Donnerstag, 12. Januar 2012
Verblendung + Offroad




Nach gerade einmal etwas mehr als zwei Jahren erscheint nun die US-Variante der erfolgreichen Millenium Trilogie in den deutschen Kinos. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt („Wieso muss das US-Kino so schnell ein Remake produzieren?“), ist hierbei denkbar einfach zu beantworten. Der amerikanische Filmmarkt produziert keine Synchronisationen von fremdsprachigen Filmen, wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Der US-Markt ist aber selbstverständlich der Umsatzstärkste weltweit und da auch die wenigsten Deutschen gerne einen schwedischen Film mit Untertiteln schauen, wird der Film mit englisch sprechenden Mimen eben noch einmal neu gedreht. Der Ort des Geschehens bleibt dabei selbstverständlich Schweden, auch wenn der schwedische Akzent der Akteure nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ein Daniel Craig nun kein Schwede ist. Dafür ist Gesicht des James Bond Darstellers einfach zu präsent.

David Fincher hat „The Girl with the Dragon Tatoo“ inszeniert und sprach vorweg vom krassesten Stoff, den er bislang in den Händen hielt und die Dreharbeiten dementsprechend hart für ihn und das Team gewesen sind. Bei einer erneuten Sichtung von „Sieben“ und auch der europäischen Version von Verblendung, verwundert die Aussage jedoch mehr als zu überzeugen. Niemand wird die Regiefähigkeiten von David Fincher jemals in Frage stellen wollen, dennoch ist der Film weitaus erträglicher und massentauglicher auf die Leinwand gebracht worden. Besonders krasse Bilder wurden ausgespart und bis auf die Vergewaltigungsszene (die im schwedischen Vorbild auch viel intensiver wirkte) bleiben Schockmomente, wie der geschickte Schnitt des Trailer vermuten ließ, weitestgehend aus. Dafür sieht man das größere Budget an jeder Ecke: Die Kameraarbeit ist atemberaubend und schlichtweg sensationell. Der Soundtrack und Score geht unter die Haut – die audiovisuelle Untermalung ist oscarverdächtig.

Es lohnt sich selbstverständlich auch mit Kenntnis der filmischen Vorlage der US-Variante eine Chance zu geben. Einige Momente wurden umgeschrieben und Kernthemen mit anderer Priorität ausstaffiert – heißt: Erzählstränge sind kürzer oder eben länger. Lediglich die Figurenentwicklung der Lisbeth Salander ist am Ende doch ein wenig unglaubwürdig. Dabei wird diese Figur von Rooney Mara atemberaubend interpretiert, wenn sie auch leicht hinter der legendären Darstellung von Noomi Rapace zurückbleibt und das mysteriöse Knistern zwischen Mikael Blomquist und Lisbeth Salander nicht in der gleichen Form zu überzeugen vermag.

Was bleibt ist eine tolle Hollywoodproduktion, dessen Verwirklichung sich zweifelsohne gelohnt hat und die Geschichte verdientermaßen somit weltweit noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Im direkten Vergleich müssen aber Abstriche gemacht werden. Mit einer Portion Toleranz geht das klar.

8/10










Deutsche Filme haben es oft schwer in bestimmten Genres Fuß zu fassen. Da haben es amerikanische Vorbilder oft leichter – so auch bei den sogenannten Road Movies. Eine Erklärung mag vielleicht sein, dass bei Road Movies der Freiheitsgedanke eine größere Rolle spielt und dieser Gedanke eben visuell viel besser durch unendliche Landschaften dargestellt werden kann. Davon gibt es in den USA natürlich hunderte Möglichkeiten, hingegen eine Bebilderung des deutschen Vorstadt und Dorfmief gar niemanden hinter dem Ofen herlockt. Dank der sehr beliebten Nora Tschirner und der verrückten Geschichte könnte dies bei OFFRAOD jedoch anders sein. Könnte!

Denn ein guter Film braucht mehr als eine sympathische Hauptdarstellerin. Ein vernünftiges Drehbuch sollte die Ausgangsposition dafür sein, ebenso wie eine gute Regie. Hier kommt dummerweise etwas viel Konjunktiv ins Spiel, was zeigt: Offroad bietet davon leider bei weitem nichts Zufriedenstellendes, obwohl der Storyansatz viel Möglichkeiten bietet: Vorortspießerin findet in einem Geländewagen 50kg Koks und versucht sich in der Großstadt als semiprofessionelle Drogendealerin. Die Umsetzung ist aber fahrig, unbedacht und schlichtweg langweilig. Höchststrafe für eine Komödie.

Der Trailer suggeriert dagegen ein kurzweiliges Vergnügen und beweist erneut, wie sehr eine gut zusammen geschnittene Collage den Zuschauer auf eine falsche Fährte bringen kann, um ihn so ins Kino zu locken. Doch hier gibt es nur ein Stichwort: Fern bleiben!

3/10



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Freitag, 6. Januar 2012
Jonas


Seit einigen Jahren hat das Genre der Reality-Doku einen Platz im Kino gefunden. Nehmen wir Michael Moore oder Sascha Baron Cohen (besser auch bekannt als Borat oder Brüno), die Ihre Figuren in einer Realität zeigen, die hin und wieder fingiert ist. Der Trick: Der Zuschauer erfährt niemals, was geskriptet und was tatsächlich so passiert ist. Genau diese Tatsache macht diese Projekte so spannend, weil der Zuschauer merkt, wie er sich der Manipulation hingibt. Auf diese Vorbilder lose angelehnt, nimmt Christian Ulmen die Rolle des 18jährigen Jonas ein, der an einer Berliner Gesamtschule seine letzte Chance auf einen Schulabschluss erhalten soll. Das Verrückte an diesem Experiment ist: Die Lehrer wissen eigentlich, dass Jonas eine Figur von Christian Ulmen ist, die Schüler jedoch nicht. So vermischt sich auf eine sehr eigenwillige Art und Weise die Realität mit Fiktion. Denn Christian Ulmen bleibt nonstop als Jonas präsent, sodass die Lehrer sehr schnell vergessen, wer Jonas eigentlich ist.

