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Montag, 7. Juni 2010
The Messenger (plus weitere Bewertungen)
dopo, 16:02h

Eine Todesnachricht den Angehörigen des Verstorbenen zu überbringen ist eine harte Aufgabe und verlangt vom Ausführenden eine große emotionale Stabilität ab. Die US-Army erwartet vom Protagonisten Will in seinen letzten drei Monaten Dienstzeit jedoch noch viel mehr. Er übermittelt nicht bloß die Todesnachrichten aus dem Irakkrieg. Will selbst hat im Irak gekämpft, Kameraden vor den eigenen Augen sterben gesehen und durch einen Unfall selbst Verletzungen davon getragen. Eine psychologische und emotionale Bewährungsprobe für den jungen „Kriegshelden“. Problematisch besonders, wenn man sich in eine Empfängerin einer überbrachten Nachricht verliebt, obwohl der Kontakt mit den Angehörigen strengstens untersagt ist.
Hollywood hätte aus dieser überladen wirkenden Ausgangssituation einen Film drehen können, der mit Pathos reichhaltig angereichert, präsentiert worden wäre. Glücklicherweise gelingt es dem Regisseur Oren Moverman mit seinem glänzenden Cast jegliche Überemotion zu vermeiden. Im Gegenteil: Durch das stille Schauspiel werden hochsensible Momente würdevoll und authentisch gezeigt. Sobald sich Ben Foster und Woody Harrelson (grandios gespielt) nach der Arbeit treffen wird der Schmerz, den beide versuchen zu verarbeiten, deutlich. Der psychologische Druck ist schwer zu ertragen. Dabei hätten die Soldaten ebenfalls ärztliche Hilfe nötig, um mit den eigenen Probleme klar zu kommen. Daher werden in den Szenen, in denen die Nachrichten übermittelt werden, nicht nur die Emotionen der Angehörigen in den Mittelpunkt gerückt, sondern auch das verkrampfte „Haltung wahren“ der zwei Soldaten gezeigt. Die Kamera ist ruhig, Schnitte werden sparsam eingesetzt, die leeren Straßen und die Trostlosigkeit damit perfekt eingefangen.
Die Trauer muss verarbeitet werden und manchmal genügt eine einzige Umarmung, um Menschlichkeit und Mitgefühl zu transportieren. In diesen Momenten gibt es keine Regeln oder Ablaufpläne. Jeder Mensch reagiert anders, jeder muss anders behandelt werden. Diese Erkenntnis ist nicht nur für die Angehörigen wichtig, sondern auch für die beiden Soldaten, die ihren Kummer selbst in Alkohol ertränken.
Die leise Hoffnung findet Will bei der Trauernden Olivia. Eine absurde Situation, so absurd wie der Krieg, so absurd wie der Umgang mit den Trauernden und auch den Soldaten, so absurd wie manchmal eben doch das ganze Leben. Hoffnung dagegen ist nie absurd, sondern stärkt sogar einen fast leblosen Geist.
9/10
Weitere Filme:
Sex and the City 2 3/10 – überflüssiges Sequel, das viel Mode aber wenig Story zu bieten hat!
Vincent will Meer 9/10 – bereits im April gesehen, aber heute immer noch ein Geheimtip.
Vergebung 9/10 – famoses Finale einer tollen und extrem spannenden Trilogie!
The Crazies 8/10 – sehr gelungener Horrorfilm, der mit tollen Darstellern, beklemmender Atmosphäre und einem recht realistischen Plot aufwartet.
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