Dienstag, 22. November 2011
Twilight - Breaking Dawn Teil 1
dopo, 20:39h
Es gibt Filme, bei denen es beinahe Zeitverschwendung ist eine Kritik zu schreiben, weil sich dafür eh niemand wirklich interessiert. Die Twilight Reihe gehört definitiv in diese Kategorie. Die Fans lieben jeden Streifen sowieso, alle anderen schauen sich die Vampirsaga gar nicht erst an. Daher ist jede Empfehlung seitens der Kritiker fast zwecklos. Journalistische Ideale treiben allerdings jeden Autor an, sodass auch der vierte Teil „Breaking Dawn“ nun besprochen wird.
Edward und Bella heiraten also endlich, fahren in die Flitterwochen und haben das erste Mal Sex, wobei auch sofort ein Kind gezeugt wird. Dieses Kind wird jedoch zum Überlebensrisiko für Mutter Bella, da sie selbst noch kein Vampir ist, das Kind aber ein bisher undefiniertes Mischwesen, welches nicht nur schneller wächst als ein normales Embryo, sondern das Wachstum gar die Knochen der Mutter zu brechen droht. Ihr Schicksal ruft die Werwölfe dazu, die gegen die Vampire in die Schlacht ziehen wollen und Bella vor ihrem sicheren Tod retten wollen.
Prinzipiell könnte das Treiben tatsächlich spannend inszeniert werden, wenn man diese Zeilen liest. Der Film belässt es aber beim Konjunktiv und verlässt niemals das Niveau einer Seifenoper im TV. Glattpoliert, unauthentisch und gelangweilt stehen die Darsteller im Set und warten auf die nächste Regieanweisung. Der Anfang ist selbstverständlich hochkitschig dargestellt, wir wollen eine Hochzeit feiern. Doch anstatt die Zeremonie ordentlich zu würdigen, bleibt die Kamera lieber beim Weg zum Altar bei jedem Schritt in Zeitlupe auf dem Hochzeitskleid hängen. Das „ich will“ ist Nebensache; das Kleid ist die Attraktion. Potenzial wird jede Sekunde verschenkt.
Auf diese Art und Weise heult der Film jedem Kleinmädchentraumklischee hinterher, wobei kein Frauenklischee aus der Steinzeit ausgelassen wird. Im Jahre 2011 spricht man über die Frauenquote und die Gleichberechtigung ist beinahe durchgesetzt. Im direkten Gegensatz feiert die weibliche Fanschaft von Twilight eine verfilmte Bücherreihe, die ein uraltes Frauenbild vermittelt: Die Frau opfert sich auf für den Mann und spart sich für ihn auf, sie leidet für das Familienglück und will das Kind trotz aller gesundheitlichen Bedenken doch auf die Welt bringen. Ein gesundheitsbedingter Schwangerschaftsabbruch kommt in dieser christlichen und moralinverseuchten Twilight-Welt nicht in Frage. Aber was spielt das für eine Rolle, wenn man Edward und Jacob bei ihren Auseinandersetzungen hinterher schmachten kann. Das größte Drama ist jedoch, dass 117 Minuten beinahe nichts passiert. Nichts, Langeweile, Stillstand!
Rein technisch gesehen ist die Reihe immerhin im 21. Jahrhundert angekommen. Die Kamerafahrten sind in der tollen Landschaft wirklich sehenswert, die Ausstattung und Spezialeffekte funktionieren auf hohem Niveau. Das sieht auch endlich nach Hollywood und großem Kino aus. Es bleibt aber eher zweifelhaft, dass sich die Story und die schauspielerischen Leistungen der Darsteller im letzten Teil auch noch in diese Richtung entwickeln werden.
2/10
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