Gefilmt wird also der echte Schulalltag, mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Selbstverständlich weiß Christian Ulmen zu jeder Zeit was er dort tut und macht es seinen Mitmenschen selten wirklich leicht. Entgegengesetzt zu seiner grandiosen Serie „Mein neuer Freund“ überschreitet Jonas hier keine Grenzen, um hemmungslos zu nerven und seine Welt in den Wahnsinn zu treiben, seine skurrilen Aktionen laufen stets auf ein Ziel hinaus: Mehr Sympathie zu sammeln – erschreckend, wie leicht dies zu gelingen scheint.

Der dokumentarische Stil der Bilder erweckt auch beim Zuschauer zwischendurch den Anschein eine echte Dokumentation zu sehen. Glücklicherweise ist man aber in der Lage sich aus der einseitigen Betrachtung zu befreien, im Zweifelsfalle tut es Jonas für uns. Der Film überzeugt jedoch nicht nur mit seiner schrägen Grundsituation und den teils sensationellen Einfällen, sondern hebt auch die in Verruf geratene Situation an den deutschen Schulen hervor. Denn wir sind nicht auf einem Elitegymnasium, sondern einer stinknormalen Gesamtschule. Also liebe Schwarzmaler da draußen – seht selbst, unsere Jugend ist zum größten Teil mehr als akzeptabel. Der Film bleibt trotzt kleinerer Längen ehrlich und präsentiert eine bittere, wenn auch wahre Pille, die wir alle wohl schlucken müssen. Mit Sympathie kommt der Mensch im Leben weitaus weiter als mit Leistung. Wobei, wir alle waren Schüler! Im tiefen Inneren wussten wir das doch schon immer.

8/10


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Dienstag, 6. Dezember 2011
Perfect Sense



Und wieder kommt ein Film ins Kino, der die Apokalypse heraufbeschwört, weil eine Pandemie sich schnell verbreitet und somit das Aus für menschliches Leben auf der Erde bedeutet. Wer braucht nach dem hervorragenden Contagion im Jahre 2011 noch einen weiteren Film dieser Art? Diese Frage ist nicht unberechtigt, doch die Antwort ist weitaus gelassener und auch überraschender als man es sich vorstellen konnte. Denn Regisseur David Mckanzie hat sich ein Drehbuch ausgesucht, was nicht mit dem klassischen Verlauf eines Virus-Films spielt. In dieser Endzeitutopie betrifft die Ausbreitung schließlich nicht nur einen Teil der Menschen und löst auch nicht sofort den qualvollen Tod aus. Nein, hier geht es an essentielle Teile der Menschheit, Dinge, die für jeden im Leben selbstverständlich sind: Die Sinneswahrnehmungen.

Plötzlich verliert eine Vielzahl der Menschen kurzzeitig und nur für wenige Augenblicke den Verstand. Nachdem diese Phase geprägt von Heulkrämpfen und überwältigenden Schuldgefühlen durchlebt ist, ist die Gabe Gerüche wahrzunehmen vollends vernichtet. Einen Grund dafür scheint es nicht zu geben und die Geschichte beleuchtet auch keineswegs die Versuche einen Auslöser für diese Pandemie zu finden. Viel mehr wird die menschliche Fähigkeit sich Gegebenheiten anzupassen fokussiert. Ohne Geruchssinn wird’s schon gehen, das Leben muss weiter gehen. Die restlichen Sinne werden geschärft, man konzentriert sich auf das Wesentliche. Dieses Vorgehen wird jedoch auf die Probe gestellt, wenn immer mehr wichtige Sinne des alltäglichen Lebens für immer aus dem Leben scheiden. Wie stellt man sich darauf ein ohne Geschmackssinn, ohne die Fähigkeit zu hören oder gar zu sehen auf der Welt als Mensch zu existieren.

Dieser Gedankengang wird in intensiven Bildern gezeigt und von den beiden Hauptdarstellern Eva Green und Ewan McGregor packend und überzeugend getragen. Beide haben ihr Vertrauen in die Liebe und die Zweisamkeit verloren. Im Laufe des Films müssen die Protagonisten doch genau dieses Vertrauen für sich wieder entdecken, denn es könnte das Letzte sein, was ihnen bleibt. Diese schwierige Herausforderung darauf einen schlüssigen, spannenden und berührenden Film zu inszenieren ist gelungen, auch wenn die emotionalen Ausbrüche vor jeder weiteren Krankheitsstufe aufgrund ihrer grotesken Ausuferungen sehr verstören. Der Ernst der Lage wird dem Zuschauer bewusst, dennoch überträgt sich der durchblickende Hoffnungsschimmer auch auf den Zuschauer. Es wirkt echt, menschlich, authentisch und ist dabei unglaublich intensiv.

Ob man Perfect Sense als reinen apokalyptischen Thriller oder als mehrdimensionale Kritik auf unser gesellschaftliches Zwischenleben sehen möchte, wird offen gehalten und gibt viel Spielraum der Interpretation. Einzig die Frage, ob man einen weiteren Endzeitfilm wirklich sehen muss, beantwortet er mit einem klaren JA, denn auf diese unpanische Weise wurde selten dieses Szenario bebildert.

9/10


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Dienstag, 22. November 2011
Twilight - Breaking Dawn Teil 1


Es gibt Filme, bei denen es beinahe Zeitverschwendung ist eine Kritik zu schreiben, weil sich dafür eh niemand wirklich interessiert. Die Twilight Reihe gehört definitiv in diese Kategorie. Die Fans lieben jeden Streifen sowieso, alle anderen schauen sich die Vampirsaga gar nicht erst an. Daher ist jede Empfehlung seitens der Kritiker fast zwecklos. Journalistische Ideale treiben allerdings jeden Autor an, sodass auch der vierte Teil „Breaking Dawn“ nun besprochen wird.

Edward und Bella heiraten also endlich, fahren in die Flitterwochen und haben das erste Mal Sex, wobei auch sofort ein Kind gezeugt wird. Dieses Kind wird jedoch zum Überlebensrisiko für Mutter Bella, da sie selbst noch kein Vampir ist, das Kind aber ein bisher undefiniertes Mischwesen, welches nicht nur schneller wächst als ein normales Embryo, sondern das Wachstum gar die Knochen der Mutter zu brechen droht. Ihr Schicksal ruft die Werwölfe dazu, die gegen die Vampire in die Schlacht ziehen wollen und Bella vor ihrem sicheren Tod retten wollen.

