Freitag, 22. Juli 2011
Arschkalt


Es gibt immer wieder Filme, die scheinbar ohne öffentliche Aufmerksamkeit den Weg ins Kino finden. Auch in diesem Fall liegt der Deutschlandstart unter dem Niveau eines „breiten Starts“ (Von einem breitem Start spricht man bei etwa 100 Kinos bundesweit, die den Streifen dann zeigen --> bei Hollywoodblockbustern wie „Harry Potter“ oder „Pirates of the Caribean“ liegt dieser Wert bei ca. 800-900 Kinos landesweit!) und wird daher mit enormer Sicherheit komplett am Publikum vorbei seine Präsenz in den Lichtspielhäusern haben. Und wie so oft: Völlig zu Unrecht.

Die Geschichte ist recht simpel und schnell erzählt. Rainer Berg (Herbert Knaup) ist ein grantiger Verkaufsfahrer eine Tiefkühlkette. Nach der Übernahme des Unternehmens wird ihm durch die holländische Vorgesetzte Lieke ein Kollege zugeteilt, den Berg zum Nachwuchsfahrer einarbeiten soll. Doch sein neuer Kollege Tobias entpuppt sich als verrückt, tollpatschig und unglaublich lebensbejahend. Damit raubt er Rainer den letzten Nerv und durch einen Fehler kostet es Lieke auch bald den Job. Dennoch finden diese drei Protagonisten noch zusammen.

Natürlich wird hier am Ende mehr oder minder alles gut und die Charakterentwicklung ist stereotyp und vorhersehbar. Die behutsame und liebevolle Art und Weise, wie die Figuren durch den Film begleitet werden, ist dagegen übersympathisch und nicht selten selbstironisch.

Neben vielen skurrilen, verrückten und innovativen Einfällen, die immer wieder die Lachmuskeln aktivieren werden, beinhaltet der Film auch ein paar stille und ernste Momente, die sehr liebevoll umgesetzt worden ist. Auf eine sehr herzliche Art und Weise werden die einzelnen Geschichten der Protagonisten ernst genommen, sodass auch verstreute Lebensweisheiten nicht verkrampft vermittelt werden.

Am Ende ist es zwar keine große Kinokunst, aber die 1 ½ h genießt man, verlässt fröhlich kopfschüttelnd das Kino und wird sich gerne an ein paar grandiose Szenen zurückerinnern. Damit hinterlässt „Arschkalt“ immerhin tiefere Spuren als viele der großen Hollywoodproduktionen.

8/10

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Montag, 18. Juli 2011
Harry Potter 7.2 - das Finale!



Es ist die wohl erfolgreichste Buchreihe der Welt, die (nicht inflationsbereinigt) erfolgreichste Filmreihe der Welt und eines der heiß ersehntesten Finals der Filmgeschichte. Nach dem umsatzstärksten Kinostart in der Geschichte reicht es jetzt auch an Superlativen. Eine Konzentration auf die 130 Minuten Harry Potter 7.2 soll nun folgen.

Der Film startet direkt im Geschehen und im Handlungsverlauf lückenlos zum ersten Abschnitt des letzten Teils, erst einmal ohne Warner Bros. Logo. Daher braucht es ein paar wenige Sekunden, um zu realisieren, dass gleich die Schlacht um Hogwarts beginnt. Die Atmosphäre ist bedrückend und extrem einengend. Das Gefühl der Protagonisten überträgt sich unfiltriert auf den Zuschauer. Die bedrückende und die ausgehende Gefahr mit der Gewissheit, dass einige Menschen sterben müssen, geht durch Mark und Bein. Die Zuspitzung vom bunten Familienfilm in Richtung Fantasyhorror erlebt hier nun endgültig den Höhepunkt. Ein Gang durch ein blutiges Leichenfeld oder ein verstörendes, blutiges, embryoartiges Wesen haben dabei in einem ab 12 Jahren freigegebenen Film (der in Begleitung eines Erziehungsberechtigten gar schon ab dem Alter von 6 Jahren gesehen werden darf) wirklich nichts zu suchen, obgleich gerade diese Szenen den Film auch auf der künstlerischen Seite weit nach vorne bringen.

