Montag, 23. Juli 2012
Batman - The Dark Knight Rises
dopo, 12:56h

Es spielt keine Rolle wie man zum Mainstreamkino der Traumfabrik Hollywood, ebenso wenig wie allgemein zu Comicverfilmungen und nicht einmal zum Film selbst steht, Christopher Nolan hatte im Jahre 2008 mit „The Dark Knight“ etwas erreicht, was in den 00er Jahren bislang den allerwenigsten Filmemachern gelungen war: Er hat eine Rolle, einen Bösewicht für die Ewigkeit geschaffen, über den man noch in 30 Jahren sprechen wird. Über den tragischen Tod von Heath Ledger ist in diesem Zusammenhang schon genug gesprochen und philosophiert worden. Entscheidend zum Filmstart von „The Dark Knight rises“ ist lediglich eine Frage. Nicht etwa, wie gut das Drehbuch sein wird. Jeder weiß im Jahre 2012, dass Christopher Nolan in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Jonathan ein grandioser Autor ist. Es ist auch nicht wichtig, wie visuell einzigartig der Film oder wie packend die Inszenierung geworden ist. Handwerklich ist an den Blockbusterproduktionen sehr selten etwas zu kritisieren. Entscheidend ist am Ende doch, wie sehr der Joker und damit Heath Ledger den letzten Teil geprägt hat.
Die Zeiten in Gotham City sind düster, wieder einmal. Acht Jahre nach dem Tod von Harvey Dent, wird dieser immer noch als Held mit eigenem Feiertag verehrt, obwohl er sich am Ende seiner glorreichen Laufbahn als Staatsanwalt selbst dem Bösen hingegeben hatte. Das Böse scheint vorerst aus dem Weg geräumt worden zu sein, doch die wahre Bedrohung wartet noch auf die Menschen der Stadt. Der erbarmungslose Terrorist Bane, der eine mysteriöse Atemmaske trägt, will die ganze Stadt für Dekadenz und Kapitalismus bestrafen. Sein Handeln lockt den verlotterten Bruce Wayne und somit Batman nicht nur aus seinem Versteck, sondern zurück in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Batman muss ich dem Bösen erneut stellen und trifft dabei auf einen hartgesottenen Gegner.
Christopher Nolan ist erneut das Kunststück gelungen, 165 Minuten wie einen Kurzfilm vergehen zu lassen. Die komplexe Story, die ohne Probleme und moralischem Zeigefinger wirtschaftliche und politische Missstände aufzeigt, diese dabei glücklicherweise nicht komplett in den Vordergrund zu rücken versucht. Hier handelt es sich um eine Comicverfilmung, die von Grund auf schon sehr wenig comicartig daher kommt – so wenig Batman und so viel Bruce Wayne gab es wohl nie. Dennoch wird dem Zuschauer eine Vielfalt an Interpretationsmöglichkeiten geboten und insbesondere Michael Caine als Butler Alfred verlässt die Szene niemals ohne zum Abschluss eine Lebensweißheit zu Besten zu geben.
Allgemein ist die Schauspielerriege mehr als hochkarätig besetzt. Christian Bale, Anne Hathaway, Morgan Freeman, Gary Oldman, Liam Neeson, Marion Cotillard und Michael Caine. Joseph Gordon-Levitt stiehlt jedoch allen die Show. Er agiert als Polizist mit engerer Verbindung zu Batman subtil, leidenschaftlich und unglaublich mehrdimensional. Wenn jetzt die deutsche Synchronisation dem Herren eine ähnlich dunkle Stimme zuweisen würden, wie er sie im Original hat, würde man ihn auch hier mehr als Kerl statt als Milchbubi wahrnehmen.
Der zweite große Star ist das Drehbuch. Der Zuschauer darf sich niemals sicher sein die Szenerie durchschauen zu können. Die unglaubliche Anzahl an Finten, die geschlagen werden, ist für eine kommerzielle Verfilmung wirklich erstaunlich.
Die ursprüngliche Frage ist aber immer noch nicht beantwortet und die Antwort entwickelt sich erst nach dem Filmbesuch. Heath Ledger hat „The Dark Knight“ zu dem gemacht, was er heute noch ist und die Rolle des Jokers wird hier schmerzlich vermisst. Dabei kann man Tom Hardy keinerlei Vorwürfe machen. Aufgrund der Maske ist jeder Einsatz von Mimik völlig unmöglich. Die Rolle selbst ist auch eher plumper ausgelegt und dementsprechend agiert Terrorist Bane im Film. Er ist ein gewaltverherrlichender und aufgepumpter Punk, der die Welt zerstören will. Humorige, schräge oder verstörende Einlagen gehören daher nicht zur Tagesordnung. Der geniale Schachzug wird anders gezogen und sorgt für einen fantastischen Twist am Ende.
Negativ betrachtet macht das Fehlen des Jokers den Film schwächer, positiv gesehen braucht „The Dark Knight rises“ keine One-Man-Show, sondern überzeugt als bester Blockbuster des Sommers. In Gotham City ist es düster genug, wir denken positiv.
9/10
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