Dienstag, 9. Februar 2010
Zeiten ändern dich
Der Abend sollte die Apokalypse für meine Kinokarriere bedeuten. Mit geducktem Kopf ging es an den Platzanweisern vorbei und mit mulmigen Gefühl in den Kinosaal. Ja, die Schamgrenze den Bushido-Film zu sehen war recht groß, aber aus großer Freundschaft bin ich mit gegangen, weil diese Person für mich Gleiches in Kauf nehmen würde. Trotz Übertreten der Schamgrenze, was eindeutig am restlichen Publikum lag (auch das versuchte ich gekonnt schön zu reden), versuchte ich mir eine gewisse Unvoreingenommenheit zu wahren. Meine gewollt neutrale Haltung sollte belohnt werden.

Vorab aber noch eine Information, bevor im Ansatz etwas falsch verstanden werden könnte. Bushido wird in diesem Leben kein Schauspieler mehr werden! In einigen Szenen ist das Unvermögen Emotionen zu vermitteln arg peinlich. Jedoch gibt es auch Momente, die enorm authentisch inszeniert worden sind und die Lebensgeschichte glaubwürdig auf die Leinwand bringen.
Es wäre ein Leichtes diesen Film wirklich schlecht zu finden, jedoch würde man sich demnach nur den recht einfach gehaltenen Anti-Parolen der restlichen Medien unterordnen. Hip Hop ist nicht jedermanns Sache, darf aber deswegen kein Kriterium für einen Film darstellen, der genau in diesem Metier seine Schauplätze findet. Für Fans wird es also ein Segen sein, einige alte Songs im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte zu sehen und dazu ein paar neue Tracks geliefert zu bekommen.

Hannelore Elsner mimt dafür die Mutter einfach gut, Moritz Bleibtreu spielt entweder wieder sich selbst oder es ist einfach die perfekte Art von Rolle, die der Schauspieler braucht. Bushidos Vater ist ein gebrochener Mann, sein ursprünglicher Manager die Art Kotzbrocken, die man sich für das verlogene Geschäft vorstellt. Ja, hier werden Klischees bedient, die häufig arg an der Grenze sind, aber ehrlich: Sie funktionieren.
Hip Hop selbst lebt ständig von Klischees und Posen, sodass es letztlich gar keine Rolle spielt, was der Wahrheit entspricht und was nicht. Angenehm ist dabei, dass sich die Klischees auf deutsche Gegebenheiten beschränkt und mit US-Amerikanischen Szenarien wie Schießereien oder Prostitution dankenswerterweise nicht in Berührung kommen.

Uli Edel und Bernd Eichinger verstehen ihr Handwerk und liefern ein Hochglanzprodukt der deutschen Hip Hop Welt. Der Film ist weitaus harmloser als man im Vorfeld gedacht hätte. Die Jugendfreigabe von 12 Jahren sollte profitfördernd erreicht werden. Was bleibt ist ein Film, der keinerlei Diskussion Wert ist. Dafür ist er weder gut noch schlecht genug.

6/10

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