Visuell ist der letzte Teil wie üblich großartig gelungen. Die Tricktechnik lässt keinen Zweifel an der Existenz dieser Zauberwelt, völlig egal ob durch die Bilder oder den Unmengen an auditiven Reizen. Dennoch ist die nachträgliche stereoskopische Bearbeitung in das 3D-Format nicht nur mittelmäßig gelungen, sondern gerade in den spektakulären Sequenzen schlichtweg Fehl am Platz. Die aufgesetzte Brille sorgt weniger für eine (sehr spärliche) Räumlichkeit als viel mehr für eine noch größere Dunkelheit auf der Leinwand. Denn egal wie hochwertig die 3D-Technik eingesetzt wird, der Film verliert dadurch immer an Helligkeit, was in einem ohnehin düster inszenierten Film enorm anstrengend für die Augen werden kann. Hier lässt sich durch den Besuch der 2D-Version viel Geld sparen.

Die Schauspieler überzeugen dagegen fast komplett (Daniel Radcliffe als Harry Potter wird mich im Gegensatz zum Rest niemals ansatzweise erreichen) und insbesondere die Performance von Alan Rickman als Snape geht unter die Haut; Szenen, die man so schnell nicht vergessen wird und den emotionalen Höhepunkt des Films, vielleicht gar der Reihe stellen). Alles in Allem bekommt der Fan der Filme fast all das, was er erwartet und braucht. Leider gibt es einen massiven Störfaktor, der die perfekte Unterhaltung komplett stört: Die letzten zwei Minuten des Film sind nicht nur überflüssig, sondern verärgern von der Idee bis hin zur Ausführung derart, dass man den Abspann nicht mehr genießen kann. Ärgerlich, denn so verlässt man den Kinosaal viel zu abrupt. Für eine überaus gelungene Filmreihe kein würdiger Abgang.

9/10

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Freitag, 15. Juli 2011
Kleine wahre Lügen + Bewertung "Beginners" und "Kung Fu Panda 2"


Manchmal wirkt ein Drehbuch auf den ersten Blick belanglos, nichtssagend und dahinplätschernd. Gerade bei dieser französischen Tragikomödie stellt man sich bereits vor dem Kinogang die Frage, wie und vor allen Dingen wieso ein 2 ½ stündiger Film über einen gemeinsamen Urlaub unterhaltsam sein soll. Eines vorweg: Es ist großartig gelungen und trotz winziger Längen geht die Zeit rasend schnell herum.

Zu Beginn geschieht ein tragischer Unfall, der das Leben von Ludo in große Gefahr bringt. Alle Freunde versammeln sich in kürzester Zeit am Krankenbett und sind froh, dass Ludo überlebt hat. Doch bereits nach dem Besuch haben unsere Protagonisten andere Sorgen, die geklärt werden müssen, schließlich steht der gemeinsame Sommerurlaub an, der wie jedes Jahr in der Residenz vom wohlhabenden Max verbracht werden soll. Statt kurz inne zu halten, beschließt man zu fahren, da man für den Freund im Krankenhaus keine weitere Stütze sein kann. Kaum im Urlaub angekommen, rückt der Unfall nicht nur in den Hintergrund, sondern wird von ganz anderen Problemen verdrängt und fast komplett aus dem Bewusstsein gestoßen.

Der Film erschafft eine ganz besondere Atmosphäre, die stilistisch an Großproduktionen aus Hollywood erinnert, dennoch heimisches europäisches Flair versprüht. Ein Großteil des Handlungsverlaufs ist als Komödie erzählt und birgt somit einige Skurrilitäten, die das Zwerchfell zum beben bringt. Ungeachtet von dem Unfall ignoriert der Cast genauso wie der Zuschauer die Vorgeschichte. Der Mensch ist ein Verdrängungskünstler und will jede Form von Problemen aus seinem Blickfeld schaffen. Dazu entwirft er entweder Banalitäten, um sich über diese aufzuregen oder lenkt sich mit Wein und guter Laune ab. Prinzipiell ist dies ein automatischer Schutzinstinkt, der überlebensnotwendig ist, damit man sich wieder dem Alltag widmen kann. Die komplette Ignoranz eines Problems wird den Menschen aber stets wieder einholen, in welcher Form auch immer. Im Film überkommt es den Zuschauer nach etwas mehr als zwei Stunden. Dieser Wendepunkt ist nicht überraschend, wirkt aber im ersten Moment sehr abrupt. Der Mensch will nun mal nicht aus seiner Lethargie geworfen werden.

