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Mittwoch, 23. März 2011
In einer besseren Welt
dopo, 17:47h

Wo beginnt Gewalt? Wie kann ich mich davor schützen? Wie reagiere ich, wenn mir Gewalt angetan wird? In welcher Form darf ich mich wehren? Wie schütze ich Kinder vor Gewalt? Wann ist Gegenwalt gerechtfertigt? Dies sind nur ein Teil der Fragen, die „In einer besseren Welt“ stellt. Aus diesem Fragengerüst hat die preisgekrönte Regisseurin Susanne Bier (u.a. vor wenigen Wochen mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet worden) einen komplexen Film gedreht, der auf verschiedenen Ebenen agiert und auch dramaturgisch mehrere Dimensionen durchbricht.
Der rote Faden erzählt vom Schuljungen Elias, der in der Schule stark gehänselt wird und durch den Neuankömmling Christian unterstützt wird, denn dieser verprügelt erst einmal Elias´s Hauptpeiniger und überschreitet eindeutig sämtliche Grenzen einer gerechtfertigten Reaktion . Dennoch schweißt es die beiden Jungs zusammen und sie entwickeln ihr eigenes Weltbild aus dem Schulalltag heraus. Gewalt muss mit noch mehr Gewalt vernichtet werden, damit der Gegner nicht wieder zurückschlagen kann. Besonders fatal ist dabei, dass Christian durch den Tod seiner Mutter schwer traumatisiert ist und den inneren Schmerz versucht zu kanalisieren.
Der Film ist unglaublich komplex und lässt weder die Hardliner noch die Gutmenschen astrein aus der Geschichte herausgehen. Niemand wird aus der Verantwortung gezogen, nicht einmal die Jugendlichen, die oft noch gar nicht wissen, was sie tun! Ein gewisses Unrechtbewusstsein sollte auch bei den jungen Menschen ausgeprägt sein. Aber die Kraft eines verletzten Menschen und auch die absolute Blindheit gegenüber der Realität sind nachvollziehbar, wenn auch extrem folgenreich. Susanne Bier gelingt es aus den Jungschauspielern tolle Momente heraus zu kitzeln und auch die Visualität des Films zeugt von ganz großem Kino.
Einziger Kritikpunkt ist das etwas zu glatte Ende, was bei all dem Pessimismus nicht ins Bild passen will. Selbstverständlich wollen die Wenigsten ein ernüchterndes, trauriges Ende sehen, jedoch spitzt sich die Geschichte im Handlungsverlauf genau in eine derartige Richtung, dass ein allgemein versöhnliches Ende kaum vorstellbar ist. Das würde nur „in einer besseren Welt“ stattfinden. Diese Welt baut Susanne Bier im Kino auf und diese Frau versteht ihr Handwerk!
9/10
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