Prinzipiell könnte das Treiben tatsächlich spannend inszeniert werden, wenn man diese Zeilen liest. Der Film belässt es aber beim Konjunktiv und verlässt niemals das Niveau einer Seifenoper im TV. Glattpoliert, unauthentisch und gelangweilt stehen die Darsteller im Set und warten auf die nächste Regieanweisung. Der Anfang ist selbstverständlich hochkitschig dargestellt, wir wollen eine Hochzeit feiern. Doch anstatt die Zeremonie ordentlich zu würdigen, bleibt die Kamera lieber beim Weg zum Altar bei jedem Schritt in Zeitlupe auf dem Hochzeitskleid hängen. Das „ich will“ ist Nebensache; das Kleid ist die Attraktion. Potenzial wird jede Sekunde verschenkt.

Auf diese Art und Weise heult der Film jedem Kleinmädchentraumklischee hinterher, wobei kein Frauenklischee aus der Steinzeit ausgelassen wird. Im Jahre 2011 spricht man über die Frauenquote und die Gleichberechtigung ist beinahe durchgesetzt. Im direkten Gegensatz feiert die weibliche Fanschaft von Twilight eine verfilmte Bücherreihe, die ein uraltes Frauenbild vermittelt: Die Frau opfert sich auf für den Mann und spart sich für ihn auf, sie leidet für das Familienglück und will das Kind trotz aller gesundheitlichen Bedenken doch auf die Welt bringen. Ein gesundheitsbedingter Schwangerschaftsabbruch kommt in dieser christlichen und moralinverseuchten Twilight-Welt nicht in Frage. Aber was spielt das für eine Rolle, wenn man Edward und Jacob bei ihren Auseinandersetzungen hinterher schmachten kann. Das größte Drama ist jedoch, dass 117 Minuten beinahe nichts passiert. Nichts, Langeweile, Stillstand!

Rein technisch gesehen ist die Reihe immerhin im 21. Jahrhundert angekommen. Die Kamerafahrten sind in der tollen Landschaft wirklich sehenswert, die Ausstattung und Spezialeffekte funktionieren auf hohem Niveau. Das sieht auch endlich nach Hollywood und großem Kino aus. Es bleibt aber eher zweifelhaft, dass sich die Story und die schauspielerischen Leistungen der Darsteller im letzten Teil auch noch in diese Richtung entwickeln werden.

2/10


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Donnerstag, 29. September 2011
The Guard + zwei Bewertungen



Die Filmgeschichte kennt schon den einen oder anderen verrückten Kauz. So jemanden wie Gerry Boyle trifft man aber nicht einmal im Kino wirklich oft. Denn einen wirklich passenden Ausdruck findet man nicht. Da passt „unberechenbar“ wohl wirklich am besten. Gerry Boyle ist Polizist in einem kleinen Ort in Irland und er führt diesen Job auf seine eigene, sehr unkonventionelle Art und Weise durch, dabei aber im tiefen Inneren stets mit einer guten Intention und niemals unehrlich oder gar verlogen. Ein merkwürdiger Mord ist geschehen, ein mysteriöser Selbstmord eines Polizisten folgt unmittelbar danach. Aber Boyle will diesen Fall unbedingt lösen, ohne Kompromisse.
„Entweder sind sie ein völliger Idiot oder der cleverste Bursche überhaupt“ – diesen Satz spricht FBI Chef Wendell Everett (Don Cheadle), der zu Lösung des Falls auf die Insel geordert wurde. Die Aussage ist nicht unberechtigt, denn auch der Zuschauer fragt sich oft genug, ob Boyle diesen Satz wirklich gesagt hat oder nicht. Politische „Correctness“ braucht offenbar kein Mensch!
Obwohl ein Mord gelöst werden muss und obwohl der Film an einigen Stellen unglaublich witzig ist, ist der Film weder Krimi noch Komödie. Brendan Gleeson spielt den letzten ehrlichen Polizisten der Stadt in einer Cowboy-Manier, dass er tatsächlich der Letzte zu sein schein, der den Gesetzlosen noch etwas entgegen zu setzen hat. Ja, das ist der erste irische Westernfilm.
Die schrägen 96 Minuten sind schnell vergangen, trotz kleinerer Durchhänger im Mittelteil. Das Gespann Gleeson/Cheadle harmoniert perfekt, die Regie strotzt vor verrückten Einfällen und nimmt sich dankenswerterweise nicht selbst sonderlich ernst. Somit bekommt der Zuschauer ein Kinovergnügen der sehr besonderen Art.

8/10

Freunde mit gewissen Vorzügen
Teils etwas affektiert gespielter Streifen, der Dank seiner charmanten und gutaussehenden Darsteller grundsolide Unterhaltung bietet. Nicht mehr, nicht weniger.
6/10

Kill the Boss
Anfangs zum Schreien komische Komödie, die gegen Ende leider arg absäuft und konventionell hoch 1000 um die Ecke kommt. Kevin Spacey, Jennifer Aniston und Colin Farrell besetzen die Nebenrollen perfekt und sorgen demnach für die meisten Lacher.
7/10

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Donnerstag, 18. August 2011
Captain America + Midnight in Paris


Mittlerweile erscheinen jedes Jahr zahlreiche Comicverfilmungen im Kino. Einige Werke der letzten Jahre strotzen vor Individualität, Tiefe oder geistreichen Ideen. So bieten die beiden Batman Werke von Christopher Nolan, die Iron Man Filme oder auch die diesjährige X-Men Verfilmung neben großartiger Mainstreamunterhaltung auch tiefsinnige und mehrdimensionale Ansätze, die sich wohltuend vom Einheitsbrei Hollywoods abheben.
Nun erscheint Captain America in den deutschen Kinos. Sämtlich erwähnte positive Ausführungen der aktuellen Vorbilder lassen sich auf diese Leinwandadaption leider nicht reflektieren.

