich, wo er eigentlich herkommt, nachdem er im Sportunterricht nicht in die deutsche, aber eben auch nicht in die türkische Fußballmannschaft gewählt wurde. Cenk lässt sich bei einem Familientreffen die Familiengeschichte von Beginn an erzählen, was im Film als eigener Handlungsstrang gezeigt wird. So verbindet Almanya beide Zeitebenen sehr geschickt und lässt damit eine größere emotionale Bindung des Zuschauers gegenüber den Protagonisten zu. Ebenfalls gibt er dem Publikum die Möglichkeit die Problematik von Einwanderern in Deutschland zu verstehen, ohne dabei die Moralkeule auszupacken, sondern besitzt immer das Fingerspitzengefühl zwischen Humor und Tragik – eine Gratwanderung, welche die beiden Regiedebütanten Nesrin und Yasemin Samderili ohne Probleme meistern.

Nicht nur aus diesem Grund erinnert der Film ein wenig an eine deutsch-türkische Ausgabe von Little Miss Sunshine. Durch die klassischen Roadmovieansätze (Hüseyin hat ein Haus in der Türkei gekauft und möchte mit der ganzen Familie dorthin reisen), dem Familienbus und den Familiengeschichten erreicht er beinahe das Niveau des unterstellten Vorbildes.
Einzig die Elemente rundum die Rede vor der Kanzlerin, bei der Hüseyin als 1.000.001 Gastarbeiter im Schloss Bellevue auftreten soll, wirken etwas erzwungen und künstlich inszeniert und drücken dem Film den Integrationsstempel auf. Subtil ist anders.

Die gesamte Laufzeit spürt man das Herzblut der Macher und das macht den Film so unglaublich sehenswert, auch wenn nicht alle Darsteller schauspielerisch überzeugen können. Diese Herzlichkeit, die den ganzen Film trägt, macht Almanya zu einem Kinoerlebnis erster Klasse, was von den tollen Aufnahmen aus der Türkei und den melancholischen Schlussbildern noch tatkräftig unterstützt wird. Das Schlusszitat von Max Frisch sollten sich einige auch heute noch mal vor Augen führen. Denn es kamen nie bloß Arbeitskräfte, sondern Menschen, die ihre Existenz in ihrer Heimat aufgegeben haben und uns dabei geholfen haben, zu der Wirtschaftsmacht zu werden, die wir heute sind. Leider ist der Mensch ein vergessliches Wesen.

8/10

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Donnerstag, 10. März 2011
Rango + diverse Bewertungen


Seit knapp zwei Jahren gehört der 3D Film zum festen Programmteil der Kinobranche. Insbesondere die Animationsfilme wurden im plastischen Projektionsverfahren auf die Leinwand gebracht, sodass jetzt die Auswertung einer großen US-Amerikanischen Produktion unter der Regie von Gore Verbinski (Fluch der Karibik) ausschließlich in 2D geschieht. Für das Auge ist es ohnehin angenehmer und außerdem konnten viele der stereoskopischen Filme qualitativ (auf den räumlichen Effekt bezogen) nicht überzeugen.
RANGO hebt sich aber noch deutlicher von den Mitbewerbern auf dem Animationsmarkt ab, denn dieser Film ist nicht für Kinder geeignet, sondern spricht eindeutig das erwachsene Publikum an (und eben größere Kinder).

Der Westernstil ist konsequent umgesetzt worden. Es gibt einfach nichts Schönes in der Stadt Dreck. Ja, diese Stadt heißt einfach mal Dreck. Der Name ist Programm, denn viel mehr hat die Stadt auch nicht zu bieten. Eine mysteriöse Dürre macht den Bewohnern sehr zu schaffen und dort muss der neue Hilfssheriff Rango herhalten, ein Chamäleon, was wider Willen nach Dreck gekommen ist. Er ist der klassische Antiheld, der durch einen dummen Zufall zur großen Hoffnung der Hoffnungslosen wird. Das Klischee „Glaub an dich und du kannst alles schaffen“ ist zwar wirklich ausgelutscht, wird aber hier mit angezogener Handbremse auf die Moralkeule aufgetragen!

Gore Verbinski zitiert nicht nur wild im Westerngenre herum, sondern liefert letztlich einen astreinen Westernstreifen. Mit viel schwarzem Humor und teils schon grotesken Einfällen weiß er zu unterhalten. Leider geht ihm im Mittelteil deutlich die Puste aus, was das Filmvergnügen am Ende dann doch etwas trübt. Nichtsdestotrotz ist Rango hochwertige Unterhaltung für Animationsfans und eben für diese, denen die Werke von Pixar, Dreamworks und Co. zu kindlich geraten sind.

