Mittwoch, 15. Februar 2012
Gefährten



In den 90er Jahren war es ein Ereignis sondergleichen, wenn ein neuer Spielberg-Film die große Leinwand bespielen durfte. Ob Hook, Jurassic Park, Schindlers Liste oder Der Soldat James Ryan: Auf der ganzen Welt rannten sie in Scharen in die Säle. Ja, es war sogar ganz gleich, was es für ein Film war – sofern Spielberg Regie führte, war das Grund genug eine Karte zu lösen. Steven Spielberg ist und bleibt wohl der einzige echte Regie-Star, den Hollywood je hatte. Nach einer Auszeit ist Spielberg nun wieder präsent wie lange nicht. Erst die Produktion von Super 8, dann Tim und Struppi und nun erscheint sein Gefährten auch in Deutschland. Die Geschichte des Pferdes Joey, was Völker verbindet, Menschen glücklich macht und am Ende des Films seinen ursprünglichen Besitzer Albert mitten im Krieg wiederfindet, basiert auf einem Buch und wurde in London auf die Theaterbühne gebracht. Was hier überkitschig klingt, ist in der Ausführung noch weitaus schmerzhafter.

Spielberg trägt dick auf und wenn man glaubt das Gröbste überstanden zu haben, setzt er noch einen oben drauf. Völlig überzuckert und weltfremd läuft der überlange Film am Zuschauer vorbei. Charmant und subtil ist hier nichts, alles wird mit der Brechstange erzwungen, jedes Gefühl wird mithilfe der Musik und der Bildsprache erzwungen. Was dieses Pferd jetzt so besonders macht, dass wirklich JEDER ALLES IMMER SOFORT stehen und liegen lässt, um Joey zu huldigen und ein besseres Leben zu ermöglichen, bleibt immer unbeantwortet.

Bereits in der Eingangssequenz wartet man auf ein Stück Butter in der rechten Ecke: KERRYGOLD. Logisch, Spielberg kennt sein Handwerk und so ist der Film aus der technischen Sicht absolut perfekt. Kamera, Ausstattung, Sound und und und. Wirkliche Emotionen weckt er dabei nicht, sondern bildet inspirationslos die Filme des goldenen Filmzeitalters ab. Wäre „Vom Winde verweht“ mit der heutigen Technik gedreht worden, er würde wohl exakt so aussehen. Blöd nur, dass dieser Klassiker nun 73 Jahre alt ist und die Art und Weise des Erzählens nicht mehr zeitgemäß ist.

Wer also Kitsch liebt , sich in satten Farben suhlen möchte, große Bilder auf der Leinwand sehen mag und eine Geschichte aus der Sicht des Pferdes erzählt bekommen werden will, ist hier richtig. Dem Rest wird dringend von „Gefährten“ abgeraten, denn es würde ein unerträglicher Kinobesuch werden. Tierfreunde schauen lieber noch einmal Flipper, Lassie und Black Beauty, wahlweise schlägt noch einmal in der Wendy nach. Ach Steven, deine glorreiche Zeit bleibt unvergessen, aber sowas hier sorgt nicht für Vorfreude auf neue Produktionen von dir.

2/10

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