Sonntag, 7. November 2010
Die kommenden Tage



Im Jahre 2020 ist von unserer heutigen Zivilisation nicht mehr viel übrig. Diese Prophezeiung lässt der deutsche Film „Die kommende Tage“ quasi nonstop auf den Zuschauer los und dient daher auch als Eröffnungssequenz. Die Geschichte selbst startet bereits im Jahre 2012. Der schon heute oft heraufbeschworene Ressourcenkrieg beginnt tatsächlich, erst schleichend, dann sorgt er doch recht schnell für einschneidende Veränderungen in Deutschland und insbesondere für Familie Kuper, die im Zentrum der gesamten Geschichte steht – der ganze Film wird aus der Perspektive der jungen Frau Laura Kuper erzählt.

Die Ausgangssituation ist unglaublich ambitioniert. Der Untergang einer Gesellschaft, die Faszination und Sogkraft von Terrorbewegungen sowie die Verwicklungen einer gesamten Familie in diesem Untergangsszenario sollen innerhalb von 129 Minuten bewältigt werden. Dabei soll die Gesellschaft innerhalb dieser einen Familie reflektiert werden, Laura (Bernadette Heerwagen) ist die Bürgerlichkeit in Person, Cecilia (Johanna Wokalek – wie immer großartig) spiegelt den Aufbau einer neuen Protestgruppierung wieder, die sich jedoch von den Radikalen zu sehr beeinflussen lässt; wie schnell sie in die Fänge des überaus charismatischen Konstantin (August Diehl) gerät, ist eine der besten Skizzierungen des Films.

So ambitioniert das Ganze zu Beginn ist, so sehr verliert sich die Geschichte gegen Ende in Unstimmigkeiten und führt gesamte Handlungsstränge nicht stringent zu Ende, einige Punkte verlaufen gar komplett im Sande. Gegen Ende konzentriert sich die Utopie nur noch auf Laura, die als Erzählerin zwar geeignet ist, jedoch selbst die langweiligste Geschichte von allen erlebt. Der Film leidet unter dem eigenen Anspruch, der wirklich bemerkens- und lobenswert ist. Der Fokus auf eine klare Linie wird leider im zweiten Teil nicht eingehalten. Wenn sich das Drehbuch auf weniger Hauptaspekte konzentriert hätte, wäre hier einer der großartigsten deutschen Filme der letzten Jahre herausgekommen. So ist es ein überdurchschnittlicher Streifen, dessen vermeidbare Schwächen ein kleines Meisterwerk verhindern. Die Schauspieler, Kamera, Musik und die gesamte Atmosphäre waren darauf jedenfalls ausgelegt. Manchmal ist es dann doch zu viel des Guten.

7/10

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