7/10


Meine erfundene Frau
Anfangs sympathische Komödie, die sich im Verlauf immer mehr in billigen Kalauern und Fäkalwitzen verliert. 4/10

Die Adler der neunten Legion
Aufwändige Sandalenproduktion, die, trotz guter Darsteller und interessanter Geschichte, nicht gänzlich zu überzeugen vermag. 6/10

Unknown Identity
Cooler Actionfilm, dem mehr Tempo und weniger hölzerne Dialoge gut getan hätten, denn die Grundidee ist überzeugend und überraschend. 6/10

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Sonntag, 27. Februar 2011
Kurzkritiken: King´s Speech/127 hours/True Grit


Die Monate Februar und März sind für den deutschen Kinogänger immer besonders anstrengend. In dieser Zeit laufen beinahe alle der nominierten Oscarfilme sehr geballt in den deutschen Kinos an, sodass es auch für einen Blog-Autor schwierig wird dieser Masse gerecht zu werden. Binnen fünf Tagen konnten vor der Oscarverleihung aber noch drei besonders wichtige Werke gesichtet werden. Die Kritiken jeweils in Kurzform hier, auch wenn jeder einzelne Film eine detaillierte Betrachtung verdient gehabt hätte:

The King´s Speech
Sensationelles Schauspielkino, was mit erstaunlich viel Humor aufwartet. Dank einer exzellenten Kameraführung sorgt die Regie hier häufig für ein kammerspielartiges Vergnügen beim großartig aufspielenden Duo Firth/Rush. Colin Firth wird dank seiner sprachlichen Meisterleistung den Oscar mit großer Sicherheit erhalten – verdient!

9/10


127 Hours
James Franco ist ebenfalls völlig zu Recht für den Oscar als bester Schauspieler nominiert. Er spielt den risikobereiten Aron Ralston mit einer leidenschaftlichen Hingabe und versinkt förmlich in der Rolle des adrenalinsüchtigen Bergsteigers. Leider gelingt es Regisseur Danny Boyle trotz der spektakulären Kamerabilder und den innovativen Schnitten nicht, eine Bindung zwischen Zuschauer und Protagonisten aufzubauen, sodass die wahre Geschichte am Ende erstaunlich kalt lässt.

7/10


True Grit
Kurzweiliger Westernstreifen mit einem auftrumpfenden und oscarnominiertem Jeff Bridges, der den gesamten Film auf den Schultern trägt. Sobald er nicht die Leinwand brilliert, verliert das Werk deutlich an Substanz und überzeugt somit nicht auf ganzer Linie. Dazu ist die Story nicht packend und die Charakterzeichnung nicht tief genug. Gewohnt genial dagegen die Dialoge der Coen-Brüder, die durchweg für Lacher in einer von Gewalt geprägten Welt sorgen.

8/10

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Freitag, 11. Februar 2011
Das Lied in mir


Die Frage, ob die eigenen Eltern auch die biologischen Erzeuger sind, möchte man sich gar nicht stellen. Denn wenn man jahrelang das Urvertrauen kennenlernt, zweifelt man keine Sekunde an der Elternschaft. Durch einen Zufall hört Maria (fabelhaft dargestellt von Jessica Schwarz) ein spanisches Kinderlied, während sie in Buenos Aires auf ihren Anschlussflug nach Chile wartet. Sie ist völlig verstört, denn wieso kann sie dieses Lied mitsingen, obwohl sie weder Spanisch spricht noch jemals in Argentinien gewesen ist. Es stellt sich heraus, dass sie in Argentinien geboren wurde und ihr Erziehungsberechtigter Anton zwar die Vaterfigur eingenommen hat, aber nicht der biologische Erzeuger ist, sondern Maria im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland gebracht hat. Die schmerzhafte Suche nach der eigenen Geschichte und Identität beginnt damit für Maria in einer Stadt, in der die ersten Probleme schon bei der reibungslosen Kommunikation beginnen.

Der Debütfilm von Florian Micoud Cossen macht glücklicherweise einige Fehler nicht, die in vergleichbaren Filmen gemacht werden und aus allgemeinen Filmklischees hätten entstehen können. Natürlich ist diese Nachricht ein sehr emotionaler Moment für Maria, dennoch überreagiert sie nicht, sondern handelt verhältnismäßig kontrolliert. Dieses Maß an Selbstkontrolle spielt Jessica Schwarz hervorragend, der man die Rolle zu jeder Sekunde abnimmt. Bevor Vorwürfe gemacht werden, versucht Maria die Gründe zu erkennen und zu ermitteln. Die Kamera verfolgt die Geschichte immer dicht an den Protagonisten hangelnd. Diese Bildsprache ist enorm wichtig für den Film, da hier weitaus mehr mit Bildern, als mit Worten erzählt wird. Die deutschen Dialoge sind schon spärlich gesäht, bei den spanisch sprachigen Dialogen wird der Zuschauer durch den Verzicht von Untertiteln bewusst in die Lage von Maria versetzt, die, wie der Betrachter, kein Wort versteht.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Realität wird niemals übertrieben dargestellt, sondern wirkt durchweg authentisch. Es werden die richtigen Fragen gestellt ohne zu geschwätzig einen Problemfilm eher auf die klassische Art und Weise zu erzählen. So wird die Geschichte durch eine durchweg traurige Atmosphäre begleitet, die trotz der brillanten stillen Szenen am Ende doch zu wenig bietet. Zu viele Fragen bleiben offen. Das mag bewusst gewählt sein, nimmt dem Film aber unnötig Spannung, da einige Hintergründe einfach zu kurz kommen bzw. komplett verschwiegen werden. Damit wird Potenzial für ganz großes Kino verschenkt, auch wenn 90% der Regiedebütanten froh wären, einen solchen Film auf die Beine gestellt zu haben.