Steve Rogers ist ein schmächtiger junger Mann, der im Jahre 1942 nichts lieber täte, als für sein Land in den Krieg zu ziehen. Dank eines wissenschaftlichen Experimentes gelingt es aus Rogers einen stahlharten Übermenschen zu erschaffen, dessen menschlichen Eigenschaften ebenfalls durch die Verwandlung verstärkt werden; sowohl die positiven als auch die negativen Ausprägungen sollen sich im erhöhten Maße auf den Charakter auswirken. Doch genau an dieser Stelle wird das größte Problem der Verfilmung deutlich. Steve Rogers bzw. Captain America ist ein eindimensionales Abziehbildchen einer heroischen Figur des Krieges. Die wichtige Aussage bezüglich der persönlichen Merkmale verpufft nach wenigen Momenten und wird schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. Unglaublich viel Potenzial für eine glaubwürdige Darstellung geht unkommentiert unter.

Captain America bleibt durchweg eine Kampfmaschine, die sich heldenhaft für die USA einsetzt. Warum man sich jetzt zwingend für den mutigen und mitfühlenden Steve Rogers zur Ausübung des Experimentes entschieden und keinen stumpfsinnigen Soldaten ausgewählt hat, wird zu keiner Sekunde deutlich. Denn nach der Verwandlung ist Captain America selbst nur eines: Plump. Dem Helden fehlt es völlig an Ecken und Kanten, hinterfragt wird nicht und menschliche Eigenschaften existieren für keinen weiteren Moment. Dabei sollte er doch genau das versprechen: Ändere dich nicht!

Das Ergebnis daraus ist ein willkürlicher Brei aus Actionsequenzen, die völlig spannungsfrei am Zuschauer vorbeirauschen, weil die Geschichte bis auf eine kleine Ausnahme so glatt am Protagonisten vorbeiziehet dass man gelangweilt im Kinositz verharrt. Die humorigen Elemente sind abgelutscht (einen Vorgesetzten, der als trockener Stichwortgeber verkommt, hat man schon viel zu oft gesehen – Tommy Lee Jones ist sichtbar unterfordert), den satirischen Elementen fehlt der Biss und der Bösewicht ist ein Mix aus Fantasy und Nazi. Wirklich böse ist das nicht, sondern eher unfreiwillig komisch. Was bleibt ist ein austauschbares Action-Filmchen, was bedeutungslos 124 Minuten über die Leinwand flimmert. Bedeutungslos auch die 3D Technik, die von Mal zu Mal fragwürdiger wird. Nein, dann doch lieber Batman, Iron Man oder die X-Men. Die haben im direkten Vergleich noch viel mehr zu bieten, als es man sich vorher bewusst war. Dort wird zwar keine räumliche Tiefe vorgegaukelt, das Endergebnis ist dafür um einige Facetten mehrdimensionaler.

3/10





Woody Allen ist zweifellos einer der großen Filmemacher, der sich niemals vom Mainstream hat weichspülen lassen. Auch sein neustes Werk ist dafür wieder einmal der perfekte Beweis. So leichtfüßig die Komödie auch daher kommen mag, der Charme und die magische Atmosphäre brennen sich tief ins Gedächtnis.

Der Drehbuchautor Gil möchte keine weiteren Fließbandgeschichten mehr für Hollywood schreiben, sondern will den Schritt in die echte Literatur wagen (Alleine die Ausgangssituation ist ein herrlicher Seitenhieb in Richtung des Blockbuster Kinos). Er ist fasziniert von der Atmosphäre in Paris und sieht in der Stadt einfach mehr als ein Shoppingparadies für Modebegeisterte. Seine Verlobte kann dem Ganzen nicht viel abgewinnen, wie auch ihre (großartig überzeichnete) Eltern. Eines Abends hat Gil kein Interesse an einer Partynacht und macht sich stattdessen auf einen melancholischen Streifzug durch die Straßen. In dieser Nacht geschieht etwas Eigenartiges, er wird in das Paris der 20er zurückkatapultiert, für ihn DAS goldene Zeitalter dieser Stadt. Dort trinkt er mit Hemmingway, lernt die sehr spezielle Partnerschaft der Fitzgeralds kennen und trifft die Künstler Dalí und Picasso.

Woody Allen skizziert feinfühlig den Weg eines orientierungslosen Mannes durch seine eigenen Ideale, um am Ende recht simpel, aber einleuchtend zur Erkenntnis des Filmes zu gelangen. So werden seine Vorstellungen der perfekten Gegenwart nicht nur relativiert, sondern es stellt sich ebenfalls heraus, dass in der Zukunft ganz offensichtlich auch Menschen existieren werden, die uns um das Hier und Jetzt beneiden werden. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, beobachtet Allen zahlreiche Eigenarten der Gegenwart wie, dass das Interesse an Kultur und Kunst sich nicht zwingend über endloses angelesenes Wissen definiert. Ebenso ist es laut Allen oberflächlich, sich zwanglos überzeugend vorgetragenen Fakten hinzugeben, um kultiviert zu erscheinen (wie die Verlobte Inez von Gil). Die Weißheit: „Stil kann man nicht kaufen, sondern man muss ihn haben“ bringt er durch ein irrwitziges Zitat der Mutter von Inez zum Vorschein. Ja, es sind diese vielen kleinen Details, die das Drehbuch zu einem ganz besonderen Stück machen und dem Film zu großem Glanz verhelfen.

Lediglich gegen Ende sind ein paar kleine Schwächen zu erkennen. Ein paar Minuten mehr der Auflösung hätten der Geschichte gut getan und das Drumherum etwas glaubwürdiger erscheinen lassen. Die Schwächen sind jedoch nur marginal. Die Liebeserklärung an das kreative und künstlerische Schaffen überwiegt und macht „Midnight in Paris“ zu einem zauberhaften Kinovergnügen.

9/10

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Montag, 15. August 2011
Super 8 + Bewertung Blue Valentine



Sommer ist Blockbusterzeit! Seit geraumer Zeit auch eher Sequel-Zeit. Nicht wenige zweite, dritte und vierte Teile kommen auf die Leinwand und können dabei eher selten restlos überzeugen. In diesem Jahr erscheint eine Großproduktion, die weder eine Comicvorlage, einer TV-Serie oder einem Vorgänger entsprungen ist. Nein, SUPER 8 wurde ausschließlich für das Kino geschrieben.

