Montag, 18. Oktober 2010
Die etwas anderen Cops
dopo, 12:11h

In den USA gehört er zu den beliebtesten Komikern landesweit, hierzulande gelten Filme mit Will Ferrell als absolutes Kassengift. Der aktuelle Streifen „Die etwas anderen Cops“ stellt diese These auf den Kopf. Fast 200.000 Besucher konnte der Film an diesem Start-Wochenende zählen, dem launigen Trailer sei Dank. Anfangs scheint der Film auch das einzuhalten, was der Trailer zu versprechen versuchte: Absolut übertriebene Absurditäten reihen sich schon in den ersten zehn Minuten aneinander und bringen das Zwerchfell beinahe zum explodieren.
Alleine die Gastauftritte von Samuel L. Jackson und Dwayne Johnson sind so unglaublich hirnverbrannt, dass man wirklich nur laut los lachen kann. Das Tempo ist schwindelerregend und die Gagdichte erreicht höhere Sphären. Eine gute Komödie würde über die gesamte Laufzeit mit der gleichen Anzahl an Witzen auskommen, für die Will Ferrell und Co. gerade mal 30 Minuten benötigen. Dummerweise streut eine gute Komödie die lustigsten Momente gut verteilt auf knapp 90 Minuten. Hier wird leider der Großteil bereits in der ersten Hälfte inflationär verpulvert. Im zweiten Teil des Films reicht es oft nur für ein Schmunzeln oder das Lachen ist schlicht vergangen. Zu langatmig gerät die Story und zu oft wiederholen sich lustige Segmente, die im x-ten Aufguss dann doch nicht mehr witzig sind.
Die Schauspieler allen voran Will Ferrell geben tatsächlich vor der Kamera alles und die Rolle des etwas anderen Cops scheint dem Amerikaner auf den Leib geschrieben worden sein. Selbst Mark Wahlberg zeigt ein wenig komödiantisches Talent, agiert aber meist als Vorlagengeber. Furios gelingt dabei der „Thunfisch-Löwen“-Dialog, der zum Sinnlosesten und Witzigsten des Jahres gehört und gehören wird. Leider ist der Qualitätsunterschied der beiden Hälften derart enorm, dass der Film am Ende im Gesamten nur noch Mittelmaß ist, obwohl man insgesamt vielleicht gar mehr gelacht hat als in anderen Komödien. Eigentlich völlig absurd, genau wie der der Einstieg zu Beginn der Komödie.
5/10
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Montag, 11. Oktober 2010
The Social Network
dopo, 17:20h

Jeder nutzt es, die einen mehr, die anderen weniger. Und auch dieser Blog wäre in seiner Existenz noch eine Spur bedeutungsloser, wenn die Verbreitung nicht durch die gleiche Plattform angetrieben werden würde. Ja, die Rede ist von Facebook. Bis auf wenige Eckdaten blieb das Bild des genialen Erfinders und gleichzeitig jüngstem Milliardär der Welt weitestgehend unergründet. Regiemeister David Fincher („Fight Club“, „Benjamin Button“) sorgt für Aufklärung; dennoch wird im Film nicht verraten, welche Elemente fiktional sind und welche Dinge der Wirklichkeit entsprechen. So bleibt auch am Ende dem Zuschauer ein klares Bild verwehrt.
Der Einstieg ist furios und voller Biss. Bereits nach drei Minuten hat Mark Zuckerberg (großartig dargestellt von Jesse Eisenberg) jedwede Möglichkeit auf Sympathie auf die komplette Filmdauer von 120 Minuten verspielt. Auf eine herausragende Art und Weise wird der gesamte Charakter des Menschen Zuckerberg in Windeseile skizziert. Die sowohl für die Gründung von Facebook als auch die für den Film relevanten Eigenschaften werden blitzschnell deutlich: intelligent, wortgewandt, im sozialen Umgang völlig verkrüppelt und arrogant. Das Niveau dieser genialen Ausgangsszene kann der Film bei weiten nicht bis zum Schluss halten, dennoch handelt es sich hier um einen Film, der mehr ist als ein bloßes Biopic der letzten Jahre von Zuckerberg.
Die Gier nach Anerkennung, Fortschritt und Alleinstellung in der Gesellschaft multipliziert sich nach jedem Erreichen einer weiteren Karrierestufe ins Unermessliche. Auf dem Weg zum Milliardär muss man Opfer bringen, auch wenn der einzige Freund, dem man im Leben wahrscheinlich haben wird, hierbei auf der Strecke bleibt. Das Grundgerüst des Films erinnert demnach an Wall Street, der ab nächster Woche auch in Deutschland seine Fortsetzung erlebt. Leider vertieft sich Fincher immer wieder in den technischen Details und beleuchtet die „nerdige“ Seite von Zuckerberg weitaus mehr als eine Reflektion des aktuellen Zeitgeistes verbunden mit der Faszination des Social Networks im Film zu implementieren.
Am Ende steht bloß ein einsamer Computerfreak mit Unsummen an Geld, den der Zuschauer bereits zu Beginn nicht leiden konnte. Eine persönliche Figurenentwicklung erlebt demnach niemand, dafür jedoch teils sensationelle Dialoge, die aufgrund der anspruchsvollen Thematik langsamer hätten gesprochen werden können. In diesem Fall behalten nur Informatikstudenten den Überblick, die, nach dem sicherlich nicht falschen Klischee des Films, sich jedoch eher selten in einem der Kinosäle im Lande verlieren werden.
8/10
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Donnerstag, 7. Oktober 2010
The Town + Kurzkritik Eat Pray Love
dopo, 14:25h