7/10

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Donnerstag, 10. Februar 2011
My Soul to take 3D



Manchmal geht man ins Kino, um gar nicht hochwertig unterhalten zu werden. Nein, manchmal darf es auch einfach ein recht schlechter Film sein, der dennoch gerade wegen dieser mangelnden Qualität ein Lachen ins Gesicht zaubert. So auch die Erwartungshaltung bei „My Soul to take 3D“! Niemals hätte jemand gedacht, dass diese Erwartungshaltung um Längen übertroffen werden könnte, aber Kulthorrorfilmemacher Wes Craven hat es tatsächlich geschafft ohne Probleme einen der schlechtesten Filme aller Zeiten zu produzieren und damit auf recht groteske Art und Weise zu unterhalten. Dieser Beitrag könnte nun das Machwerk ganz kritisch beäugen und zu guter Letzt auch noch ernst nehmen, aber das übernimmt der Film dann schon selbst.

Über die Geschichte muss dabei gar kein Wort verloren werden. Oft wird ein schlechtes Drehbuch bemängelt und so wird dann von einem fehlenden Drehbuch gesprochen, um dem Kritikpunkt ein wenig Tiefe zu geben, vielleicht auch um einfach wichtiger zu klingen. In diesem Fall muss eine Ausnahme gemacht werden. Zu diesem Film kann wirklich einfach kein zusammenhängendes Drehbuch existieren. Zusammenhänge zwischen den Handlungen der sogenannten Protagonisten bestehen nicht und niemand tut zu irgendeinem Zeitpunkt auch nur irgendetwas Sinnvolles. Die Dialoge sind dabei so sensationell unterirdisch, dass sie beinahe epische Ausmaße annehmen (Wenn in einem panischen Streitgespräch völlig aus dem Nichts dem letztendlichen Mörder ein Getränk angeboten wird, möchte man nur stehend applaudieren.), ebenso für die Idee, dass jedes Opfer zufällig durch ein völlig deplatziertes Waldstück laufen muss, um zur Schule zu kommen. Straßen wären für den ganzen Hokus-Pokus nun nicht mysteriös genug. Dabei ist der Wald manchmal unglaublich groß, wenig später dagegen gerne nur ein winziges Stück Grün in einer Kleinstadt. Bis auf wenige Ausnahmen muss Mr. Ripper die Todesstöße aber natürlich im schönen Villegrün vornehmen. Da macht das leicht verfluchte Waldstück inkl. Krankenwagenmahnmal(!!!) auch absolut Sinn. Das versteht nun wirklich jeder!

Man hätte doch noch etwas Positives an diesem Film finden können, wenn die Splatterszenen wenigstens spektakulär inszeniert worden wären. Aber die Kamera schaut immer weg und man sieht nur wie ein wenig Blut in den zeitlichen Abständen auf die Opferfüße tropft, wie mehrere kleine Tüten Kunstblut von einem Praktikanten am Set hintereinander geöffnet werden und auf den Boden verteilt werden können.

Die Regie unterbietet mit unsäglichen Anweisungen sogar noch die Leistung der Schauspieler, die allesamt nur ausgewählt wurden, wenn sie in diesem Leben, nicht ohne Grund, kein einziges Casting gewinnen konnten. Sensationell wie deplatziert die Akteure im Set agieren und auf dem Niveau einer drittklassigen Soapdarstellerin ihr Mimenspiel einsetzen. Zu keiner Sekunde wird aus den wahllos zusammengeschnittenen Szenen ein ernst zu nehmendes Ganze, was, ungelogen, unglaublich unterhaltsam ist – denn der Film meint jede Sekunde genau so, wie er sie zeigt! Das macht „My Soul to take 3D“ ohne 3D-Effekte zu einem Highlight am unteren Rande der Erträglichkeit. Schon traurig, wenn ein Film so mies ist, dass man sich nicht mehr darüber ärgern kann, sondern amüsiert die knapp 100 Minuten durchsteht. So wie es zu Weihnachten Schrottwichteln gibt, muss es viel mehr Schrott-Videoabende geben! Falls einer in Planung ist, diesen Film unbedingt mitnehmen. Alle werden den Kenner dieses Machwerkes dafür lieben. Versprochen!!!

1/10

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Samstag, 29. Januar 2011
Tron Legacy


Es ist immer wieder verwunderlich, dass man den Ausdruck „Den Film muss man im Kino sehen“ grundsätzlich nur bei den visuell besonders beeindruckenden Filmen hört. Selbstverständlich muss man einen derartigen Angriff auf den Sehnerv im Kino sehen, um die volle Kraft der Bildgewalt erleben zu können. Jedoch lohnt sich ein Kinobesuch bei einem visuell ansprechenden Film nur genauso oft, wie bei allen anderen Arten der Darstellung auch. Zumal die Ausdruckskraft von Bildern erst im kompletten Film dem Zuschauer bewusst werden kann. Die Kameraarbeit, Regie und allgemein die transportierte Atmosphäre tragen zum Seherlebnis bei und sind damit oft genug ein weiterer Grund einen Film auf der Leinwand zu bewundern.