Eine Jugendclique will in den Sommerferien einen Film für ein Filmfestival produzieren und wird Zeuge eines Zugunglückes, welches nicht ohne Grund von ihrem Lehrer hervorgerufen wurde. Seltsame Würfel haben die Waggons geladen und scheinen aus einer anderen Welt zu sein. Als plötzlich immer wieder Personen aus der Kleinstadt verschwinden, wird schnell klar, dass ein mysteriöses Geschöpf sein Unwesen treibt. Die Geschichte ist dabei vielschichtiger als man auf den ersten Blick erkennen kann. Neben dem Sciene-Fiction Element fokussiert J.J.Abrams auch das Familiendrama zwischen Protagonist und Vater, die beide auf ihre Art und Weise mit dem tragischen Tod der Mutter zu Recht kommen müssen.

Der Film erzählt die Geschichte glücklicherweise nicht auf die moderne Art und Weise, sondern bringt nostalgische Atmosphäre in die Kinosäle! Die Bilder könnten 25 Jahre alt sein, die Charaktere sind allesamt fein ausgearbeitet, sympathisch und mit hohem Identifikationspotenzial ausgestattet. Der Hauch Selbstironie fehlt ebenfalls nicht. Kinomagie beherrscht das Publikum, wie es viel zu selten noch gelingt. Lediglich das Ende ist zu amerikanisch ausgefallen und die Darstellung des Showdowns ist arg übertrieben.

Wenn zwei der ganz Großen der Filmschaffenden zusammen kommen, muss das nicht immer ein Garant für großartige Unterhaltung sein (siehe Indiana Jones 4), aber in diesem Fall ist Super 8 der Sommerblockbuster schlechthin, der mit seiner Detailversessenheit eine Liebeserklärung an die Blockbuster der 80er Jahre ist. Wer über die kleinen Schwächen am Ende hinwegsehen kann, hat viel Freude für den normalen Kinotarif, denn vor 25 Jahren liefen die Film nicht in 3D.

9/10


Blue Valentine
Realistisches, bedrückendes und trauriges Résumé einer gescheiterten Beziehung, an der beide viel zu lange festgehalten haben.
8/10

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Freitag, 22. Juli 2011
Arschkalt


Es gibt immer wieder Filme, die scheinbar ohne öffentliche Aufmerksamkeit den Weg ins Kino finden. Auch in diesem Fall liegt der Deutschlandstart unter dem Niveau eines „breiten Starts“ (Von einem breitem Start spricht man bei etwa 100 Kinos bundesweit, die den Streifen dann zeigen --> bei Hollywoodblockbustern wie „Harry Potter“ oder „Pirates of the Caribean“ liegt dieser Wert bei ca. 800-900 Kinos landesweit!) und wird daher mit enormer Sicherheit komplett am Publikum vorbei seine Präsenz in den Lichtspielhäusern haben. Und wie so oft: Völlig zu Unrecht.

Die Geschichte ist recht simpel und schnell erzählt. Rainer Berg (Herbert Knaup) ist ein grantiger Verkaufsfahrer eine Tiefkühlkette. Nach der Übernahme des Unternehmens wird ihm durch die holländische Vorgesetzte Lieke ein Kollege zugeteilt, den Berg zum Nachwuchsfahrer einarbeiten soll. Doch sein neuer Kollege Tobias entpuppt sich als verrückt, tollpatschig und unglaublich lebensbejahend. Damit raubt er Rainer den letzten Nerv und durch einen Fehler kostet es Lieke auch bald den Job. Dennoch finden diese drei Protagonisten noch zusammen.

Natürlich wird hier am Ende mehr oder minder alles gut und die Charakterentwicklung ist stereotyp und vorhersehbar. Die behutsame und liebevolle Art und Weise, wie die Figuren durch den Film begleitet werden, ist dagegen übersympathisch und nicht selten selbstironisch.

Neben vielen skurrilen, verrückten und innovativen Einfällen, die immer wieder die Lachmuskeln aktivieren werden, beinhaltet der Film auch ein paar stille und ernste Momente, die sehr liebevoll umgesetzt worden ist. Auf eine sehr herzliche Art und Weise werden die einzelnen Geschichten der Protagonisten ernst genommen, sodass auch verstreute Lebensweisheiten nicht verkrampft vermittelt werden.

Am Ende ist es zwar keine große Kinokunst, aber die 1 ½ h genießt man, verlässt fröhlich kopfschüttelnd das Kino und wird sich gerne an ein paar grandiose Szenen zurückerinnern. Damit hinterlässt „Arschkalt“ immerhin tiefere Spuren als viele der großen Hollywoodproduktionen.

8/10

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Montag, 18. Juli 2011
Harry Potter 7.2 - das Finale!



Es ist die wohl erfolgreichste Buchreihe der Welt, die (nicht inflationsbereinigt) erfolgreichste Filmreihe der Welt und eines der heiß ersehntesten Finals der Filmgeschichte. Nach dem umsatzstärksten Kinostart in der Geschichte reicht es jetzt auch an Superlativen. Eine Konzentration auf die 130 Minuten Harry Potter 7.2 soll nun folgen.

Der Film startet direkt im Geschehen und im Handlungsverlauf lückenlos zum ersten Abschnitt des letzten Teils, erst einmal ohne Warner Bros. Logo. Daher braucht es ein paar wenige Sekunden, um zu realisieren, dass gleich die Schlacht um Hogwarts beginnt. Die Atmosphäre ist bedrückend und extrem einengend. Das Gefühl der Protagonisten überträgt sich unfiltriert auf den Zuschauer. Die bedrückende und die ausgehende Gefahr mit der Gewissheit, dass einige Menschen sterben müssen, geht durch Mark und Bein. Die Zuspitzung vom bunten Familienfilm in Richtung Fantasyhorror erlebt hier nun endgültig den Höhepunkt. Ein Gang durch ein blutiges Leichenfeld oder ein verstörendes, blutiges, embryoartiges Wesen haben dabei in einem ab 12 Jahren freigegebenen Film (der in Begleitung eines Erziehungsberechtigten gar schon ab dem Alter von 6 Jahren gesehen werden darf) wirklich nichts zu suchen, obgleich gerade diese Szenen den Film auch auf der künstlerischen Seite weit nach vorne bringen.

