Donnerstag, 20. Januar 2011
Black Swan


Mit 29 Jahren kann Natalie Portman schon auf eine sehr beachtliche Karriere zurückblicken. Neben der zweiten Star Wars Trilogie, „Leon-der Profi“, und der Comicverfilmung „V-wie Vendetta“ spielte sie meist in anspruchsvollen Independent-Produktionen mit. Und dieser Karriereweg scheint sich auszuzahlen, denn mit Independent-Meisterregisseur Darren Aronofsky überragt Natalie Portman nicht nur alle ihrer bisherigen Leistungen, sondern MUSS für die Rolle der Balletttänzerin Nina den Oscar erhalten.

Leider wurde in der vergangenen Zeit schon etwas zu viel von der Geschichte verraten, sodass der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so stark einsetzt, wie er es eigentlich könnte. Nina wird auserwählt in der Neuaufführung von Schwanensee die Schwanenkönigin zu tanzen. Insbesondere für die Darstellung des schwarzen Schwans muss sie an ihre Grenzen gehen – im Falle von Nina sogar sämtliche Grenzen überschreiten bis hin zum absoluten Wahnsinn. „Black Swan“ ist nicht bloß ein Film, der die Geschichte einer Tänzerin erzählt und dabei mit ihr durch viel Leid gehen muss. Es ist ein Trip durch sämtliche Gefühlslagen, die der Zuschauer fast schon physisch mit erlebt. Das liegt zum einen an der enorm körperlich agierenden Natalie Portman, zum anderen an der sehr intensiven Kameraführung, die keinen Blick auf schmerzhafte Szenen scheut.

Die Kamera suggeriert nicht selten im Horrorgenre angelangt zu sein und spielt dadurch mit den Vermutungen des Publikums – jedoch nur, um sie weiter in den Wahnsinn zu treiben bis weder Nina noch der Besucher selbst weiß, wie einem selbst geschieht. Dieses Experiment ist so unglaublich sensationell gelungen, dass jeder Filmfreund dieses Meisterwerk gesehen haben muss. Die schauspielerische Leistung einer Natalie Portman ist in Worte nicht zu fassen und spielt alle anderen Darsteller mit ihrer großartigen Performance an die Wand. Das ist eine Kunst für sich, denn sowohl Vincent Cassel als Regisseur als auch die laszive Mila Kunis als Teil der Tanzcompany liefern preisverdächtige Leistungen. Das größte Kunststück, was Darren Aronofsky jedoch gelingt, ist die Tatsache, dass dieser Film nicht bloß das Arthouse-Publikum begeistern wird, sondern trotz des hohen Anspruches durch Teile der Bildsprache auch den Zugang zum Mainstream-Publikum erreicht.

Wir blicken tief in die Seele einer Perfektionistin, die den Blick für die Realität durch ihren Wahn längst verloren hat. Dieser Gesichtspunkt lässt sich auf sämtliche Bereiche des Lebens übertragen, aber im Umfeld des Balletts, einer der schönsten und ästhetischsten Kunstformen, wirkt der Absturz in dunkle psychische Gefilden besonders konträr und brutal. Die letzten zehn Minuten werden in einigen Jahren wohl legendär sein und beim Zuschauer auch noch Tage nach dem Kinobesuch nachwirken. Wenn Kino diesen Effekt erzeugen kann, hat der Film mehr als alles richtig gemacht.

10/10

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