Freitag, 21. Mai 2010
Prince of Persia


Computerspielverfilmungen haben es bei Kritikern und grundsätzlich auch an den Kinokassen schwer. Dabei sind einige Vorlagen oft sehr interessant und versprechen bereits auf dem PC-Monitor einen erlebnisreichen Kinofilm sehen zu können.
Das Abenteuergenre soll mit „Prince of Persia“ bedient werden und die Ausgangssituation der Geschichte lässt eine derartige Platzierung ohne weiteres zu.
Die Schwierigkeit einer solchen Produktion liegt allerdings bereits in der Frage, ob das Computerspiel sehr genau übernommen werden sollte oder eine freie Interpretation für den Großteil des Kinopublikums eine bessere Alternative darstellen würde.
Hier ist es eindeutig: Der Film ist die „nicht interaktive“ Leinwandversion des Computerspiels.

Die Umsetzung gelingt glaubwürdig, die Jump and Run Elemente sind effektiv eingesetzt worden und unterscheiden sich nur in ihrer Ausführung von anderen Actionsequenzen von Filmen des Genres. Der Zeitlupeneffekt in Kampfsequenzen hingegen nervt bis ins Unermessliche. In diesen Momenten wird aus der Hochglanzproduktion ein B-Movie und an einigen Stellen erinnert man sich daher an Action-Mist wie den Power Rangers. Die Umgebung wird unscharf, sodass niemandem auffallen kann, wie günstig diese Szenen produziert worden sind. Allgemein sieht das Set an einigen Stellen sehr billig und damit sehr unauthentisch aus, denn das persische Königreich ist steril, sauber und absolut glattgebügelt. Die Special Effects sind dagegen meist ansehnlich erstellt worden und überzeugen in den Momenten des Zeitsprungs besonders.
Ein weiterer Nervfaktor ist die ursprüngliche 3-D-Produktion des Films. In einer minütlichen Regelmäßigkeit bewegen sich Gegenstände in die Richtung des Zuschauers, ohne irgendeinen Effekt zu erzielen. Billige Effekthascherei ohne dabei den damals gewünschten Effekt zu erzielen. Peinlich!

Das größte Problem des Films ist jedoch die Regie. Mike Newell gelingt es nicht seine Schauspieler effektiv in Szene zu setzen. Ständiges Overacting (die Darsteller bemühen sich redlich) und sinnlose Platzierung von Statisten, teils sogar der Hauptdarsteller zerren an den Nerven des Publikums. Die Entscheidung, auf teils lockere und coole Sprüche zu setzen und sich dabei am Vorbild „Indiana Jones“ zu orientieren, ist verständlich, aber katastrophal umgesetzt worden. Ohne Witz und ohne Coolness kann einfach kein Spruch sitzen. Das Spiel der Schauspieler wirkt aus diesem Grund oft blutleer und hilflos. Das uninspirierte Ende setzt am Ende das saure Sahnehäubchen auf eine misslungene Torte. Ohne jeden Mut wählte man die Leichteste aller Varianten, die ohne eine ansatzweise realistische Konsequenz für die Protagonisten auskommt. Das Gute muss keinen Preis bezahlen, sondern erhält in bester Disney-Manier einfach die größtmögliche Perfektion für die letzten zwei Stunden substanzlose Unterhaltung. Popcornkino hin oder her. Für vollkommen bescheuert lasse ich mich dann ungern verkaufen!

4/10

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