Visuell ist der letzte Teil wie üblich großartig gelungen. Die Tricktechnik lässt keinen Zweifel an der Existenz dieser Zauberwelt, völlig egal ob durch die Bilder oder den Unmengen an auditiven Reizen. Dennoch ist die nachträgliche stereoskopische Bearbeitung in das 3D-Format nicht nur mittelmäßig gelungen, sondern gerade in den spektakulären Sequenzen schlichtweg Fehl am Platz. Die aufgesetzte Brille sorgt weniger für eine (sehr spärliche) Räumlichkeit als viel mehr für eine noch größere Dunkelheit auf der Leinwand. Denn egal wie hochwertig die 3D-Technik eingesetzt wird, der Film verliert dadurch immer an Helligkeit, was in einem ohnehin düster inszenierten Film enorm anstrengend für die Augen werden kann. Hier lässt sich durch den Besuch der 2D-Version viel Geld sparen.

Die Schauspieler überzeugen dagegen fast komplett (Daniel Radcliffe als Harry Potter wird mich im Gegensatz zum Rest niemals ansatzweise erreichen) und insbesondere die Performance von Alan Rickman als Snape geht unter die Haut; Szenen, die man so schnell nicht vergessen wird und den emotionalen Höhepunkt des Films, vielleicht gar der Reihe stellen). Alles in Allem bekommt der Fan der Filme fast all das, was er erwartet und braucht. Leider gibt es einen massiven Störfaktor, der die perfekte Unterhaltung komplett stört: Die letzten zwei Minuten des Film sind nicht nur überflüssig, sondern verärgern von der Idee bis hin zur Ausführung derart, dass man den Abspann nicht mehr genießen kann. Ärgerlich, denn so verlässt man den Kinosaal viel zu abrupt. Für eine überaus gelungene Filmreihe kein würdiger Abgang.

9/10

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Freitag, 15. Juli 2011
Kleine wahre Lügen + Bewertung "Beginners" und "Kung Fu Panda 2"


Manchmal wirkt ein Drehbuch auf den ersten Blick belanglos, nichtssagend und dahinplätschernd. Gerade bei dieser französischen Tragikomödie stellt man sich bereits vor dem Kinogang die Frage, wie und vor allen Dingen wieso ein 2 ½ stündiger Film über einen gemeinsamen Urlaub unterhaltsam sein soll. Eines vorweg: Es ist großartig gelungen und trotz winziger Längen geht die Zeit rasend schnell herum.

Zu Beginn geschieht ein tragischer Unfall, der das Leben von Ludo in große Gefahr bringt. Alle Freunde versammeln sich in kürzester Zeit am Krankenbett und sind froh, dass Ludo überlebt hat. Doch bereits nach dem Besuch haben unsere Protagonisten andere Sorgen, die geklärt werden müssen, schließlich steht der gemeinsame Sommerurlaub an, der wie jedes Jahr in der Residenz vom wohlhabenden Max verbracht werden soll. Statt kurz inne zu halten, beschließt man zu fahren, da man für den Freund im Krankenhaus keine weitere Stütze sein kann. Kaum im Urlaub angekommen, rückt der Unfall nicht nur in den Hintergrund, sondern wird von ganz anderen Problemen verdrängt und fast komplett aus dem Bewusstsein gestoßen.

Der Film erschafft eine ganz besondere Atmosphäre, die stilistisch an Großproduktionen aus Hollywood erinnert, dennoch heimisches europäisches Flair versprüht. Ein Großteil des Handlungsverlaufs ist als Komödie erzählt und birgt somit einige Skurrilitäten, die das Zwerchfell zum beben bringt. Ungeachtet von dem Unfall ignoriert der Cast genauso wie der Zuschauer die Vorgeschichte. Der Mensch ist ein Verdrängungskünstler und will jede Form von Problemen aus seinem Blickfeld schaffen. Dazu entwirft er entweder Banalitäten, um sich über diese aufzuregen oder lenkt sich mit Wein und guter Laune ab. Prinzipiell ist dies ein automatischer Schutzinstinkt, der überlebensnotwendig ist, damit man sich wieder dem Alltag widmen kann. Die komplette Ignoranz eines Problems wird den Menschen aber stets wieder einholen, in welcher Form auch immer. Im Film überkommt es den Zuschauer nach etwas mehr als zwei Stunden. Dieser Wendepunkt ist nicht überraschend, wirkt aber im ersten Moment sehr abrupt. Der Mensch will nun mal nicht aus seiner Lethargie geworfen werden.

Regisseur Canet gelingt dieser sehr feinfühlige Blick auf das Fehlverhalten der Charaktere ohne moralischen Zeigefinger, sondern erschafft ein leichtfüßiges Kinovergnügen ohne die egozentrische Gefangenheit der einzelnen Figuren auch nur ein einziges Mal aus dem Auge zu verlieren. Das ist so großartig gelungen, dass sowohl der tiefschürfende Aspekt nach Ende des Films seine Spuren hinterlässt als auch der große Wunsch nach Sommerurlaub mit Freunden ins Unermessliche steigt. Der Mensch ist in sich widersprüchlich und lernt offenbar in diesem Punkt kaum dazu. Genial, es dem Publikum auf diese Art vor Augen zu halten. Ein Glas Wein hat bei dieser Erkenntnis noch nie geschadet!


9/10




Beginners

Zauberhafter Liebesfilm, der aufgrund der Nebengeschichte (Vater outet sich nach dem Tod der Mutter im Alter von 75 Jahren als schwul), einen sehr tiefsinnigen Aspekt erhält. Liebevoller wurde das Scheitern in einer Beziehung selten gezeigt.

9/10



Kung Fu Panda 2

Toll animiertes Abenteuer, bei dem sich der 3D Aufschlag endlich wieder lohnt. Leider nicht ganz so lustig wie Teil 1, dennoch ein überzeugendes Sequel.

