Donnerstag, 1. April 2010
The Blind Side
dopo, 13:56h

Werbeeffekt Oscar! Wenn Sandra Bullock für THE BLIND SIDE keinen Oscar für die beste weibliche Hauptrolle gewonnen hätte, wäre der Film mit großer Wahrscheinlichkeit in Deutschland völlig untergegangen. Sportfilme, speziell von amerikanischen Sportarten interessieren in Deutschland meist keinen Menschen, egal wie erfolgreich sie in den Staaten gelaufen sind. Und so wollten am vergangenen Wochenende knapp 170.000 Besucher die Oscarperformance von Sandra Bullock begutachten.
Selbstverständlich liefert sie eine gute Schauspielleistung ab, jedoch keimt bereits nach kurzer Zeit der Verdacht auf, dass der Preis eher für die Figur (amerikanische Vorzeigemutter) vergeben wurde. Sandra Bullock spielt die Mutter einer natürlich christlichen Familie (inkl. dem ständig aufblitzendem Jesuskreuz an ihrem Hals) als gütige Zicke, die grundsätzlich alles bekommt, was sie möchte. Big Mike, der große Junge aus dem Ghetto findet also bei ihr eine Ersatzmutter sondergleichen. Dabei rückt seine Ghettovergangenheit völlig in den Hintergrund und Gründe für sein Verhalten werden nicht ansatzweise erklärt. Damit wären wir bei Problem Nummer eins von gefühlten 150 des Films: Die Figuren sind dermaßen flach und ohne Tiefgang konstruiert, dass die Entwicklung der Geschichte und Protagonisten fernab der Realität liegen. Unfassbar plakativ und für den dümmsten Menschen der Welt ersichtlich wird dem Zuschauer alles auf dem Silbertablett geliefert. Der Moralzeigefinger hinterlässt dazu schmerzhafte Spuren auf der Bindehaut der Betrachter. Ecken, Kanten oder gar Probleme werden in dem Film ganz einfach umschifft. Man könnte ja zu viel nachdenken müssen und daher verfolgt der Film von Beginn an ein Ziel. Unterhaltung auf ganz niedrigem Niveau.
Dabei betreibt das Drehbuch dezente Werbung für das Christentum. Jeder Ungläubige oder gar Moslem/Jude/Buddhist muss sich danach tatsächlich die Frage stellen, ob er der richtigen Religion angehört. Ein Kreuzzug der unangenehmen Sorte. Worte wie „Gott“, „christlich“ oder „Christ“ fallen dermaßen inflationär, dass man am Ende der Vorstellung enttäuscht ist, ohne Hostie nach Hause zu gehen. Der Film ist voller oberflächlichem Gutmenschentum und verliert sekündlich jegliche Glaubwürdigkeit. Da helfen auch keine Bilder im Abspann der wahren Geschichte, auf die der Film basiert.
Dazu trieft der Film nur so vor Pathos, Kitsch und Happy Family Parolen. Vorhersehbar von A-Z überrascht die Geschichte nicht eine Sekunde lang. 128 Minuten quält man sich durch diesen Mist und wird dabei auch noch von dem neunmalklugen Sohn der Filmmutter genervt. Aufdringliche Kinderrollen, die ((potenziell) werdende) Mütter zu einem „süß“ hinreißen lassen, sollten ebenfalls endgültig vernichtet werden. Ja, der Film ist ein Reinfall. Ein Oscar und fantastische 250 Millionen $ an den amerikanischen Kinokassen machen den Film auch nicht besser! Amen und weg vom Beichtstuhl!
2/10
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