Nachdem Ben Affleck´s Regieerstling „Gone Baby Gone“ 2007 schon zu den großen Highlights des Filmjahres zählte, konnte er das hohe Niveau halten und legt jetzt mit „The Town“ ganz einfach den besten Thriller des Jahres aufs Parkett. Dieses Mal spielt er selbst gar die Hauptrolle im Bostoner Gangstermilieu.
Als Mitglied einer professionellen Bankraubtruppe plant Doug MacRay die Überfälle und führt sie ebenfalls mit aus. Bei einem der Raubzüge nehmen sie erstmals eine Geisel, die unversehrt am Strand freigelassen wird. Doug soll Claire (Die Geisel – glänzend gespielt von Rebecca Hall) aufspüren und überprüfen, ob sie sich tatsächlich an kein Gesicht und kein wichtiges Detail des Überfalles erinnern kann. Schnell verliert er sein Herz in die Bankmitarbeiterin und verirrt sich im Zwiespalt zwischen neuen und alten Leben.
Die ganze Inszenierung ist unglaublich überzeugend, die Kameraführung herausragend und die schauspielerische Leistung ist bis in die kleinste Nebenrolle schlichtweg atemberaubend. Die Romanze wird behutsam in die Gangsterstory eingebettet und stört keineswegs den Handlungsverlauf, sondern erweitert die Geschichte noch um eine weitere glaubwürdige Dimension. Das Ende ist voller Zerrissenheit und Realismus. Es gibt niemals den leichten Weg glücklicherweise auch nicht in diesem Hollywoodfilm, obwohl Hollywood gerne eine leichte Antwort als Lösung auf ein Problem parat hat. Thrillerfans haben derzeit einen absoluten Pflichttermin im Kino.
10/10
Eat Pray Love
Lockerleichter Selbstfindungstrip, der in den Gedanken der Zuschauer den einen oder anderen Gedankenanstoß erzeugen wird. Dennoch bleibt die Geschichte im weitesten Sinne auf der Oberfläche, was dem Unterhaltungsfaktor nicht schadet. Die Glaubwürdigkeit ist anfangs etwas fragwürdig, da die Figureneinführung recht simpel ausfällt und Julia Roberts somit eher ein Luxusproblem zu haben scheint.
Die Aufnahmen in Italien, Indien und auf Bali sind traumhaft schön gelungen und die Darsteller machen durch die Bank einen soliden Job. Das eigene Leben wird danach niemand umkrempeln, aber sich in diversen Alltagssituationen vielleicht hin und wieder an die weise vorgetragenen Lebensweißheiten zurückerinnern.
7/10
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