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Dienstag, 6. Juli 2010
Pippa Lee
dopo, 12:42h

Neben der immer stärker werdenden WM-Euphorie vergisst man schnell, dass jeden Donnerstag neue Filme in den Kinos anlaufen. Aufgrund des Wetters und dem extrem starken Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft sparen sich die meisten Menschen jedoch ihren Besuch, was aufgrund kleiner Filmperlen, wie dieser, ein großer Fehler ist.
Pippa Lee ist die Romanverfilmung des Bestsellers von Rebecca Miller, die auch das Drehbuch schrieb und selbst Regie führte. Damit ist bereits vor der ersten Minute eines klar: Der Film wird exakt so umgesetzt worden sein, wie die Autorin es sich vorgestellt hat. Ein seltener Glücksfall, der dem Film natürlich sehr gut tut. Die Geschichte über die Verlegerfrau gehört mit Sicherheit nicht zu den spektakulärsten Erlebnissen, die das Kino hervorgebracht hat. Dennoch ergeben sich einige große Momente, die aus der semi-tragischen Geschichte von Pippa Lee entspringen.
Das Leben von Pippa könnte eigentlich nicht besser sein. Sie hat zwei Kinder, die auf dem Weg sind erfolgreiche Persönlichkeiten zu werden. Das Haus ist elegant eingerichtet und auch sonst fehlt es der 50jährigen an nichts. Sie führt jedoch kein absolut glückliches Leben. Ihre Tochter verachtet die Protagonistin, eine wirkliche Aufgabe hat Pippa nicht und ihr Mann ist knapp 30 Jahre älter als sie selbst, sodass jede Blutdruckmessung und der übertriebene Gesundheitswahn von Pippa die Beziehung belastet. Klar ist, ihr Ehemann Herb befindet sich in einer anderen Lebensphase und nun leben die Beiden sogar noch in einem Seniorenviertel. Ja, es gibt genug Gründe in eine Lebenskrise zu geraten. Nein, es handelt sich dabei nicht um einen Film aus der Upper Class mit Luxusproblemen, um die jeder Normalsterbliche neidisch wäre. Im Gegenteil!
Durch den grandiosen Erzählwechsel vermischt sich die Vergangenheit immer wieder mit der Gegenwart und mithilfe von simplen Schnittspielereien werden die Parallelen zur Kindheit/Jugend immer wieder deutlich gemacht. In der Mitte des Films wendet sich das Gefühl des Neides zwar nicht in Richtung Mitleid, aber dieses Leben möchte der Zuschauer zum größten Teil dennoch nicht gelebt haben. Der hoffnungsvolle Blick auf eine Aufgabe, auf einen eigenen Platz im Leben macht aber auch im etwas höheren Alter nicht halt. Die Möglichkeit sich zu ändern und sein Lebensumfeld neu zu gestalten, bleibt niemals aus. Mit dieser gut gemeinten und umgesetzten Botschaft verlässt man zufrieden den Saal.
Der Film lebt von den herausragenden Leistungen der Darsteller, allen voran die zauberhafte Robin Wright Penn, die ihrer Figur Würde und Stil verleiht. Der übrige Cast mit Alan Arkin, Maria Bello, Keanu Reeves, Juilianne Moore, Monica Bellucci und Newcomerin Blake Lively brilliert und machen aus der recht zusammenhanglos erzählten Geschichte großartiges Schauspielkino, bei dem regelmäßig ganz feiner Humor aufblitzt – alles Zutaten, die einen gelungenen Kinoabend in einer lauen Sommernacht schmackhaft machen.
8/10
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