Donnerstag, 16. Dezember 2010
22 Bullets
dopo, 10:30h

Rachethriller meets Mafiafilm und das Ganze sogar noch in Frankreich. Ja, richtig gelesen, die Mafia agiert offenbar auch bei den Franzosen und hat es auf den Mafiarentner Charly Mattei (Jean Reno) abgesehen. Bei einem Ausflug mit seinem Sohn wird er im Parkhaus von 22 Kugeln durchbohrt, überlebt diesen brutalen Anschlag jedoch wie durch ein Wunder. Niemals wird er den Fängen der Mafia entkommen können und beschließt daher alle Beteiligten des Überfalls zu ermorden und somit auf einen Rachefeldzug zu gehen. Dumm nur, dass sein einstiger Freund Tony Zacchia (Komödiendarsteller Kat Merad) dahinter steckt.
Da sind wir schon bei dem grundsätzlichen Muster eines klassischen Rachefilms angelangt, der jedoch endlich einmal das direkte Opfer zum Täter werden lässt (meist wird ein Kind des Protagonisten entführt oder ermordet). Die Einbindung in das Genre der Mafiafilme ist sehr glaubwürdig gelungen, denn hier spielt nicht nur das Blutvergießen eine Rolle, sondern auch die Ehre, Respekt und die weiteren Zutaten, die bei einem Mafiafilm nicht fehlen dürfen. Auch die beiden Darsteller überzeugen durchweg und können den Film über die komplette Laufzeit tragen. Alles ist sehr kurzweilig, wenn auch wenig spektakulär und nicht sonderlich innovativ inszeniert worden. So erhöht sich die Spannung zwar, dennoch berührt selbst eine Kindesentführung nur schwach. Ebenso werden weitere Klischees einfach zu sehr ausgereizt, woran die gesamte Authentizität schlichtweg leiden muss. Es ist unbegreiflich, warum die ermittelnde Polizeibeamtin mal wieder ihr eigenes Schicksal mit dem Fall bewältigen muss und NATÜRLICH ein Alkoholproblem hat. Diese Art von Nebengeschichte nervt, da schon zigfach gesehen.
Dennoch ist es erstaunlich, dass sogar der Rachefeldzug selbst weitaus kritischer dargestellt wird, als man es von anderen Genrefilmen kennt. Das Gewissen spielt immer eine Rolle, außerdem muss Charly Mattei auch sein eigenes Leben schützen. Trotz der kriminellen Vergangenheit sympathisiert man schnell mit dem Antihelden dieses Films, dessen Qualität trotz einiger positiver Faktoren nicht mehr als überdurchschnittlich zu bewerten ist. Gegen Ende fragt sich der deutsche Zuschauer dagegen, ob diese Art von Film auch mit Schauplatz Deutschland gut funktionieren würde. Das passende Ende im Watt der Nordsee ließe sich jedenfalls inszenieren. Ach, besser nicht.
6/10
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