Regisseur Canet gelingt dieser sehr feinfühlige Blick auf das Fehlverhalten der Charaktere ohne moralischen Zeigefinger, sondern erschafft ein leichtfüßiges Kinovergnügen ohne die egozentrische Gefangenheit der einzelnen Figuren auch nur ein einziges Mal aus dem Auge zu verlieren. Das ist so großartig gelungen, dass sowohl der tiefschürfende Aspekt nach Ende des Films seine Spuren hinterlässt als auch der große Wunsch nach Sommerurlaub mit Freunden ins Unermessliche steigt. Der Mensch ist in sich widersprüchlich und lernt offenbar in diesem Punkt kaum dazu. Genial, es dem Publikum auf diese Art vor Augen zu halten. Ein Glas Wein hat bei dieser Erkenntnis noch nie geschadet!


9/10




Beginners

Zauberhafter Liebesfilm, der aufgrund der Nebengeschichte (Vater outet sich nach dem Tod der Mutter im Alter von 75 Jahren als schwul), einen sehr tiefsinnigen Aspekt erhält. Liebevoller wurde das Scheitern in einer Beziehung selten gezeigt.

9/10



Kung Fu Panda 2

Toll animiertes Abenteuer, bei dem sich der 3D Aufschlag endlich wieder lohnt. Leider nicht ganz so lustig wie Teil 1, dennoch ein überzeugendes Sequel.

7/10

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Montag, 27. Juni 2011
Bad Teacher (+Bewertung: Hangover 2 & Wer ist Hanna?)


Das Thema „Schule“ gehört seit Urzeiten zum Film, insbesondere im Genre Komödie, dazu. Dabei wird meist die Sicht der Schüler beschrieben, denn die Zielgruppe im Kino kann sich doch meist eher mit den Bankdrückern identifizieren. Schließlich hat die Schulzeit bislang jeder schon erlebt. „Bad Teacher“ dreht die konventionelle Erzählweise daher endlich einmal konsequent um und lässt eine Lehrerin als Protagonistin in Erscheinung treten. Cameron Diaz spielt die charmant kauzige Lehrerin Elisabeth, die noch weniger Lust auf den Schulalltag hat als der größte Chaot in der letzten Reihe, in gewohnt lässiger Manier.

Elisabeth muss die Trennung von ihrem Verlobten verkraften und ist daher auf der Suche nach neuem Heiratsmaterial. Geld spielt hier eine größere Rolle als Charakter, Humor oder gar Intelligenz. Dementsprechend eindeutig fällt ihr Interesse am neuen Vertretungslehrer Scott Delacorte (Justin Timberlake), der aus einem reichen Zuhause stammt, ansonsten aber ein langweiliger Spießer ist. Gleichzeitig hat Elisabeth das Ziel sich ihre Brüste vergrößer zu lassen und benötigt dafür dringend das notwendige Kleingeld. Dafür ist ihr jedes Mittel Recht.

Die Komödie startet furios und herrlich überdreht. Leider bleiben die Charaktere dabei auf Dauer eher eindimensional und in Ihrem Verhalten sehr vorhersehbar! Natürlich macht es dem Spaß dank einiger sehr guter Gags keinen Abbruch, jedoch wäre in der Geschichte durchaus mehr Potenzial gewesen, um über ein kurzes Schmunzeln oder Lachen hinaus eine Komödie zu gestalten, wie es letztes Jahr „Einfach zu haben“ durch großartige Dialoge und etwas behutsameren Charakteraufbau gelungen ist. Dadurch wirkt der Film leicht überzogen und wegen des konsequenten Overactings der Starriege im gesamten Verlauf etwas zu sehr hanebüchen und grimassenartig. Hier wäre an einigen Stellen weniger einfach mehr gewesen. Besonders schade, denn die Darsteller haben alle unglaublich viel Spaß bei der Auslebung ihrer Charaktere.

