Montag, 11. Oktober 2010
The Social Network


Jeder nutzt es, die einen mehr, die anderen weniger. Und auch dieser Blog wäre in seiner Existenz noch eine Spur bedeutungsloser, wenn die Verbreitung nicht durch die gleiche Plattform angetrieben werden würde. Ja, die Rede ist von Facebook. Bis auf wenige Eckdaten blieb das Bild des genialen Erfinders und gleichzeitig jüngstem Milliardär der Welt weitestgehend unergründet. Regiemeister David Fincher („Fight Club“, „Benjamin Button“) sorgt für Aufklärung; dennoch wird im Film nicht verraten, welche Elemente fiktional sind und welche Dinge der Wirklichkeit entsprechen. So bleibt auch am Ende dem Zuschauer ein klares Bild verwehrt.

Der Einstieg ist furios und voller Biss. Bereits nach drei Minuten hat Mark Zuckerberg (großartig dargestellt von Jesse Eisenberg) jedwede Möglichkeit auf Sympathie auf die komplette Filmdauer von 120 Minuten verspielt. Auf eine herausragende Art und Weise wird der gesamte Charakter des Menschen Zuckerberg in Windeseile skizziert. Die sowohl für die Gründung von Facebook als auch die für den Film relevanten Eigenschaften werden blitzschnell deutlich: intelligent, wortgewandt, im sozialen Umgang völlig verkrüppelt und arrogant. Das Niveau dieser genialen Ausgangsszene kann der Film bei weiten nicht bis zum Schluss halten, dennoch handelt es sich hier um einen Film, der mehr ist als ein bloßes Biopic der letzten Jahre von Zuckerberg.

Die Gier nach Anerkennung, Fortschritt und Alleinstellung in der Gesellschaft multipliziert sich nach jedem Erreichen einer weiteren Karrierestufe ins Unermessliche. Auf dem Weg zum Milliardär muss man Opfer bringen, auch wenn der einzige Freund, dem man im Leben wahrscheinlich haben wird, hierbei auf der Strecke bleibt. Das Grundgerüst des Films erinnert demnach an Wall Street, der ab nächster Woche auch in Deutschland seine Fortsetzung erlebt. Leider vertieft sich Fincher immer wieder in den technischen Details und beleuchtet die „nerdige“ Seite von Zuckerberg weitaus mehr als eine Reflektion des aktuellen Zeitgeistes verbunden mit der Faszination des Social Networks im Film zu implementieren.

Am Ende steht bloß ein einsamer Computerfreak mit Unsummen an Geld, den der Zuschauer bereits zu Beginn nicht leiden konnte. Eine persönliche Figurenentwicklung erlebt demnach niemand, dafür jedoch teils sensationelle Dialoge, die aufgrund der anspruchsvollen Thematik langsamer hätten gesprochen werden können. In diesem Fall behalten nur Informatikstudenten den Überblick, die, nach dem sicherlich nicht falschen Klischee des Films, sich jedoch eher selten in einem der Kinosäle im Lande verlieren werden.

8/10

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