Donnerstag, 10. Februar 2011
My Soul to take 3D



Manchmal geht man ins Kino, um gar nicht hochwertig unterhalten zu werden. Nein, manchmal darf es auch einfach ein recht schlechter Film sein, der dennoch gerade wegen dieser mangelnden Qualität ein Lachen ins Gesicht zaubert. So auch die Erwartungshaltung bei „My Soul to take 3D“! Niemals hätte jemand gedacht, dass diese Erwartungshaltung um Längen übertroffen werden könnte, aber Kulthorrorfilmemacher Wes Craven hat es tatsächlich geschafft ohne Probleme einen der schlechtesten Filme aller Zeiten zu produzieren und damit auf recht groteske Art und Weise zu unterhalten. Dieser Beitrag könnte nun das Machwerk ganz kritisch beäugen und zu guter Letzt auch noch ernst nehmen, aber das übernimmt der Film dann schon selbst.

Über die Geschichte muss dabei gar kein Wort verloren werden. Oft wird ein schlechtes Drehbuch bemängelt und so wird dann von einem fehlenden Drehbuch gesprochen, um dem Kritikpunkt ein wenig Tiefe zu geben, vielleicht auch um einfach wichtiger zu klingen. In diesem Fall muss eine Ausnahme gemacht werden. Zu diesem Film kann wirklich einfach kein zusammenhängendes Drehbuch existieren. Zusammenhänge zwischen den Handlungen der sogenannten Protagonisten bestehen nicht und niemand tut zu irgendeinem Zeitpunkt auch nur irgendetwas Sinnvolles. Die Dialoge sind dabei so sensationell unterirdisch, dass sie beinahe epische Ausmaße annehmen (Wenn in einem panischen Streitgespräch völlig aus dem Nichts dem letztendlichen Mörder ein Getränk angeboten wird, möchte man nur stehend applaudieren.), ebenso für die Idee, dass jedes Opfer zufällig durch ein völlig deplatziertes Waldstück laufen muss, um zur Schule zu kommen. Straßen wären für den ganzen Hokus-Pokus nun nicht mysteriös genug. Dabei ist der Wald manchmal unglaublich groß, wenig später dagegen gerne nur ein winziges Stück Grün in einer Kleinstadt. Bis auf wenige Ausnahmen muss Mr. Ripper die Todesstöße aber natürlich im schönen Villegrün vornehmen. Da macht das leicht verfluchte Waldstück inkl. Krankenwagenmahnmal(!!!) auch absolut Sinn. Das versteht nun wirklich jeder!

Man hätte doch noch etwas Positives an diesem Film finden können, wenn die Splatterszenen wenigstens spektakulär inszeniert worden wären. Aber die Kamera schaut immer weg und man sieht nur wie ein wenig Blut in den zeitlichen Abständen auf die Opferfüße tropft, wie mehrere kleine Tüten Kunstblut von einem Praktikanten am Set hintereinander geöffnet werden und auf den Boden verteilt werden können.

Die Regie unterbietet mit unsäglichen Anweisungen sogar noch die Leistung der Schauspieler, die allesamt nur ausgewählt wurden, wenn sie in diesem Leben, nicht ohne Grund, kein einziges Casting gewinnen konnten. Sensationell wie deplatziert die Akteure im Set agieren und auf dem Niveau einer drittklassigen Soapdarstellerin ihr Mimenspiel einsetzen. Zu keiner Sekunde wird aus den wahllos zusammengeschnittenen Szenen ein ernst zu nehmendes Ganze, was, ungelogen, unglaublich unterhaltsam ist – denn der Film meint jede Sekunde genau so, wie er sie zeigt! Das macht „My Soul to take 3D“ ohne 3D-Effekte zu einem Highlight am unteren Rande der Erträglichkeit. Schon traurig, wenn ein Film so mies ist, dass man sich nicht mehr darüber ärgern kann, sondern amüsiert die knapp 100 Minuten durchsteht. So wie es zu Weihnachten Schrottwichteln gibt, muss es viel mehr Schrott-Videoabende geben! Falls einer in Planung ist, diesen Film unbedingt mitnehmen. Alle werden den Kenner dieses Machwerkes dafür lieben. Versprochen!!!

1/10

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