Letztlich handelt sich hier um einen definitiv lustigen Film, dem insgesamt etwas mehr Biss nicht geschadet hätte. Allerdings ist „Bad Teacher“ weitaus unterhaltsamer als der aktuelle Komödienüberhit „Hangover 2“ und überzeugt im Gesamteindruck mit besseren Ideen und einfallsreicheren Witzen. Für einen gemütlichen Kinoabend also genau das Richtige.
6/10


Hangover 2
Über weite Strecken weder lustig noch unterhaltsam. Ein lauer Aufguss, der mit der Brechstange noch abgedrehter sein will als der Vorgänger. Blöd, wenn das Ganze am Ende sehr, sehr langweilig ist.
3/10

Wer ist Hanna?
Innovativer Actionthriller, der mit einem pulsierenden Soundtrack der Chemical Brothers überzeugt! Die Schauspieler beeindrucken, wie auch Kamera, Schnitt und Szenenbild! Daumen hoch!
8/10

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Dienstag, 24. Mai 2011
Pirates of the Caribbean (4) - Fremde Gezeiten!


Es ist eine der erfolgreichsten Kinoreihen der Filmgeschichte und auch der vierte Teil hat in den ersten vier Tagen schon knapp 350 Mio $ an den weltweiten Kinokassen eingespielt. Das Interesse ist also nachwievor ungebremst, wenn dann auch in Deutschland knapp 500.000 Karten weniger verkauft worden sind, als noch vor vier Jahren bei Teil Nummer drei.

Die Story selbst ist schnell erzählt: Johnny Depp a.k.a Captain Jack Sparrow ist auf der Suche nach einer Quelle, die wieder einmal mehr oder minder ewiges Leben verspricht. Selbstverständlich ist er bei dieser Expedition nicht alleine, sondern diverse Parteien nehmen an diesem Abenteuer teil. Diese Grundidee wird mit 136 Minuten Film umgarnt; Im Film wird beinahe ausschließlich Johnny Depp in den Vordergrund gestellt. Die Depp-Fans wird es freuen, für den Film wird das inflationäre Schauspiel aber zwischenzeitlich zur Belastungsprobe. Das Besondere des Films bzw. der ganzen Reihe geht etwas verloren, wenn das Storytelling nonstop auf dem schrägen Vogel liegt. Nichtsdestotrotz macht Johnny Depp seine Sache wie immer grandios und manifestiert Captain Jack Sparrow noch weiter als eine der berühmtesten Filmfiguren aller Zeiten.

Technisch gesehen ist der Film wie gewohnt eine Augenweide. Ob Kostüm, Szenebild, Maske oder Spezialeffekte: Hier sieht man in jeder Sekunde, wie ein passendes Budget mit dem dazugehörigen Know-How eine hervorragende Optik erzeugen kann! Die 3D-Effekte sind zwar besser als in den anderen, aktuellen 3D-Filmen, jedoch muss der Sinn dieser Technik langsam bezweifelt werden. Mit Ausnahme von ein paar sensationellen Landschaftsaufnahmen braucht diesen Effekt einfach auf Dauer kein Mensch. Dafür ist das räumliche Gefühl zu schwach und zu selten. Traurig, wenn die räumlichsten 30 Sekunden im Werbeblock beim Haribospot erlebt werden. Dagegen macht die Neubesetzung Sinn, denn in der rassigen Penelope Cruz steckt einfach mehr Pirat als in Keira Knightley und Orlando Bloom zusammen.

