Donnerstag, 29. Juli 2010
Inception


Bei Filmen wie INCEPTION können Kritiker beweisen, welche journalistische Qualität in ihnen steckt. Überinterpretationen, komplexe Satzkonstruktionen und ein Höchstmaß an kritischen Beäugungen sind die Folge. Ja, hier will der Kritiker zeigen, was er drauf hat und splittet das Filmereignis in rationale Erklärungen auf, anstatt sich primär auf die Emotionen zu verlassen, die das Werk verursacht. Diese Betrachtung lässt den Leser/Zuschauer oftmals als Dummkopf aus einem Film laufen und zwar nur, weil er diese übertriebene und häufig kleinkarierte Darstellung nicht teilt. Wenn der Rezensent dieser Kritik dieses Vergehen nicht begehen will, was will er dann?! Grundsätzlich entweder einen Film empfehlen oder von diesem abraten.

Die Handlung von INCEPTION ist bereits bekannt und wurde in den Medien breit getreten mit der Betonung so wenig wie möglich über die Geschichte erzählen zu wollen. Dabei wird der gesamte Hauptplot verraten und der genügt auch, um Interesse an der Story zu bekommen. Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) wird beauftragt mithilfe des Traumsharings (gemeinsames Träumen) eine Idee in das Unterbewusstsein des Erben Robert Fisher zu pflanzen. Dazu wird die Realität verlassen und Parallelwelten entworfen bis weder die Protagonisten noch die Zuschauer wissen, was wirklich real passiert und was eben nicht.

Rein handwerklich gibt es rein gar nichts zu kritisieren. Die Schauspieler agieren allesamt auf höchstem Niveau (Leonardo DiCaprio erinnert gar ein wenig an seine letzte Rolle in SHUTTER ISLAND – der Mann hat jetzt definitiv den Oscar verdient), die Spezialeffekte sind außergewöhnlich und die Kameraarbeit von Wally Pfister ist brillant. Das Drehbuch scheint ebenfalls perfekt zu sein, was damit einen großartigen Film ergeben würde. Das Kuriose ist jedoch: Das Drehbuch „scheint“ (!!!) perfekt zu sein. Es spielt keine Rolle wie aufmerksam der Zuschauer den Film verfolgt oder wie intelligent der Zuschauer sein mag – die Komplexität der Geschichte, die auf vielen verschiedenen Ebenen arbeitet, ist bei einmaliger Sichtung nicht zu greifen und komplett in allen Details zu verstehen. D.h. Christopher Nolan ist etwas gelungen, was sich eigentlich jedes Hollywoodstudio wünscht. Man MUSS diesen Film mindestens ein zweites Mal sehen, um das Gesamtwerk beurteilen zu können.

Der Zuschauer wird dazu nicht gezwungen, sondern aufgrund der hohen filmischen Qualität wird er es liebend gern und freiwillig tun. Auch dieser Rezensent wird erst in der kommende Woche erfahren, wie das Gesamtkonstrukt des Films tatsächlich aufgebaut ist. Ja, den Film sollte man nur anschauen, wenn man bereit ist seinen Verstand zu benutzen und eben nicht aufs bloße „Abschalten“ beim Kinobesuch setzt. Popcorn ist damit, wie auch das Schwatzen mit dem Nachbarn, strengstens untersagt.

Ach und falls DIR jemand begegnet, der behauptet, er hätte den Film beim ersten Mal vollständig verstanden, sei gewarnt: Diese Person macht sich nur wichtig (und hat ihn vielleicht schon ein zweites Mal gesehen). Man sollte, nein muss man den Film in jedem Fall anschauen!

(Vorerst ) 9/10

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