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Donnerstag, 12. Januar 2012
Verblendung + Offroad
dopo, 02:31h

Nach gerade einmal etwas mehr als zwei Jahren erscheint nun die US-Variante der erfolgreichen Millenium Trilogie in den deutschen Kinos. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt („Wieso muss das US-Kino so schnell ein Remake produzieren?“), ist hierbei denkbar einfach zu beantworten. Der amerikanische Filmmarkt produziert keine Synchronisationen von fremdsprachigen Filmen, wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Der US-Markt ist aber selbstverständlich der Umsatzstärkste weltweit und da auch die wenigsten Deutschen gerne einen schwedischen Film mit Untertiteln schauen, wird der Film mit englisch sprechenden Mimen eben noch einmal neu gedreht. Der Ort des Geschehens bleibt dabei selbstverständlich Schweden, auch wenn der schwedische Akzent der Akteure nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ein Daniel Craig nun kein Schwede ist. Dafür ist Gesicht des James Bond Darstellers einfach zu präsent.
David Fincher hat „The Girl with the Dragon Tatoo“ inszeniert und sprach vorweg vom krassesten Stoff, den er bislang in den Händen hielt und die Dreharbeiten dementsprechend hart für ihn und das Team gewesen sind. Bei einer erneuten Sichtung von „Sieben“ und auch der europäischen Version von Verblendung, verwundert die Aussage jedoch mehr als zu überzeugen. Niemand wird die Regiefähigkeiten von David Fincher jemals in Frage stellen wollen, dennoch ist der Film weitaus erträglicher und massentauglicher auf die Leinwand gebracht worden. Besonders krasse Bilder wurden ausgespart und bis auf die Vergewaltigungsszene (die im schwedischen Vorbild auch viel intensiver wirkte) bleiben Schockmomente, wie der geschickte Schnitt des Trailer vermuten ließ, weitestgehend aus. Dafür sieht man das größere Budget an jeder Ecke: Die Kameraarbeit ist atemberaubend und schlichtweg sensationell. Der Soundtrack und Score geht unter die Haut – die audiovisuelle Untermalung ist oscarverdächtig.
Es lohnt sich selbstverständlich auch mit Kenntnis der filmischen Vorlage der US-Variante eine Chance zu geben. Einige Momente wurden umgeschrieben und Kernthemen mit anderer Priorität ausstaffiert – heißt: Erzählstränge sind kürzer oder eben länger. Lediglich die Figurenentwicklung der Lisbeth Salander ist am Ende doch ein wenig unglaubwürdig. Dabei wird diese Figur von Rooney Mara atemberaubend interpretiert, wenn sie auch leicht hinter der legendären Darstellung von Noomi Rapace zurückbleibt und das mysteriöse Knistern zwischen Mikael Blomquist und Lisbeth Salander nicht in der gleichen Form zu überzeugen vermag.
Was bleibt ist eine tolle Hollywoodproduktion, dessen Verwirklichung sich zweifelsohne gelohnt hat und die Geschichte verdientermaßen somit weltweit noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Im direkten Vergleich müssen aber Abstriche gemacht werden. Mit einer Portion Toleranz geht das klar.
8/10

Deutsche Filme haben es oft schwer in bestimmten Genres Fuß zu fassen. Da haben es amerikanische Vorbilder oft leichter – so auch bei den sogenannten Road Movies. Eine Erklärung mag vielleicht sein, dass bei Road Movies der Freiheitsgedanke eine größere Rolle spielt und dieser Gedanke eben visuell viel besser durch unendliche Landschaften dargestellt werden kann. Davon gibt es in den USA natürlich hunderte Möglichkeiten, hingegen eine Bebilderung des deutschen Vorstadt und Dorfmief gar niemanden hinter dem Ofen herlockt. Dank der sehr beliebten Nora Tschirner und der verrückten Geschichte könnte dies bei OFFRAOD jedoch anders sein. Könnte!
Denn ein guter Film braucht mehr als eine sympathische Hauptdarstellerin. Ein vernünftiges Drehbuch sollte die Ausgangsposition dafür sein, ebenso wie eine gute Regie. Hier kommt dummerweise etwas viel Konjunktiv ins Spiel, was zeigt: Offroad bietet davon leider bei weitem nichts Zufriedenstellendes, obwohl der Storyansatz viel Möglichkeiten bietet: Vorortspießerin findet in einem Geländewagen 50kg Koks und versucht sich in der Großstadt als semiprofessionelle Drogendealerin. Die Umsetzung ist aber fahrig, unbedacht und schlichtweg langweilig. Höchststrafe für eine Komödie.
Der Trailer suggeriert dagegen ein kurzweiliges Vergnügen und beweist erneut, wie sehr eine gut zusammen geschnittene Collage den Zuschauer auf eine falsche Fährte bringen kann, um ihn so ins Kino zu locken. Doch hier gibt es nur ein Stichwort: Fern bleiben!
3/10
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