Am Ende will der Funke aber nicht überschlagen. Das Prinzip des Storyaufbaus ist wohlbekannt und macht durchaus noch Laune. Letztlich bettet sich der Film aber belanglos in die Reihe ein. Es spielt keine Rolle, ob es Teil zwei, vier oder dreizehn ist. Der besondere Zauber ist dadurch schlichtweg verflogen. So bleibt ein wirklich unterhaltsamer Popcornspaß, der aber in diesem Fall schnell in Vergessenheit geraten wird.

6,5/10

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Dienstag, 3. Mai 2011
Thor + Kurzkritik: Winter´s Bone/The Fighter


Comicverfilmungen beehren uns mittlerweile mehrfach im Jahr. Hier kämpft nicht selten ein, uns Deutschen meist unbekannter, Superheld für das Recht auf Erden, meist sogar um die Existenz des ganzen Planeten. Diese Ausgangssituation wird natürlich in THOR ebenfalls ausgeschlachtet, wenn auch in einer etwas anderen Form. THOR ist demnach kein Mensch, sondern kommt als entmachtetes Götterwesen auf unseren Planeten, um seine Läuterung zu erfahren.

Dazu gesellt sich eine Riege von namhaften Schauspielern, allen voran Anthony Hopkins und die frisch gebackene Oscargewinnerin Natalie Portman (auch wenn sie extremst wenig zu tun hat). Das Ganze wird garniert mit prächtigen CGI-Effekten, wie man sie grundsätzlich in Comicverfilmungen zu sehen bekommt. Wozu also einen weiteren Comic auf die Leinwand bringen?! Weil THOR, ähnlich wie IRON MAN, eine selbstironische Note enthält, die sehr erfrischend ist und somit angenehm auffällt.
Leider kommt THOR jedoch nicht an IRON MAN heran, was auch am fehlenden Charisma des Hauptdarstellers Chris Wemsworth liegt. Dieser macht seine Sache wirklich ordentlich, jedoch gegen Mr. Robert Downey Jr. kann er im direkten Vergleich nur verlieren.

Die Effekte können zwar überzeugen, jedoch sieht die Ausstattung, insbesondere die Kostüme, zu oft nach billigem Plastik aus. Dies mag inszenatorische Absicht sein, überzeugt im Gesamtpaket jedoch genau so wenig, wie die 3D Effekte, die zum wiederholten Male in einer Blockbusterproduktion einfach nicht zu finden sind und den Kinozuschauer erst im Abspann begegnen wollen. Schade, denn in dieser bunten Welt, bzw. Galaxie von durchgedrehten Planeten hätte ein räumlicher Effekt auch dramaturgisch durchaus Sinn ergeben. So bleibt am Ende ordentliches Popcornkino, mit Verbesserungspotenzial für den zweiten Teil.

7/10


Winter´s Bone

Schwieriges US-Drama, was durch die sehr amerikanischen Spielstätten Probleme mit der Durchschlagskraft beim europäischen Publikum haben wird. Schauspielerisch ist alles auf sehr hohem Niveau. Die dröge und nahe zu selbstvernichtende Atmosphäre raubt dem Zuschauer nicht selten den Nerv. Ein absoluter Downer und verdrängt aufgrund der traurigen Geschichte definitiv jedem die gute Laune!
6/10


The Fighter

Gigantisch gut gespieltes Boxdrama, was zwischenzeitlich durch den zähen Handlungsverlauf für den Zuschauer selbst zum Kampf wird. Dennoch sehr sehenswerter Film, der eine speziell ausgewählte Bevölkerungsschicht in den USA gekonnt seziert.
7/10

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Donnerstag, 14. April 2011
Das Schmuckstück + Kurzkritik: Sucker Punch



Die Zeit der großen Diven ist doch irgendwie vorbei. Selbstverständlich gibt es im Showbusiness immer wieder Damen, die zu glauben scheinen eine Diva zu sein, aber den Ausdruck, den Stil und die Klasse bewahren die Meisten dabei leider nicht. Wie passend, dass eine der letzten Diven sich auch in der Handlung des Films zurück in die Vergangenheit werfen lässt, um die Geschichte einer Frau zu erzählen, die zeigt, was hinter einem stillen Wasser so lauern kann.