Im Falle von Tron Legacy war nach der ersten Trailersichtung klar, dass es sich hier um durchdesigntes Popcornkino handeln wird, ohne den Anspruch auf ein stringentes Drehbuch zu haben mit dem Focus auf die Visualität. Diese Erwartungshaltung wird auch definitiv erfüllt. Die sterile Computerwelt ist bis zur absoluten Perfektion durchgestylt. Die Effekte sind tadellos und trotz aller Künstlichkeit kommt niemals ein Zweifel an der Existenz der Parallelwelt auf. Leider sind die angekündigten 3D-Effekte auch in diesem Film nicht so berauschend, wie man es erwartet hatte, ja erwarten musste. Der bei Filmbeginn angekündigte Stilwechsel zwischen Real- und Computerwelt von 2D in 3D überzeugt so nur streckenweise. Tron Legacy punktet aber nicht nur optisch, sondern auch durch den sensationellen Soundtrack von Daft Punk. Selten wurden Bilder derart mühelos in Musik umgewandelt. Umso ärgerlicher ist die Tonabmischung des Films, die an den actionreichen Stellen des Films die Musik nicht genug in den Vordergrund holt und den pulsierenden Symbioseeffekt von Bild und Musik nicht einwandfrei verbinden kann. Absurd dabei die Oscarnominierung für den besten Tonschnitt, umgekehrt jedoch keine Berücksichtigung bei den Special Effects, die zweifelsohne zu den Besten gehören, die das menschliche Auge bisher je zu Gesicht bekam.

Den Machern hätte allerdings auch ein gutes Drehbuch sicherlich nicht geschadet. Niemand erwartet hier eine große Charakterstudie, eingebettet in den Vater-Sohn-Beziehungskonflikt. Bei all der Sterilität hätte eine größere Emotionalisierung der Geschichte dem Film nicht nur mehr Tiefe gegeben, sondern auch einen Batzen mehr Spannung. Über weite Strecken ist Tron Legacy schlichtweg langweilig, was mit Sicherheit auch an der überraschenderweise recht gering ausfallenden Anzahl an Actionszenen liegt. So gerät der perfekte Look am Ende zum Selbstzweck und in der Kombination zur Musik zum einzigen Grund diesen Film zu schauen. Eigentlich wusste man das zwar schon vorher. Mit einer größeren emotionaleren Einbindung rechnet man dann aber doch. Es bleibt eine gewisse Gefühlskälte im Kinosaal zurück, die der Sonnenaufgang am Ende besonders deutlich macht. Eines der einfachsten Stilmittel geht direkt tiefer unter die Haut als jedes gesagte und doch nicht gemeinte Wort im Film. Auch ein Computerprogramm kann dem Sonnenlicht mehr abgewinnen als der Computerwelt und beweist, dass bei all der Logik gar ein Programm ein wenig Gefühl benötigt.

6/10

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Donnerstag, 20. Januar 2011
Black Swan


Mit 29 Jahren kann Natalie Portman schon auf eine sehr beachtliche Karriere zurückblicken. Neben der zweiten Star Wars Trilogie, „Leon-der Profi“, und der Comicverfilmung „V-wie Vendetta“ spielte sie meist in anspruchsvollen Independent-Produktionen mit. Und dieser Karriereweg scheint sich auszuzahlen, denn mit Independent-Meisterregisseur Darren Aronofsky überragt Natalie Portman nicht nur alle ihrer bisherigen Leistungen, sondern MUSS für die Rolle der Balletttänzerin Nina den Oscar erhalten.

Leider wurde in der vergangenen Zeit schon etwas zu viel von der Geschichte verraten, sodass der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so stark einsetzt, wie er es eigentlich könnte. Nina wird auserwählt in der Neuaufführung von Schwanensee die Schwanenkönigin zu tanzen. Insbesondere für die Darstellung des schwarzen Schwans muss sie an ihre Grenzen gehen – im Falle von Nina sogar sämtliche Grenzen überschreiten bis hin zum absoluten Wahnsinn. „Black Swan“ ist nicht bloß ein Film, der die Geschichte einer Tänzerin erzählt und dabei mit ihr durch viel Leid gehen muss. Es ist ein Trip durch sämtliche Gefühlslagen, die der Zuschauer fast schon physisch mit erlebt. Das liegt zum einen an der enorm körperlich agierenden Natalie Portman, zum anderen an der sehr intensiven Kameraführung, die keinen Blick auf schmerzhafte Szenen scheut.

