Mittwoch, 5. Januar 2011
The Kids are all right



Die Ausgangssituation liest sich wie politisch überkorrektes Nischenkino mit der Garantie wegen penetrant ins Auge stechenden Moralzeigefinger zu erblinden: Ein lesbisches Pärchen hat zwei Kinder, die Dank eines Samenspenders gezeugt wurden. Die Tochter ist 18 Jahre alt und hat somit das Recht den Spender zu erfahren, sofern er dem zustimmt. Natürlich tut er dies und so entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten sich kennenzulernen, jedoch auch Probleme im Fundament der außergewöhnlichen Familie. Der Trailer konnte bereits erste Zweifel an der Überkorrektheit des Streifens beseitigen, ein etwas unwohles Gefühl blieb dennoch. Völlig unberechtigt!

Zu allererst: Der Cast ist nicht nur sensationell gut (allen voran die göttlich aufspielende Annette Bening), sondern auch unendlich sympathisch. Man möchte sich sofort mit den Darstellern auf die Terrasse setzen und sich ebenfalls ein Weinchen genehmigen. Denn die Protagonisten sind derart authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass sich blitzschnell ein Identifikationspotenzial sondergleichen einstellt. Es sind die versteckten Blicke und Gesten, die den Film so besonders machen und gegen Ende zu einem Juwel wachsen lassen. THE KIDS ARE ALL RIGHT beschönigt nichts, ist brutal ehrlich und der Schlusssatz aus dem Munde des Sohnes so bittersüß und wahr, wie ihn tatsächlich nur der eigene Nachwuchs in jugendlicher Logik hervorbringen kann.

Der Entfremdungsprozess einer langjährigen Beziehung wird pointiert und immer mit dem richtigen Gefühl vermittelt. Die Geschichte verliert trotz der vielschichtigen Strukturen innerhalb der fünf Figuren niemals den roten Faden und verläuft sich nicht in kitschigen Liebesklischees. Dafür an die Drehbuchautoren ein großes Lob, wie auch an die Kamera, die jedem Darsteller genug Raum gibt sich zu entfalten und in den richtigen Momenten mit der Nahaufnahme ganz intime Momente einfangen kann.

Die Tatsache, dass es sich um ein homosexuelles Paar handelt, wird absolut zur Nebensache und wirkt niemals aufgesetzt. THE KIDS ARE ALL RIGHT ist somit nicht nur ein hervorragender Film, sondern ebenfalls ein unaufdringliches Plädoyer für homosexuelle Kindererziehung. Denn es spielt keine Rolle, wer sich in welcher Form liebt. Die Probleme und Hürden bleiben überall gleich. Der Film liefert zwar keine neuen Erkenntnisse, setzt diese aber so angenehm ehrlich um, dass ich jedem Darsteller jeden gesprochenen Satz voll und ganz abnehmen kann.


9/10

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