7/10

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Montag, 27. Juni 2011
Bad Teacher (+Bewertung: Hangover 2 & Wer ist Hanna?)


Das Thema „Schule“ gehört seit Urzeiten zum Film, insbesondere im Genre Komödie, dazu. Dabei wird meist die Sicht der Schüler beschrieben, denn die Zielgruppe im Kino kann sich doch meist eher mit den Bankdrückern identifizieren. Schließlich hat die Schulzeit bislang jeder schon erlebt. „Bad Teacher“ dreht die konventionelle Erzählweise daher endlich einmal konsequent um und lässt eine Lehrerin als Protagonistin in Erscheinung treten. Cameron Diaz spielt die charmant kauzige Lehrerin Elisabeth, die noch weniger Lust auf den Schulalltag hat als der größte Chaot in der letzten Reihe, in gewohnt lässiger Manier.

Elisabeth muss die Trennung von ihrem Verlobten verkraften und ist daher auf der Suche nach neuem Heiratsmaterial. Geld spielt hier eine größere Rolle als Charakter, Humor oder gar Intelligenz. Dementsprechend eindeutig fällt ihr Interesse am neuen Vertretungslehrer Scott Delacorte (Justin Timberlake), der aus einem reichen Zuhause stammt, ansonsten aber ein langweiliger Spießer ist. Gleichzeitig hat Elisabeth das Ziel sich ihre Brüste vergrößer zu lassen und benötigt dafür dringend das notwendige Kleingeld. Dafür ist ihr jedes Mittel Recht.

Die Komödie startet furios und herrlich überdreht. Leider bleiben die Charaktere dabei auf Dauer eher eindimensional und in Ihrem Verhalten sehr vorhersehbar! Natürlich macht es dem Spaß dank einiger sehr guter Gags keinen Abbruch, jedoch wäre in der Geschichte durchaus mehr Potenzial gewesen, um über ein kurzes Schmunzeln oder Lachen hinaus eine Komödie zu gestalten, wie es letztes Jahr „Einfach zu haben“ durch großartige Dialoge und etwas behutsameren Charakteraufbau gelungen ist. Dadurch wirkt der Film leicht überzogen und wegen des konsequenten Overactings der Starriege im gesamten Verlauf etwas zu sehr hanebüchen und grimassenartig. Hier wäre an einigen Stellen weniger einfach mehr gewesen. Besonders schade, denn die Darsteller haben alle unglaublich viel Spaß bei der Auslebung ihrer Charaktere.

Letztlich handelt sich hier um einen definitiv lustigen Film, dem insgesamt etwas mehr Biss nicht geschadet hätte. Allerdings ist „Bad Teacher“ weitaus unterhaltsamer als der aktuelle Komödienüberhit „Hangover 2“ und überzeugt im Gesamteindruck mit besseren Ideen und einfallsreicheren Witzen. Für einen gemütlichen Kinoabend also genau das Richtige.
6/10


Hangover 2
Über weite Strecken weder lustig noch unterhaltsam. Ein lauer Aufguss, der mit der Brechstange noch abgedrehter sein will als der Vorgänger. Blöd, wenn das Ganze am Ende sehr, sehr langweilig ist.
3/10

Wer ist Hanna?
Innovativer Actionthriller, der mit einem pulsierenden Soundtrack der Chemical Brothers überzeugt! Die Schauspieler beeindrucken, wie auch Kamera, Schnitt und Szenenbild! Daumen hoch!
8/10

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Dienstag, 24. Mai 2011
Pirates of the Caribbean (4) - Fremde Gezeiten!


Es ist eine der erfolgreichsten Kinoreihen der Filmgeschichte und auch der vierte Teil hat in den ersten vier Tagen schon knapp 350 Mio $ an den weltweiten Kinokassen eingespielt. Das Interesse ist also nachwievor ungebremst, wenn dann auch in Deutschland knapp 500.000 Karten weniger verkauft worden sind, als noch vor vier Jahren bei Teil Nummer drei.

Die Story selbst ist schnell erzählt: Johnny Depp a.k.a Captain Jack Sparrow ist auf der Suche nach einer Quelle, die wieder einmal mehr oder minder ewiges Leben verspricht. Selbstverständlich ist er bei dieser Expedition nicht alleine, sondern diverse Parteien nehmen an diesem Abenteuer teil. Diese Grundidee wird mit 136 Minuten Film umgarnt; Im Film wird beinahe ausschließlich Johnny Depp in den Vordergrund gestellt. Die Depp-Fans wird es freuen, für den Film wird das inflationäre Schauspiel aber zwischenzeitlich zur Belastungsprobe. Das Besondere des Films bzw. der ganzen Reihe geht etwas verloren, wenn das Storytelling nonstop auf dem schrägen Vogel liegt. Nichtsdestotrotz macht Johnny Depp seine Sache wie immer grandios und manifestiert Captain Jack Sparrow noch weiter als eine der berühmtesten Filmfiguren aller Zeiten.

Technisch gesehen ist der Film wie gewohnt eine Augenweide. Ob Kostüm, Szenebild, Maske oder Spezialeffekte: Hier sieht man in jeder Sekunde, wie ein passendes Budget mit dem dazugehörigen Know-How eine hervorragende Optik erzeugen kann! Die 3D-Effekte sind zwar besser als in den anderen, aktuellen 3D-Filmen, jedoch muss der Sinn dieser Technik langsam bezweifelt werden. Mit Ausnahme von ein paar sensationellen Landschaftsaufnahmen braucht diesen Effekt einfach auf Dauer kein Mensch. Dafür ist das räumliche Gefühl zu schwach und zu selten. Traurig, wenn die räumlichsten 30 Sekunden im Werbeblock beim Haribospot erlebt werden. Dagegen macht die Neubesetzung Sinn, denn in der rassigen Penelope Cruz steckt einfach mehr Pirat als in Keira Knightley und Orlando Bloom zusammen.