Die Kamera suggeriert nicht selten im Horrorgenre angelangt zu sein und spielt dadurch mit den Vermutungen des Publikums – jedoch nur, um sie weiter in den Wahnsinn zu treiben bis weder Nina noch der Besucher selbst weiß, wie einem selbst geschieht. Dieses Experiment ist so unglaublich sensationell gelungen, dass jeder Filmfreund dieses Meisterwerk gesehen haben muss. Die schauspielerische Leistung einer Natalie Portman ist in Worte nicht zu fassen und spielt alle anderen Darsteller mit ihrer großartigen Performance an die Wand. Das ist eine Kunst für sich, denn sowohl Vincent Cassel als Regisseur als auch die laszive Mila Kunis als Teil der Tanzcompany liefern preisverdächtige Leistungen. Das größte Kunststück, was Darren Aronofsky jedoch gelingt, ist die Tatsache, dass dieser Film nicht bloß das Arthouse-Publikum begeistern wird, sondern trotz des hohen Anspruches durch Teile der Bildsprache auch den Zugang zum Mainstream-Publikum erreicht.

Wir blicken tief in die Seele einer Perfektionistin, die den Blick für die Realität durch ihren Wahn längst verloren hat. Dieser Gesichtspunkt lässt sich auf sämtliche Bereiche des Lebens übertragen, aber im Umfeld des Balletts, einer der schönsten und ästhetischsten Kunstformen, wirkt der Absturz in dunkle psychische Gefilden besonders konträr und brutal. Die letzten zehn Minuten werden in einigen Jahren wohl legendär sein und beim Zuschauer auch noch Tage nach dem Kinobesuch nachwirken. Wenn Kino diesen Effekt erzeugen kann, hat der Film mehr als alles richtig gemacht.

10/10

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Dienstag, 18. Januar 2011
Green Hornet + Love and other Drugs + Bewertung Last Night


Comicverfilmungen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, ähnlich wie mit den alljährlichen Weihnachtsfantasystreifen ist die Qualität der Quantität gewichen, sodass sich der Zuschauer mittlerweile zweimal überlegt, ob er sich eine (in Deutschland ja meist) unbekannte Comicvorlage als audiovisuelles Spektakel auf der Leinwand anschauen mag. Unfreiwillige Komik und oftmals auch zu ernste Verfilmungen von Strumpfhosenhelden wirken dann doch oft etwas seltsam. In diesem Fall versucht Regisseur Gondry zu keiner Sekunde an andere Verfilmungen dieser Art anzuschließen, sondern führt das komplette Superheldengenre von Beginn an ad absurdum.

Es vergehen keine fünf Minuten, in denen kein Verweis auf übertriebene Darstellung der Vorbilder hinweist. Dabei gelingt Gondry das Kunststück sich mit dem Zuschauer nicht auf Kosten der Verfilmungen lustig zu machen. Viel mehr erfreut er sich an den kleinen Ungereimheiten, die er mit viel Liebe zum Detail in die Welt von Green Hornet einfügt. So wird es eher eine kleine Hommage als eine Persiflage von Superman und Co. Der humoristische Aufbau macht unglaublich viel Spaß und lässt auch über Logik- und Drehbuchlöcher hinwegsehen. Denn die wahre Handlungsmotivation von Britt Reid und Kato (tolles Gespann: Seth Rogen und Jay Chou) wird über die komplette Spielzeit von 120 Minuten nicht klar und noch weniger nachvollziehbar.

Neben der ganzen Gags geht dennoch zwischendurch ein wenig die Puste aus und manchmal wünscht man sich, dass nicht aus jeder einzelnen Szene zwangsweise ein Gag herausgequetscht werden muss. Obwohl die meisten Gags zünden, wäre es doch wünschenswert, wenn die Geschichte vorangetrieben werden würde, statt das Zwerchfell zu kitzeln. Denn das hat Green Hornet gar nicht nötig, ebensowenig wie den 3-D-Effekt, der nur an den wenigsten Stellen überzeugt, am meisten im toll animierten Abspann! Übrig bleibt spaßiges Popcornkino, was die Eintrittskarte wirklich wert ist.

7/10


Love and other drugs
Anne Hathaway ist der Star dieser dramatischen Romantikkomödie! Sie trägt den Film über Oberflächlichkeiten hinweg und fokussiert durch ihr intensives Spiel die ernsten Hintergründe über Krankheiten und dessen Umgang in einer partnerschaftlichen Beziehung und die Verfahrensweise der Pharmaindustrie, die neue medizinische Produkte verkaufen will. Dankenswerterweise wird niemals die absolute Kitschkeule ausgepackt, denn die Chemie zwischen Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal ist derart überzeugend, dass keine weitere Intensivierung der Romantik notwendig ist. Trotz dieser mehr als guten Vorzeichen schafft der Film es nicht restlos zu überzeugen. Der Film ist nur selten lustig, um als Tragikomödie punkten zu können; für ein Drama jedoch zu harmlos und oberflächlich.

7/10



Last Night
Geschwätziges Drama über Versuchungen und Seitensprünge. Im zweiten Drittel dreht sich das Schauspiel etwas im Kreis, kann aber mit dem konsequent offenen Ende punkten!
6/10

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Sonntag, 9. Januar 2011
Howl


Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich auf wahre Begebenheiten berufen, das Leben schreibt eben noch die besten Geschichten. Anders lässt sich die hohe Anzahl der Biografien, Tatsachenfilme oder auf Erzählungen basierende Werke in den letzten Jahren nicht erklären. Viel seltener dagegen dreht sich ein gesamter Film, um ein literarisches Werk bzw. dessen Entstehung. Preisgekrönte Beispiele sind „The Hours“ oder auch „Capote“, bei denen jeweils die Hauptrolle mit dem Oscar ausgezeichnet worden war. Soweit wird es für James Franco mit Sicherheit nicht kommen, obwohl seine Leistung zu der bisher Besten seiner Karriere gehört. Er spielt den Poeten Allen Ginsberg, Autor des skandalsträchtigen Gedichtes „Howl“.

