Sonntag, 24. Oktober 2010
Wall Street - Geld schläft nicht
dopo, 19:20h

Selten war man als Zuschauer in einem derartigen Zwielspalt, ob man einen Protagonisten mögen oder hassen soll. 1987 spiele Oscarpreisträger Michael Douglas seine Paraderolle des Finanzhais Gordon Gekko und ist nun wieder zurück auf den deutschen Kinoleinwänden. Die Geschichte spielt zum größten Teil im Jahre 2008, obwohl Gekko, laut Filmhandlung, bereits im Jahre 2001 aus dem Gefängnis entlassen wurde. Dieses Mal ist Gekko jedoch nicht der einzige Vollblutkapitalist in diesem Streifen und deshalb gerät der junge Broker Jake Moore auch nicht nur in seine Fänge. Vor 22 Jahren musste sich Bud Fox nur mit Gekko herumschlagen, heutzutage ist die Finanzwelt offenbar noch bösartiger geworden?! Oliver Stone mag uns diese Tatsache vielleicht als eine seiner Thesen verkaufen.
Wall Street 2 soll Auslöser der großen Finanzkrise aufzeigen und kritisch hinterfragen. Grundsätzlich wird diese Intention auch glaubwürdig verfilmt. Die Bänker denken stets nur an den eigenen Profit und haben keine Gewissensbisse moralisch verwerflich zu handeln, um die eigene Aktienanteile vor Verlusten zu schützen. Die Geschichte ist zudem technisch und schauspielerisch absolut brillant umgesetzt worden. Die Kamera setzt oft auf Nahaufnahmen, die den Akteuren punktgenaue Mimik abverlangt. Michael Douglas bringt die Leinwand regelmäßig zum Glühen und ist selbstverständlich das große Highlight des Films. Aber auch die jungen Nachwuchsstars können glänzen und fast restlos überzeugen. Auch wenn man Shia LaBeouf den geschäftstüchtigen Broker selten abnimmt, die emotionalen Momente meistert er, wie seine Filmfreundin Carey Mulligan, erstklassig.
Die einzigen Probleme des Films sind die geradlinige Inszenierung, inklusive dem scheinbar notwendigem Hollywoodende, und dem zu offensichtlichen Fingerzeigen auf die Finanzkrise 2008. Was beispielsweise Gekko die sieben Jahre nach seiner Haftentlassung getrieben hat, bleibt unbeantwortet (außer das Schreiben seines Buches) und irrelevant. Letztlich musste der Film aufgrund der Krise aber dramaturgisch im Jahr 2008 angesiedelt sein, um eine Daseinberechtigung zu erzwingen. Dabei kann die Filmwelt intelligente Filme ständig gebrauchen und braucht keine mit der Brechstange erzwungenen Gründe (Es ist nun wirklich fragwürdig, ob die Zuschauer den Film tatsächlich aufgrund der Krise vor zwei Jahren anschauen wollen) . Die letzten zehn Minuten wirken zudem gehetzt und am Ende leider nicht ganz glaubwürdig. So schön die menschliche Entwicklung sein kann, so unpassend ist der Schluss. Eine doppelte Wendung des Hauptcharakters binnen so kurzer Zeit, hinterlässt ein paar Kratzer in der sonst makellosen „Wall Street – Bilanz“. Kratzer, die ein Gordon Gekko in seiner persönlichen Natur eigentlich nicht akzeptieren würde. Aber wie ist das Kredo des Films so schön: Rendite ist nicht alles! Stimmt, ein spannender Kinoabend ist doch auch viel wert.
8/10
... comment