Donnerstag, 18. August 2011
Captain America + Midnight in Paris


Mittlerweile erscheinen jedes Jahr zahlreiche Comicverfilmungen im Kino. Einige Werke der letzten Jahre strotzen vor Individualität, Tiefe oder geistreichen Ideen. So bieten die beiden Batman Werke von Christopher Nolan, die Iron Man Filme oder auch die diesjährige X-Men Verfilmung neben großartiger Mainstreamunterhaltung auch tiefsinnige und mehrdimensionale Ansätze, die sich wohltuend vom Einheitsbrei Hollywoods abheben.
Nun erscheint Captain America in den deutschen Kinos. Sämtlich erwähnte positive Ausführungen der aktuellen Vorbilder lassen sich auf diese Leinwandadaption leider nicht reflektieren.

Steve Rogers ist ein schmächtiger junger Mann, der im Jahre 1942 nichts lieber täte, als für sein Land in den Krieg zu ziehen. Dank eines wissenschaftlichen Experimentes gelingt es aus Rogers einen stahlharten Übermenschen zu erschaffen, dessen menschlichen Eigenschaften ebenfalls durch die Verwandlung verstärkt werden; sowohl die positiven als auch die negativen Ausprägungen sollen sich im erhöhten Maße auf den Charakter auswirken. Doch genau an dieser Stelle wird das größte Problem der Verfilmung deutlich. Steve Rogers bzw. Captain America ist ein eindimensionales Abziehbildchen einer heroischen Figur des Krieges. Die wichtige Aussage bezüglich der persönlichen Merkmale verpufft nach wenigen Momenten und wird schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. Unglaublich viel Potenzial für eine glaubwürdige Darstellung geht unkommentiert unter.

Captain America bleibt durchweg eine Kampfmaschine, die sich heldenhaft für die USA einsetzt. Warum man sich jetzt zwingend für den mutigen und mitfühlenden Steve Rogers zur Ausübung des Experimentes entschieden und keinen stumpfsinnigen Soldaten ausgewählt hat, wird zu keiner Sekunde deutlich. Denn nach der Verwandlung ist Captain America selbst nur eines: Plump. Dem Helden fehlt es völlig an Ecken und Kanten, hinterfragt wird nicht und menschliche Eigenschaften existieren für keinen weiteren Moment. Dabei sollte er doch genau das versprechen: Ändere dich nicht!

Das Ergebnis daraus ist ein willkürlicher Brei aus Actionsequenzen, die völlig spannungsfrei am Zuschauer vorbeirauschen, weil die Geschichte bis auf eine kleine Ausnahme so glatt am Protagonisten vorbeiziehet dass man gelangweilt im Kinositz verharrt. Die humorigen Elemente sind abgelutscht (einen Vorgesetzten, der als trockener Stichwortgeber verkommt, hat man schon viel zu oft gesehen – Tommy Lee Jones ist sichtbar unterfordert), den satirischen Elementen fehlt der Biss und der Bösewicht ist ein Mix aus Fantasy und Nazi. Wirklich böse ist das nicht, sondern eher unfreiwillig komisch. Was bleibt ist ein austauschbares Action-Filmchen, was bedeutungslos 124 Minuten über die Leinwand flimmert. Bedeutungslos auch die 3D Technik, die von Mal zu Mal fragwürdiger wird. Nein, dann doch lieber Batman, Iron Man oder die X-Men. Die haben im direkten Vergleich noch viel mehr zu bieten, als es man sich vorher bewusst war. Dort wird zwar keine räumliche Tiefe vorgegaukelt, das Endergebnis ist dafür um einige Facetten mehrdimensionaler.

3/10





Woody Allen ist zweifellos einer der großen Filmemacher, der sich niemals vom Mainstream hat weichspülen lassen. Auch sein neustes Werk ist dafür wieder einmal der perfekte Beweis. So leichtfüßig die Komödie auch daher kommen mag, der Charme und die magische Atmosphäre brennen sich tief ins Gedächtnis.

Der Drehbuchautor Gil möchte keine weiteren Fließbandgeschichten mehr für Hollywood schreiben, sondern will den Schritt in die echte Literatur wagen (Alleine die Ausgangssituation ist ein herrlicher Seitenhieb in Richtung des Blockbuster Kinos). Er ist fasziniert von der Atmosphäre in Paris und sieht in der Stadt einfach mehr als ein Shoppingparadies für Modebegeisterte. Seine Verlobte kann dem Ganzen nicht viel abgewinnen, wie auch ihre (großartig überzeichnete) Eltern. Eines Abends hat Gil kein Interesse an einer Partynacht und macht sich stattdessen auf einen melancholischen Streifzug durch die Straßen. In dieser Nacht geschieht etwas Eigenartiges, er wird in das Paris der 20er zurückkatapultiert, für ihn DAS goldene Zeitalter dieser Stadt. Dort trinkt er mit Hemmingway, lernt die sehr spezielle Partnerschaft der Fitzgeralds kennen und trifft die Künstler Dalí und Picasso.

Woody Allen skizziert feinfühlig den Weg eines orientierungslosen Mannes durch seine eigenen Ideale, um am Ende recht simpel, aber einleuchtend zur Erkenntnis des Filmes zu gelangen. So werden seine Vorstellungen der perfekten Gegenwart nicht nur relativiert, sondern es stellt sich ebenfalls heraus, dass in der Zukunft ganz offensichtlich auch Menschen existieren werden, die uns um das Hier und Jetzt beneiden werden. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, beobachtet Allen zahlreiche Eigenarten der Gegenwart wie, dass das Interesse an Kultur und Kunst sich nicht zwingend über endloses angelesenes Wissen definiert. Ebenso ist es laut Allen oberflächlich, sich zwanglos überzeugend vorgetragenen Fakten hinzugeben, um kultiviert zu erscheinen (wie die Verlobte Inez von Gil). Die Weißheit: „Stil kann man nicht kaufen, sondern man muss ihn haben“ bringt er durch ein irrwitziges Zitat der Mutter von Inez zum Vorschein. Ja, es sind diese vielen kleinen Details, die das Drehbuch zu einem ganz besonderen Stück machen und dem Film zu großem Glanz verhelfen.

Lediglich gegen Ende sind ein paar kleine Schwächen zu erkennen. Ein paar Minuten mehr der Auflösung hätten der Geschichte gut getan und das Drumherum etwas glaubwürdiger erscheinen lassen. Die Schwächen sind jedoch nur marginal. Die Liebeserklärung an das kreative und künstlerische Schaffen überwiegt und macht „Midnight in Paris“ zu einem zauberhaften Kinovergnügen.

9/10

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