Am Ende will der Funke aber nicht überschlagen. Das Prinzip des Storyaufbaus ist wohlbekannt und macht durchaus noch Laune. Letztlich bettet sich der Film aber belanglos in die Reihe ein. Es spielt keine Rolle, ob es Teil zwei, vier oder dreizehn ist. Der besondere Zauber ist dadurch schlichtweg verflogen. So bleibt ein wirklich unterhaltsamer Popcornspaß, der aber in diesem Fall schnell in Vergessenheit geraten wird.

6,5/10

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Montag, 2. Mai 2011
Thor + Kurzkritik: Winter´s Bone/The Fighter


Comicverfilmungen beehren uns mittlerweile mehrfach im Jahr. Hier kämpft nicht selten ein, uns Deutschen meist unbekannter, Superheld für das Recht auf Erden, meist sogar um die Existenz des ganzen Planeten. Diese Ausgangssituation wird natürlich in THOR ebenfalls ausgeschlachtet, wenn auch in einer etwas anderen Form. THOR ist demnach kein Mensch, sondern kommt als entmachtetes Götterwesen auf unseren Planeten, um seine Läuterung zu erfahren.

Dazu gesellt sich eine Riege von namhaften Schauspielern, allen voran Anthony Hopkins und die frisch gebackene Oscargewinnerin Natalie Portman (auch wenn sie extremst wenig zu tun hat). Das Ganze wird garniert mit prächtigen CGI-Effekten, wie man sie grundsätzlich in Comicverfilmungen zu sehen bekommt. Wozu also einen weiteren Comic auf die Leinwand bringen?! Weil THOR, ähnlich wie IRON MAN, eine selbstironische Note enthält, die sehr erfrischend ist und somit angenehm auffällt.
Leider kommt THOR jedoch nicht an IRON MAN heran, was auch am fehlenden Charisma des Hauptdarstellers Chris Wemsworth liegt. Dieser macht seine Sache wirklich ordentlich, jedoch gegen Mr. Robert Downey Jr. kann er im direkten Vergleich nur verlieren.

Die Effekte können zwar überzeugen, jedoch sieht die Ausstattung, insbesondere die Kostüme, zu oft nach billigem Plastik aus. Dies mag inszenatorische Absicht sein, überzeugt im Gesamtpaket jedoch genau so wenig, wie die 3D Effekte, die zum wiederholten Male in einer Blockbusterproduktion einfach nicht zu finden sind und den Kinozuschauer erst im Abspann begegnen wollen. Schade, denn in dieser bunten Welt, bzw. Galaxie von durchgedrehten Planeten hätte ein räumlicher Effekt auch dramaturgisch durchaus Sinn ergeben. So bleibt am Ende ordentliches Popcornkino, mit Verbesserungspotenzial für den zweiten Teil.

7/10


Winter´s Bone

Schwieriges US-Drama, was durch die sehr amerikanischen Spielstätten Probleme mit der Durchschlagskraft beim europäischen Publikum haben wird. Schauspielerisch ist alles auf sehr hohem Niveau. Die dröge und nahe zu selbstvernichtende Atmosphäre raubt dem Zuschauer nicht selten den Nerv. Ein absoluter Downer und verdrängt aufgrund der traurigen Geschichte definitiv jedem die gute Laune!
6/10


The Fighter

Gigantisch gut gespieltes Boxdrama, was zwischenzeitlich durch den zähen Handlungsverlauf für den Zuschauer selbst zum Kampf wird. Dennoch sehr sehenswerter Film, der eine speziell ausgewählte Bevölkerungsschicht in den USA gekonnt seziert.
7/10

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Donnerstag, 14. April 2011
Das Schmuckstück + Kurzkritik: Sucker Punch



Die Zeit der großen Diven ist doch irgendwie vorbei. Selbstverständlich gibt es im Showbusiness immer wieder Damen, die zu glauben scheinen eine Diva zu sein, aber den Ausdruck, den Stil und die Klasse bewahren die Meisten dabei leider nicht. Wie passend, dass eine der letzten Diven sich auch in der Handlung des Films zurück in die Vergangenheit werfen lässt, um die Geschichte einer Frau zu erzählen, die zeigt, was hinter einem stillen Wasser so lauern kann.

Die Ehefrau eines Fabrikinhabers gestaltet ihr Leben eher trist. Sie darf ein wenig im Haushalt aushelfen und sich um die angeblichen Bedürfnisse einer Frau kümmern. Wirklich ernst nimmt sie dabei niemand und auch der Zuschauer fragt sich, warum diese Frau sogar die Affären ihres Mannes akzeptiert. Durch gesundheitliche Probleme ihres Mannes wird sie kurzerhand die Chefin der Regenschirmfabrik und kann temporär beweisen, dass in ihr weitaus mehr steckt als eine devote Hausfrau.

Francois Ozon gelingt das Kunststück den Charme der 70er Jahre visuell auf die Leinwand zu bringen, auch wenn manchmal sowohl in der Ausstattung als auch in der Filmhandlung ein wenig Abwechslung nicht geschadet hätte. Die Dialoge sind enorm bissig und strotzen nur vor Wortwitz, auch wenn die Herangehensweise an Probleme oder Situationen mit Eskalationspotenzial der Filmfigur Suzanne grundsätzlich redundant ist. Der Film ist dennoch schrecklich unterhaltsam und sorgt immer wieder für große Lacher, obwohl „Das Schmuckstück“ durchaus einen ernsten Hintergrund hat und den auch stets behält. Denn auch heute müssen die Frauen oftmals noch um Anerkennung und Akzeptant kämpfen. Das tut jede Frau auf ihre Weise, in diesem Fall mit einem sehr unterhaltsamen Kinofilm!

8/10


Sucker Punch

Grenzdebiles Actionspektakel, was durch drei Erzählebenen eine interessante und innovative Geschichte zu erzählen versucht. Leider ist dieser mehrdimensionale Ansatz zum Scheitern verurteilt, weil der Regisseur Zack Snyder den Fokus lediglich auf die Optik legt. Die Bilder mögen hin und wieder opulent sein, neuartig ist hier leider gar nichts. Im Gegenteil: Die Dialoge sind zum abgewöhnen, wie auch das völlige Fehlen von Charakterzeichnung. Für einen Actionfilm zu wenig Spektakel, für alles andere jedoch zu wenig Inhalt.

3/10

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