Dienstag, 6. Dezember 2011
Perfect Sense



Und wieder kommt ein Film ins Kino, der die Apokalypse heraufbeschwört, weil eine Pandemie sich schnell verbreitet und somit das Aus für menschliches Leben auf der Erde bedeutet. Wer braucht nach dem hervorragenden Contagion im Jahre 2011 noch einen weiteren Film dieser Art? Diese Frage ist nicht unberechtigt, doch die Antwort ist weitaus gelassener und auch überraschender als man es sich vorstellen konnte. Denn Regisseur David Mckanzie hat sich ein Drehbuch ausgesucht, was nicht mit dem klassischen Verlauf eines Virus-Films spielt. In dieser Endzeitutopie betrifft die Ausbreitung schließlich nicht nur einen Teil der Menschen und löst auch nicht sofort den qualvollen Tod aus. Nein, hier geht es an essentielle Teile der Menschheit, Dinge, die für jeden im Leben selbstverständlich sind: Die Sinneswahrnehmungen.

Plötzlich verliert eine Vielzahl der Menschen kurzzeitig und nur für wenige Augenblicke den Verstand. Nachdem diese Phase geprägt von Heulkrämpfen und überwältigenden Schuldgefühlen durchlebt ist, ist die Gabe Gerüche wahrzunehmen vollends vernichtet. Einen Grund dafür scheint es nicht zu geben und die Geschichte beleuchtet auch keineswegs die Versuche einen Auslöser für diese Pandemie zu finden. Viel mehr wird die menschliche Fähigkeit sich Gegebenheiten anzupassen fokussiert. Ohne Geruchssinn wird’s schon gehen, das Leben muss weiter gehen. Die restlichen Sinne werden geschärft, man konzentriert sich auf das Wesentliche. Dieses Vorgehen wird jedoch auf die Probe gestellt, wenn immer mehr wichtige Sinne des alltäglichen Lebens für immer aus dem Leben scheiden. Wie stellt man sich darauf ein ohne Geschmackssinn, ohne die Fähigkeit zu hören oder gar zu sehen auf der Welt als Mensch zu existieren.

Dieser Gedankengang wird in intensiven Bildern gezeigt und von den beiden Hauptdarstellern Eva Green und Ewan McGregor packend und überzeugend getragen. Beide haben ihr Vertrauen in die Liebe und die Zweisamkeit verloren. Im Laufe des Films müssen die Protagonisten doch genau dieses Vertrauen für sich wieder entdecken, denn es könnte das Letzte sein, was ihnen bleibt. Diese schwierige Herausforderung darauf einen schlüssigen, spannenden und berührenden Film zu inszenieren ist gelungen, auch wenn die emotionalen Ausbrüche vor jeder weiteren Krankheitsstufe aufgrund ihrer grotesken Ausuferungen sehr verstören. Der Ernst der Lage wird dem Zuschauer bewusst, dennoch überträgt sich der durchblickende Hoffnungsschimmer auch auf den Zuschauer. Es wirkt echt, menschlich, authentisch und ist dabei unglaublich intensiv.

Ob man Perfect Sense als reinen apokalyptischen Thriller oder als mehrdimensionale Kritik auf unser gesellschaftliches Zwischenleben sehen möchte, wird offen gehalten und gibt viel Spielraum der Interpretation. Einzig die Frage, ob man einen weiteren Endzeitfilm wirklich sehen muss, beantwortet er mit einem klaren JA, denn auf diese unpanische Weise wurde selten dieses Szenario bebildert.

9/10


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