Dieses Werk begleitet den Zuschauer kontinuierlich durch den Film, obwohl die Haupthandlung zwischen zwei Schauplätzen hin und her wechselt. Der eine Ort ist der Gerichtssaal, in dem Ginsbergs Verleger wegen Veröffentlichung von Obszönität angeklagt ist. Der Andere ein unbekanntes Zimmer, in dem Ginsberg über seine Arbeit, Inspiration und auch über Hintergründe des Skandalswerkes „Howl“ spricht.
Verknüpft werden die zwei Erzählebenen durch düstere Animationen, die immer wieder die Handlung des Gedichtes wiedergeben. Der Zuschauer hört das Gedicht nicht bloß, er erlebt es in wirren und atmosphärischen Bildern. Daneben trägt James Franco es voller Inbrunst einer kleineren Gruppe vor. Der Film spielt also auf vier verschiedenen Ebenen, der durch eine fünfte dokumentarische Seite noch verstärkt und weitere Authentizität erhält.

Diese kreative Vielfalt macht den Film mitunter sehr anstrengend zu verfolgen. Während man die kräftigen Verse erst einmal zu verarbeiten und verstehen versucht, geht die Handlung im Film natürlich schon weiter und prügelt sehr intelligente Mono- und Dialoge auf den Zuschauer ein, die ebenfalls erst einmal wirken müssen. Dieser Effekt scheint gewollt zu sein. Schließlich ist der Film ein flammendes Plädoyer für das freie gesprochene und geschriebene Wort. Ein Thema, was auch immer Jahre 2011 immer noch oder gerade wieder aktuell ist. Das Urteil über „Howl“ war für die Literaturszene ähnlich bedeutsam wie für die Schwulenbewegung der 50er Jahre. Die Grundfrage der Anklage kann somit beantwortet werden. „Howl“ ist von literarischem Wert und bleibt auch noch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung von großer Bedeutung.

So kreativ und detailliert die Regisseur Rob Epstein und Jeffrey Friedman all diese Themen in den Film einflechten, so überfordert werden einige Zuschauer das Kino verlassen haben. Es ist an einigen Stellen schlichtweg zu viel auf einmal und Emotionen werden unterdrückt, da diese sich nicht entfalten können. Denn nach einigen Momenten wird das Hirn wieder mit weiteren audiovisuellen Bombardements attackiert!

8/10

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Mittwoch, 5. Januar 2011
The Kids are all right



Die Ausgangssituation liest sich wie politisch überkorrektes Nischenkino mit der Garantie wegen penetrant ins Auge stechenden Moralzeigefinger zu erblinden: Ein lesbisches Pärchen hat zwei Kinder, die Dank eines Samenspenders gezeugt wurden. Die Tochter ist 18 Jahre alt und hat somit das Recht den Spender zu erfahren, sofern er dem zustimmt. Natürlich tut er dies und so entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten sich kennenzulernen, jedoch auch Probleme im Fundament der außergewöhnlichen Familie. Der Trailer konnte bereits erste Zweifel an der Überkorrektheit des Streifens beseitigen, ein etwas unwohles Gefühl blieb dennoch. Völlig unberechtigt!

Zu allererst: Der Cast ist nicht nur sensationell gut (allen voran die göttlich aufspielende Annette Bening), sondern auch unendlich sympathisch. Man möchte sich sofort mit den Darstellern auf die Terrasse setzen und sich ebenfalls ein Weinchen genehmigen. Denn die Protagonisten sind derart authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass sich blitzschnell ein Identifikationspotenzial sondergleichen einstellt. Es sind die versteckten Blicke und Gesten, die den Film so besonders machen und gegen Ende zu einem Juwel wachsen lassen. THE KIDS ARE ALL RIGHT beschönigt nichts, ist brutal ehrlich und der Schlusssatz aus dem Munde des Sohnes so bittersüß und wahr, wie ihn tatsächlich nur der eigene Nachwuchs in jugendlicher Logik hervorbringen kann.

Der Entfremdungsprozess einer langjährigen Beziehung wird pointiert und immer mit dem richtigen Gefühl vermittelt. Die Geschichte verliert trotz der vielschichtigen Strukturen innerhalb der fünf Figuren niemals den roten Faden und verläuft sich nicht in kitschigen Liebesklischees. Dafür an die Drehbuchautoren ein großes Lob, wie auch an die Kamera, die jedem Darsteller genug Raum gibt sich zu entfalten und in den richtigen Momenten mit der Nahaufnahme ganz intime Momente einfangen kann.