Die Ehefrau eines Fabrikinhabers gestaltet ihr Leben eher trist. Sie darf ein wenig im Haushalt aushelfen und sich um die angeblichen Bedürfnisse einer Frau kümmern. Wirklich ernst nimmt sie dabei niemand und auch der Zuschauer fragt sich, warum diese Frau sogar die Affären ihres Mannes akzeptiert. Durch gesundheitliche Probleme ihres Mannes wird sie kurzerhand die Chefin der Regenschirmfabrik und kann temporär beweisen, dass in ihr weitaus mehr steckt als eine devote Hausfrau.

Francois Ozon gelingt das Kunststück den Charme der 70er Jahre visuell auf die Leinwand zu bringen, auch wenn manchmal sowohl in der Ausstattung als auch in der Filmhandlung ein wenig Abwechslung nicht geschadet hätte. Die Dialoge sind enorm bissig und strotzen nur vor Wortwitz, auch wenn die Herangehensweise an Probleme oder Situationen mit Eskalationspotenzial der Filmfigur Suzanne grundsätzlich redundant ist. Der Film ist dennoch schrecklich unterhaltsam und sorgt immer wieder für große Lacher, obwohl „Das Schmuckstück“ durchaus einen ernsten Hintergrund hat und den auch stets behält. Denn auch heute müssen die Frauen oftmals noch um Anerkennung und Akzeptant kämpfen. Das tut jede Frau auf ihre Weise, in diesem Fall mit einem sehr unterhaltsamen Kinofilm!

8/10


Sucker Punch

Grenzdebiles Actionspektakel, was durch drei Erzählebenen eine interessante und innovative Geschichte zu erzählen versucht. Leider ist dieser mehrdimensionale Ansatz zum Scheitern verurteilt, weil der Regisseur Zack Snyder den Fokus lediglich auf die Optik legt. Die Bilder mögen hin und wieder opulent sein, neuartig ist hier leider gar nichts. Im Gegenteil: Die Dialoge sind zum abgewöhnen, wie auch das völlige Fehlen von Charakterzeichnung. Für einen Actionfilm zu wenig Spektakel, für alles andere jedoch zu wenig Inhalt.

3/10

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Mittwoch, 23. März 2011
In einer besseren Welt


Wo beginnt Gewalt? Wie kann ich mich davor schützen? Wie reagiere ich, wenn mir Gewalt angetan wird? In welcher Form darf ich mich wehren? Wie schütze ich Kinder vor Gewalt? Wann ist Gegenwalt gerechtfertigt? Dies sind nur ein Teil der Fragen, die „In einer besseren Welt“ stellt. Aus diesem Fragengerüst hat die preisgekrönte Regisseurin Susanne Bier (u.a. vor wenigen Wochen mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet worden) einen komplexen Film gedreht, der auf verschiedenen Ebenen agiert und auch dramaturgisch mehrere Dimensionen durchbricht.

Der rote Faden erzählt vom Schuljungen Elias, der in der Schule stark gehänselt wird und durch den Neuankömmling Christian unterstützt wird, denn dieser verprügelt erst einmal Elias´s Hauptpeiniger und überschreitet eindeutig sämtliche Grenzen einer gerechtfertigten Reaktion . Dennoch schweißt es die beiden Jungs zusammen und sie entwickeln ihr eigenes Weltbild aus dem Schulalltag heraus. Gewalt muss mit noch mehr Gewalt vernichtet werden, damit der Gegner nicht wieder zurückschlagen kann. Besonders fatal ist dabei, dass Christian durch den Tod seiner Mutter schwer traumatisiert ist und den inneren Schmerz versucht zu kanalisieren.
Der Film ist unglaublich komplex und lässt weder die Hardliner noch die Gutmenschen astrein aus der Geschichte herausgehen. Niemand wird aus der Verantwortung gezogen, nicht einmal die Jugendlichen, die oft noch gar nicht wissen, was sie tun! Ein gewisses Unrechtbewusstsein sollte auch bei den jungen Menschen ausgeprägt sein. Aber die Kraft eines verletzten Menschen und auch die absolute Blindheit gegenüber der Realität sind nachvollziehbar, wenn auch extrem folgenreich. Susanne Bier gelingt es aus den Jungschauspielern tolle Momente heraus zu kitzeln und auch die Visualität des Films zeugt von ganz großem Kino.

