Samstag, 29. Januar 2011
Tron Legacy


Es ist immer wieder verwunderlich, dass man den Ausdruck „Den Film muss man im Kino sehen“ grundsätzlich nur bei den visuell besonders beeindruckenden Filmen hört. Selbstverständlich muss man einen derartigen Angriff auf den Sehnerv im Kino sehen, um die volle Kraft der Bildgewalt erleben zu können. Jedoch lohnt sich ein Kinobesuch bei einem visuell ansprechenden Film nur genauso oft, wie bei allen anderen Arten der Darstellung auch. Zumal die Ausdruckskraft von Bildern erst im kompletten Film dem Zuschauer bewusst werden kann. Die Kameraarbeit, Regie und allgemein die transportierte Atmosphäre tragen zum Seherlebnis bei und sind damit oft genug ein weiterer Grund einen Film auf der Leinwand zu bewundern.

Im Falle von Tron Legacy war nach der ersten Trailersichtung klar, dass es sich hier um durchdesigntes Popcornkino handeln wird, ohne den Anspruch auf ein stringentes Drehbuch zu haben mit dem Focus auf die Visualität. Diese Erwartungshaltung wird auch definitiv erfüllt. Die sterile Computerwelt ist bis zur absoluten Perfektion durchgestylt. Die Effekte sind tadellos und trotz aller Künstlichkeit kommt niemals ein Zweifel an der Existenz der Parallelwelt auf. Leider sind die angekündigten 3D-Effekte auch in diesem Film nicht so berauschend, wie man es erwartet hatte, ja erwarten musste. Der bei Filmbeginn angekündigte Stilwechsel zwischen Real- und Computerwelt von 2D in 3D überzeugt so nur streckenweise. Tron Legacy punktet aber nicht nur optisch, sondern auch durch den sensationellen Soundtrack von Daft Punk. Selten wurden Bilder derart mühelos in Musik umgewandelt. Umso ärgerlicher ist die Tonabmischung des Films, die an den actionreichen Stellen des Films die Musik nicht genug in den Vordergrund holt und den pulsierenden Symbioseeffekt von Bild und Musik nicht einwandfrei verbinden kann. Absurd dabei die Oscarnominierung für den besten Tonschnitt, umgekehrt jedoch keine Berücksichtigung bei den Special Effects, die zweifelsohne zu den Besten gehören, die das menschliche Auge bisher je zu Gesicht bekam.

Den Machern hätte allerdings auch ein gutes Drehbuch sicherlich nicht geschadet. Niemand erwartet hier eine große Charakterstudie, eingebettet in den Vater-Sohn-Beziehungskonflikt. Bei all der Sterilität hätte eine größere Emotionalisierung der Geschichte dem Film nicht nur mehr Tiefe gegeben, sondern auch einen Batzen mehr Spannung. Über weite Strecken ist Tron Legacy schlichtweg langweilig, was mit Sicherheit auch an der überraschenderweise recht gering ausfallenden Anzahl an Actionszenen liegt. So gerät der perfekte Look am Ende zum Selbstzweck und in der Kombination zur Musik zum einzigen Grund diesen Film zu schauen. Eigentlich wusste man das zwar schon vorher. Mit einer größeren emotionaleren Einbindung rechnet man dann aber doch. Es bleibt eine gewisse Gefühlskälte im Kinosaal zurück, die der Sonnenaufgang am Ende besonders deutlich macht. Eines der einfachsten Stilmittel geht direkt tiefer unter die Haut als jedes gesagte und doch nicht gemeinte Wort im Film. Auch ein Computerprogramm kann dem Sonnenlicht mehr abgewinnen als der Computerwelt und beweist, dass bei all der Logik gar ein Programm ein wenig Gefühl benötigt.

6/10

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