Die Tatsache, dass es sich um ein homosexuelles Paar handelt, wird absolut zur Nebensache und wirkt niemals aufgesetzt. THE KIDS ARE ALL RIGHT ist somit nicht nur ein hervorragender Film, sondern ebenfalls ein unaufdringliches Plädoyer für homosexuelle Kindererziehung. Denn es spielt keine Rolle, wer sich in welcher Form liebt. Die Probleme und Hürden bleiben überall gleich. Der Film liefert zwar keine neuen Erkenntnisse, setzt diese aber so angenehm ehrlich um, dass ich jedem Darsteller jeden gesprochenen Satz voll und ganz abnehmen kann.


9/10

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Montag, 20. Dezember 2010
The Tourist + Kurzkritik Narnia 3


Der Erfolgsdruck war immens groß. Nachdem absoluten Meisterwerk „Das Leben der Anderen“ wartete nun Hollywood auf Florian Henckel von Donnersmarck. Eigentlich sollte für jeden Filmemacher die Ehre ausreichen, den zweiten Film bereits in den USA drehen zu dürfen, dann aber auch noch mit den zwei aktuell größten Filmstars der Welt einen Weihnachtsblockbuster produzieren zu können, ist der letzte Ritterschlag für das schon beinahe fünf Jahre alte Stasi-Drama. Es wird leider das letzte Zugeständnis bleiben, denn die Lorbeeren sind nach diesem Film schon verbraucht.

THE TOURIST ist ein langweiliger, schnöder und komplett seichter Film über Identitätsschwindel. Der Trailer suggerierte einen Thriller, bei den Golden Globes sind die Darsteller im Segment „Beste Komödie“ nominiert. Dabei ist der Film weder Komödie, eine Liebesgeschichte, noch ein Thriller. Eigentlich ist der THE TOURIST lediglich eine uninspirierte Abfolge von Bildern, die im traumhaft schönen Venedig postkartenähnlich abgelichtet worden sind. Die Geschichte ist arg konstruiert, die Auflösung strotzt vor Logiklöchern und die beiden Weltstars liefern ihre Schauspielkunst auch eher routiniert ab. Eine bemerkenswerte Leistung muss daher den drei Hauptakteuren (Jolie, Depp und von Donnersmack) aberkannt werden. Das größte Problem des Films ist aber gar nicht das unausgegorene Skript oder die Leistung der Darsteller, sondern einfach die pure Langeweile, die im Kinosaal regiert. Die Inszenierung ist viel zu ermüdend, sogenannte Actionszenen bleiben viel zu rar eingestreut und insgesamt auch nicht wirklich spektakulär.

Die Grundidee ist dabei gar nicht so uninteressant. Leider bleiben die Charaktere blass, man erfährt schlichtweg nichts über sie. Das sorgt für etwas Mysteriöses zu Beginn, ab dem Mittelteil und gegen Ende nervt diese Tatsache nur noch. Den Zuschauer lässt das Gefühl nicht los, einen überflüssigen Film gesehen zu haben, der an den eigenen Erwartungen zerbricht.

4/10


Die Chroniken von Narnia – die Reise auf der Morgenröte

Die ersten beiden Teile der Fantasyfilmreihe waren bislang nie große Kinohighlights, dennoch versprühten die Filme einen gewissen Charme, der das bunte Treiben sympathisch an die Besucher transportierte. Der dritte Teil ist dagegen um einiges schwächer als die Vorgänger. Das Drehbuch hat keinen roten Faden, sodass man das Gefühl hat, kleine Story- bzw. Episoden Häppchen präsentiert zu bekommen, die nacheinander gezeigt werden. Kinomagie tritt dabei selten ein. Die Bilder sind gewohnt opulent und zur meisten Zeit schaut man sich das Ganze auch gerne an. Leider sieht man an einigen Ecken das gekürzte Budget und sehnt sich nach den großen Fantasyfilmen. Geduld ist gefragt, die Verfilmung von „Der Hobbit“ lässt noch ein wenig auf sich warten. Narnia bleibt ein nettes Filmchen – nicht mehr, nicht weniger.

5/10

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Donnerstag, 16. Dezember 2010
22 Bullets


Rachethriller meets Mafiafilm und das Ganze sogar noch in Frankreich. Ja, richtig gelesen, die Mafia agiert offenbar auch bei den Franzosen und hat es auf den Mafiarentner Charly Mattei (Jean Reno) abgesehen. Bei einem Ausflug mit seinem Sohn wird er im Parkhaus von 22 Kugeln durchbohrt, überlebt diesen brutalen Anschlag jedoch wie durch ein Wunder. Niemals wird er den Fängen der Mafia entkommen können und beschließt daher alle Beteiligten des Überfalls zu ermorden und somit auf einen Rachefeldzug zu gehen. Dumm nur, dass sein einstiger Freund Tony Zacchia (Komödiendarsteller Kat Merad) dahinter steckt.

