Freitag, 15. Juli 2011
Kleine wahre Lügen + Bewertung "Beginners" und "Kung Fu Panda 2"


Manchmal wirkt ein Drehbuch auf den ersten Blick belanglos, nichtssagend und dahinplätschernd. Gerade bei dieser französischen Tragikomödie stellt man sich bereits vor dem Kinogang die Frage, wie und vor allen Dingen wieso ein 2 ½ stündiger Film über einen gemeinsamen Urlaub unterhaltsam sein soll. Eines vorweg: Es ist großartig gelungen und trotz winziger Längen geht die Zeit rasend schnell herum.

Zu Beginn geschieht ein tragischer Unfall, der das Leben von Ludo in große Gefahr bringt. Alle Freunde versammeln sich in kürzester Zeit am Krankenbett und sind froh, dass Ludo überlebt hat. Doch bereits nach dem Besuch haben unsere Protagonisten andere Sorgen, die geklärt werden müssen, schließlich steht der gemeinsame Sommerurlaub an, der wie jedes Jahr in der Residenz vom wohlhabenden Max verbracht werden soll. Statt kurz inne zu halten, beschließt man zu fahren, da man für den Freund im Krankenhaus keine weitere Stütze sein kann. Kaum im Urlaub angekommen, rückt der Unfall nicht nur in den Hintergrund, sondern wird von ganz anderen Problemen verdrängt und fast komplett aus dem Bewusstsein gestoßen.

Der Film erschafft eine ganz besondere Atmosphäre, die stilistisch an Großproduktionen aus Hollywood erinnert, dennoch heimisches europäisches Flair versprüht. Ein Großteil des Handlungsverlaufs ist als Komödie erzählt und birgt somit einige Skurrilitäten, die das Zwerchfell zum beben bringt. Ungeachtet von dem Unfall ignoriert der Cast genauso wie der Zuschauer die Vorgeschichte. Der Mensch ist ein Verdrängungskünstler und will jede Form von Problemen aus seinem Blickfeld schaffen. Dazu entwirft er entweder Banalitäten, um sich über diese aufzuregen oder lenkt sich mit Wein und guter Laune ab. Prinzipiell ist dies ein automatischer Schutzinstinkt, der überlebensnotwendig ist, damit man sich wieder dem Alltag widmen kann. Die komplette Ignoranz eines Problems wird den Menschen aber stets wieder einholen, in welcher Form auch immer. Im Film überkommt es den Zuschauer nach etwas mehr als zwei Stunden. Dieser Wendepunkt ist nicht überraschend, wirkt aber im ersten Moment sehr abrupt. Der Mensch will nun mal nicht aus seiner Lethargie geworfen werden.

Regisseur Canet gelingt dieser sehr feinfühlige Blick auf das Fehlverhalten der Charaktere ohne moralischen Zeigefinger, sondern erschafft ein leichtfüßiges Kinovergnügen ohne die egozentrische Gefangenheit der einzelnen Figuren auch nur ein einziges Mal aus dem Auge zu verlieren. Das ist so großartig gelungen, dass sowohl der tiefschürfende Aspekt nach Ende des Films seine Spuren hinterlässt als auch der große Wunsch nach Sommerurlaub mit Freunden ins Unermessliche steigt. Der Mensch ist in sich widersprüchlich und lernt offenbar in diesem Punkt kaum dazu. Genial, es dem Publikum auf diese Art vor Augen zu halten. Ein Glas Wein hat bei dieser Erkenntnis noch nie geschadet!


9/10




Beginners

Zauberhafter Liebesfilm, der aufgrund der Nebengeschichte (Vater outet sich nach dem Tod der Mutter im Alter von 75 Jahren als schwul), einen sehr tiefsinnigen Aspekt erhält. Liebevoller wurde das Scheitern in einer Beziehung selten gezeigt.

9/10



Kung Fu Panda 2

Toll animiertes Abenteuer, bei dem sich der 3D Aufschlag endlich wieder lohnt. Leider nicht ganz so lustig wie Teil 1, dennoch ein überzeugendes Sequel.

7/10

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