Samstag, 4. Februar 2012
Moneyball - Dame, König, As, Spion - Sex on the beach
dopo, 13:10h

Sportfilme haben es nie leicht in Deutschland. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind die Deutschen so sportverrückt, dass Sport live vor Ort gesehen wird oder zu Hause vorm dem Fernseher; viele Kinogänger sind nicht zwingend dabei. Zum anderen reagiert der deutsche Durchschnittskinobesucher eher mit Abneigung auf pathetische Heldenverfilmungen, wie sie im Genre des Sportfilms oft genug vorkommen. Der letzte und meist entscheidende Grund für katastrophale Kinokassen-Ergebnisse ist die Wahl der Sportart. In den USA sind Sportarten wie Football, Basketball, Eishockey oder Baseball beliebt, die in Deutschland maximal eine Randnotiz in der öffentlichen Wahrnehmung sind. Wenn also ein heldenhafter Sportfilm in einer für deutsche Verhältnisse unwichtigen Sportart in die Kinos kommt, geschieht dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Falle von Moneyball wird dieses Schicksal einen Film völlig zu Unrecht ereilen.
Brad Pitt überzeugt als Teammanager Billy Beane, der sich gegen ein ganzes System im Baseball stellt und mit einer zahlenorientierten Mannschaftsaufstellung auf Punktejagd in der amerikanischen Baseballliga geht. Aufgrund des geringen Budgets muss er dabei auf aussortierte Spieler zurückgreifen, die er Dank (großartig gegenbesetzt: Jonah Hill) des Wirtschaftsabsolventen Peter Brand und dessen Berechnungen auf dem Spielermarkt findet. Ob und wie sein System von Erfolg geprägt ist, behandelt der Film in seinen stattlichen 133 Minuten. Für Sportfremde ist es nicht immer leicht den Überblick zu bewahren, da nicht selten mit Fachbegriffen umher geworfen wird, die ein Außenstehender nicht verstehen kann. Dennoch liegt der Fokus hier nicht auf der Sportart Baseball, sondern auf der mutigen und einsatzstarken Leistung von Billy Beane, der mit einem hohen Maße an Loyalität sich für seinen Verein einsetzt. Schauspielerisch ist alles auf hohem Niveau, die Dialoge machen viel Freude und auch der Ausgang der Geschichte trieft nicht vor Kitsch und Pathos. Regisseur Bennet Miller inszeniert das Ganze mit einer angenehmen Zurückhaltung, die den Film auch für uns Europäer sehenswert macht. An einigen Stellen hätte man sich eine Kürzung gewünscht; trotz allem langweilt man sich kaum.
Das einzige Problem ist die fehlende Selbsteinordnung von Moneyball. Ist es ein Sportfilm, eine Tragikomödie, ein klassisches Drama oder was genau soll und will er sein?! Diese zeitweilige Orientierungslosigkeit sorgt für ein wenig Unverständnis und nimmt dem Zuschauer hin und wieder den Bezug zu den Figuren. Dennoch lohnt sich der Weg ins Kino für diejenigen, die gerne mal einen augenzwinkernden Blick hinter die Kulissen von einem Profisportverein blicken möchte. Gerade die Bedeutung von den Alteingesessenen, den Sportdinos, wird sofort bewusst du wie schwierig es ist, echte Reformen durchzusetzen. So einen großen Unterschied zum deutschen Fußball wird es da sicherlich nicht geben.
7/10

Klassischer kann man einen Spionagefilm kaum in Szene setzen. In Jeder Ecke spürt und riecht man den 70er Jahre Mief. Die Darsteller können durch die Bank weg überzeugen und liefern sich ein spannendes Kammerspielduell. Leider ist die Geschichte arg unübersichtlich geworden, sodass die einzige Schwäche, die manchmal zu sehr in den Vordergrund gestellte, Komplexität ist. Das soll dem Werk Vielschichtigkeit geben, nimmt aber letztlich einiges an Filmvergnügen ab.
Ausstattung und Kamera sind eine Augenweide und mit viel Liebe zum Details inszeniert. Für Fans von Old-School Spionageabenteuern ist das genau das Richtige, Freunde eher geradliniger Thriller wird der Film zu sperrig sein. Gary Oldman bei seiner oscarnominierten Leistung zuzusehen, ist Grund genug das Kino zu stürmen.
8/10

Es ist unvorstellbar, dass dieser Film auf einer erfolgreichen britischen Comedy-Serie basiert und in den Kinos auf der Insel unglaubliche 45 Millionen Pfund eingespielt hat. Die Geschichte von vier unglaublich weltfremden Losern, die nach Griechenland ihren Sauf- und Sexurlaub erleben wollen, ist nicht nur komplett unlustig, sondern gespickt mit derart ekelhaften und widerwärtigen Szenen und Einfällen, dass man sich selbst gerne einen Sangriatopf schnappen möchte, nur um blitzschnell die Leinwand voll zu kotzen. Eine Frechheit für jeden Besucher, der ernsthaft einen Euro für dieses Antivergnügen ausgeben wollte. Denn von den schlechten Darstellern und dem schlechten Drehbuch abgesehen, ist der Film auch noch handwerklich mies in Szene gesetzt worden. Der Schnitt und die Kamera sind lieblos und unachtsam behandelt worden und schmerzen dem Auge noch doppelt und dreifach. Mehr Worte braucht man nicht verlieren – zweifelsohne einer der schlechtesten Filme, die wir in 2012 zu Gesicht bekommen werden bzw. könnten.
1/10
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