Da sind wir schon bei dem grundsätzlichen Muster eines klassischen Rachefilms angelangt, der jedoch endlich einmal das direkte Opfer zum Täter werden lässt (meist wird ein Kind des Protagonisten entführt oder ermordet). Die Einbindung in das Genre der Mafiafilme ist sehr glaubwürdig gelungen, denn hier spielt nicht nur das Blutvergießen eine Rolle, sondern auch die Ehre, Respekt und die weiteren Zutaten, die bei einem Mafiafilm nicht fehlen dürfen. Auch die beiden Darsteller überzeugen durchweg und können den Film über die komplette Laufzeit tragen. Alles ist sehr kurzweilig, wenn auch wenig spektakulär und nicht sonderlich innovativ inszeniert worden. So erhöht sich die Spannung zwar, dennoch berührt selbst eine Kindesentführung nur schwach. Ebenso werden weitere Klischees einfach zu sehr ausgereizt, woran die gesamte Authentizität schlichtweg leiden muss. Es ist unbegreiflich, warum die ermittelnde Polizeibeamtin mal wieder ihr eigenes Schicksal mit dem Fall bewältigen muss und NATÜRLICH ein Alkoholproblem hat. Diese Art von Nebengeschichte nervt, da schon zigfach gesehen.

Dennoch ist es erstaunlich, dass sogar der Rachefeldzug selbst weitaus kritischer dargestellt wird, als man es von anderen Genrefilmen kennt. Das Gewissen spielt immer eine Rolle, außerdem muss Charly Mattei auch sein eigenes Leben schützen. Trotz der kriminellen Vergangenheit sympathisiert man schnell mit dem Antihelden dieses Films, dessen Qualität trotz einiger positiver Faktoren nicht mehr als überdurchschnittlich zu bewerten ist. Gegen Ende fragt sich der deutsche Zuschauer dagegen, ob diese Art von Film auch mit Schauplatz Deutschland gut funktionieren würde. Das passende Ende im Watt der Nordsee ließe sich jedenfalls inszenieren. Ach, besser nicht.

6/10

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Dienstag, 14. Dezember 2010
Rapunzel + Bewertung Fair Game



Das ist er nun, der 50. Zeichentrick/Animationsfilm aus dem Hause Disney. Passend (wie meistens) zur Weihnachtszeit soll es wieder märchenhaft in Deutschlands Lichtspielhäusern zugehen. Nachdem erste eigene Ausflüge in die CGI-Animation kommerziell eher mittelmäßig erfolgreich und inhaltlich bloß durchschnittlich waren („Himmel und Huhn“, „Triff die Robinsons“ und „Bolt“), meldete sich Disney letztes Jahr mit dem zauberhaften „Küss den Frosch“ im alten 2-D Zeichentrickstil zurück. Rapunzel hingegen erstrahlt wieder im CGI-Animations-Stil von der Leinwand, dieses Mal sogar in 3D.

Eine Märchenverfilmung klingt erst einmal wirklich unspektakulär und ziemlich bieder. Ein gewisses Vorurteil bekommt man deswegen vor Filmbeginn einfach nicht los, eben auch weil der Trailer nicht jeden Kinogänger restlos überzeugen konnte. Doch bereits nach wenigen Augenblicken ist man im Disney-Zauber gefangen und auf direktem Wege zurück in die Kindheit als Zeichentrickfilme grundsätzlich ein Highlight waren. Die Geschichte rundum die verloren gegangene Prinzessin Rapunzel wurde aufgepeppt und modernisiert, jedoch ohne dabei völlig auf den heutigen Zeitgeist zu setzen. Die Atmosphäre ist angenehm klassisch und durch den unaufdringlichen Animationsstil bemerkt man die Veränderung der Machart im Vergleich zu den älteren Klassikern wie „Das Dschungelbuch“ keineswegs. Ja, es ist gar der erste Animationsfilm, der das Flair eines gezeichneten Trickfilms auf die CGI-Ebene bringen kann.


Neben der üblichen Liebesgeschichte (in diesem Fall mit dem Dieb Flynn Ryder) dürfen selbstverständlich auch die schrägen Nebenfiguren niemals fehlen. Das treue Chamäleon Pascal und das gewissenhafte und übermotivierte Gardepferd Maximus sorgen für die meisten Lacher im Kinosaal. Glücklicherweise können beide ausnahmsweise nicht sprechen, sondern agieren lediglich über Mimik und Körpersprache. Dennoch ist den Machern das Kunststück gelungen beiden Figuren einen Charakter zu verleihen. Aber auch ohne die beiden stillen Helden gibt es große Kinomomente. Wenn gegen Ende hunderte Leuchtlaternen in 3-D in den Abendhimmel steigen, regiert die Kinomagie das Publikum. Klar, ein wenig kitschig ist es schon, aber in der Weihnachtszeit sollte das erlaubt sein. Denn was bleibt, ist ein tolles Kinoabenteuer, dass vom Ideenreichtum und der erzählerischen Finesse zwar nicht an die Pixar-Filme heranreichen kann, jedoch durch die zauberhafte Atmosphäre zu einem der Kinohighlights im Jahre 2010 wird.

9/10



Fair Game
Großartig gespielte, semi-dokumentarische Geschichtsstunde über einen unfassbaren, weil wahren Fall in der jüngeren US-Geschichte. Naomi Watts verkörpert die starke Frau, Valerie Plame, mit einer Leidenschaft, als hätte sie die Strapazen alle selbst tatsächlich überstehen müssen.

8/10

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