Freitag, 26. März 2010
Precious


Hilflosigkeit, Wut, Verzweiflung und Mitgefühl. Ja, alles Emotionen, die man bei dem Film PRECIOUS durchlebt und zwar durchgehend. Was erwartet man letztlich auch von dem Problemfilm des Kinojahres?! Der Zuschauer sieht das Elend, was Clareece (auch Precious genannt) Tag für Tag am eigenen Leibe erfährt. Sie ist eine stark übergewichtige Analphabetin, die von ihrer eigenen Mutter physisch und psychisch misshandelt wird und das zweite Kind im Altern von 16 Jahren austragen muss. Der Vater ihrer Kinder ist ihr eigener Vater. Ja, ihr eigener Vater vergewaltigt und schwängert die eigene Tochter. Das sollen im weiteren Verlauf aber nicht alle Probleme gewesen sein.

Der Zuschauer wird sofort in die eigene Welt der Protagonistin gestürzt und erfährt schnell wie man das ganze Elend aushalten kann. Ein Sturz in eine Traumwelt lässt so manches Leid zurück. Die Träume von Ruhm und Anerkennung in der Popkultur der späten 80 er Jahre sind bei dem jungen Teenager genauso ausgeprägt, wie bei allen anderen jungen Menschen auch. Doch bleiben ihre Träumereien die einzige Abwechslung in ihrem Leben. Die Gewalt- und Unterdrückungsszenen in ihrer Wohnung gehören zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die man seit langer Zeit im Kino sehen konnte.
Nach der Schulsuspendierung bekommt Precious eine neue Chance in einer Aufbauschule und erfährt dort das erste Mal die Werte Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe.

Die Probleme und die Ausgangssituation scheinen die perfekten Zutaten für einen Kitsch-Streifen á la „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ zu sein. Dieser Gefallen wird dem unterhaltungssüchtigen Mainstream dankenswerterweise nicht gemacht. Der Film ist viel mehr eine tiefe Charakterstudie, sucht nach Gründen von Gewalt und zeigt ebenfalls Alternativen und Auswege auf. Es wird deutlich: Ohne soziales Engagement von außen wird es schwierig die Schraube ansatzweise zurück zu drehen und so gelingt auch Precious nur teilweise der Ausbruch.

Schauspielerisch bewegt sich der Film auf höchstem Niveau. Newcomer Gabourey Sidibe spielt ihr Leid sehr intensiv, Komikerin (!!!) Mo`nique gibt der grässlichen Mutter ein vielschichtiges Gesicht und Paula Patton symbolisiert als Lehrerin den rettenden Anker mit einer leichtfüßigen, würdevollen Ausstrahlung.
Der Film ist hart an der emotionalen Schmerzgrenze inszeniert worden. Gerade das macht ihn so unfassbar wichtig. Denn Schicksale wie diese finden wir auch in unseren Großstädten und das darf man nicht hinnehmen. Die Botschaft ist klar: Jedes Leben ist kostbar und jeder von uns hat nur dieses eine Einzige!

10/10

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