Mittwoch, 3. November 2010
Wir sind die Nacht + 2 Kurzkritiken (R.E.D. + So spielt das Leben)
dopo, 12:27h

Deutsche Filme sind doch alle schlecht! Immer wieder hört man dieses Urteil und wundert sich regelmäßig, wie man auf eine derartige Meinung kommen kann. Ob man die Kriegs-, Nachkriegs- oder DDR-Filme nimmt, die grundsätzlich überdurchschnittlich gut gewesen sind, Kinder- und Jugendfilme, Komödien oder auch gar reine Dramen, kurz: Wenn man den deutschen Film aus den letzten zehn Jahren beurteilt, kann man sich einig sein, dass die Qualität nicht selten herausragend war. Nun wagte man den Schritt noch etwas weiter hinaus und inszenierte deutsches Vampir- Kino, welches neben dem genretypischen Grundgerüst auch im Bereich der Spezialeffekte überzeugen sollte.
Die Geschichte spielt dabei eigentlich eine untergeordnete Rolle. Ein Mädchen aus zwielichtigen Verhältnissen wird von einer Vampirfrau gebissen, lernt die Luxuswelt ohne Grenzen kennen und verliebt sich letztendlich doch noch in einen Sterblichen. Karoline Herfurth meistert erneut die Hauptrolle (hier: Die Jungvampirin Lena) eines Streifens und beweist noch einmal, dass sie ohne weiteres einen ganzen Film tragen kann. Die Mischung aus Kampfgeist und Verletzlichkeit kauft man ihr immer wieder ab. Nina Hoss als Vampirchefin des Quartetts überzeugt dagegen nur bedingt, zu hölzern ist ihre Performance; Jennifer Ullrich, als eher depressiver Gegenpart zur unglaublich nervigen und aufgesetzten Anna Fischer, ist der heimliche Star des Films. Ihre durchdringenden Blicke verbleiben, auch nach Filmende, noch eine Weile im Gedächtnis des Zuschauers.
Aus technischer Sicht kann man dem Film keinesfalls etwas vorwerfen. Die Spezialeffekte überzeugen auf ganzer Linie und auch die Kamera fängt das Geschehen authentisch ein – der eine oder andere große Schwenk über das Stadtbild Berlins ist dagegen eher unnötig. Leider verfängt sich der Film im Mittelteil mit einigen Belanglosigkeiten und drängt die Geschichte auf eine moralische Ebene, die der Zuschauer auch ohne den deutlichen Hinweis verstanden hätte. Daher nehmen diverse Hänger das Tempo und die Intensität des großartigen Beginns etwas zurück. Der Einstieg in ein neues Genre für den deutschen Film ist aber definitiv gelungen. Leider bestätigt der kommerzielle (Miss)-Erfolg diese These nicht, bleibt zu hoffen, das es nicht das letzte Experiment auf diesem Terrain gewesen ist.
7/10
R.E.D. – 8/10
Völlig sinnlose, selbstironische und irrwitzige Actionkomödie, mit den sogenannten Allstars, die sich auf herrliche Weise selbst aufs Korn nehmen und mit purer Spielfreude die Leinwand in Schutt und Asche legen. Popcornkino der Extraklasse, der für ein Publikum jeder Alterklasse gemacht zu sein scheint. Das Actionhighlight im Herbst, welches auch für das weibliche Publikum bestens geeignet ist.
So spielt das Leben – 7/10
Ein unglaublich netter Film – nett, im absolut positivsten Sinne gemeint. Romantikkomödie mit recht ernstem Unterbau, die für eine intensive Szene liebend gerne mal einen Gag opfert. Die Happy-End-Garantie des Genres bleibt selbstverständlich bestehen; die zu durchstehenden Probleme sind jedoch weitaus alltäglicher und realistischer als bei den meisten Mitbewerbern.
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