Einziger Kritikpunkt ist das etwas zu glatte Ende, was bei all dem Pessimismus nicht ins Bild passen will. Selbstverständlich wollen die Wenigsten ein ernüchterndes, trauriges Ende sehen, jedoch spitzt sich die Geschichte im Handlungsverlauf genau in eine derartige Richtung, dass ein allgemein versöhnliches Ende kaum vorstellbar ist. Das würde nur „in einer besseren Welt“ stattfinden. Diese Welt baut Susanne Bier im Kino auf und diese Frau versteht ihr Handwerk!

9/10

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Montag, 14. März 2011
Almanya -Willkommen in Deutschland


Dieser Film hätte kaum einen besseren Starttermin finden können, als in diesem Frühjahr zu starten. Die hiesige Diskussion bezüglich Integration, Migranten und Co. ist abgekühlt, sodass dieser Beitrag zu dem Thema nicht unnötig aufgezwungen wirkt. Denn die unterhaltsame Geschichte vom Familienoberhaupt Hüseyin, der als Gastarbeiter in den 60er Jahren nach Deutschland kommt, ist voll gepackt mit satirischen Anspielungen, die weder die Deutschen noch die Türken verschont lassen.

Die Familie lebt mittlerweile in der dritten Generation in Deutschland und Hüseyins Enkel Cenk fragt sich, wo er eigentlich herkommt, nachdem er im Sportunterricht nicht in die deutsche, aber eben auch nicht in die türkische Fußballmannschaft gewählt wurde. Cenk lässt sich bei einem Familientreffen die Familiengeschichte von Beginn an erzählen, was im Film als eigener Handlungsstrang gezeigt wird. So verbindet Almanya beide Zeitebenen sehr geschickt und lässt damit eine größere emotionale Bindung des Zuschauers gegenüber den Protagonisten zu. Ebenfalls gibt er dem Publikum die Möglichkeit die Problematik von Einwanderern in Deutschland zu verstehen, ohne dabei die Moralkeule auszupacken, sondern besitzt immer das Fingerspitzengefühl zwischen Humor und Tragik – eine Gratwanderung, welche die beiden Regiedebütanten Nesrin und Yasemin Samderili ohne Probleme meistern.

Nicht nur aus diesem Grund erinnert der Film ein wenig an eine deutsch-türkische Ausgabe von Little Miss Sunshine. Durch die klassischen Roadmovieansätze (Hüseyin hat ein Haus in der Türkei gekauft und möchte mit der ganzen Familie dorthin reisen), dem Familienbus und den Familiengeschichten erreicht er beinahe das Niveau des unterstellten Vorbildes.
Einzig die Elemente rundum die Rede vor der Kanzlerin, bei der Hüseyin als 1.000.001 Gastarbeiter im Schloss Bellevue auftreten soll, wirken etwas erzwungen und künstlich inszeniert und drücken dem Film den Integrationsstempel auf. Subtil ist anders.

Die gesamte Laufzeit spürt man das Herzblut der Macher und das macht den Film so unglaublich sehenswert, auch wenn nicht alle Darsteller schauspielerisch überzeugen können. Diese Herzlichkeit, die den ganzen Film trägt, macht Almanya zu einem Kinoerlebnis erster Klasse, was von den tollen Aufnahmen aus der Türkei und den melancholischen Schlussbildern noch tatkräftig unterstützt wird. Das Schlusszitat von Max Frisch sollten sich einige auch heute noch mal vor Augen führen. Denn es kamen nie bloß Arbeitskräfte, sondern Menschen, die ihre Existenz in ihrer Heimat aufgegeben haben und uns dabei geholfen haben, zu der Wirtschaftsmacht zu werden, die wir heute sind. Leider ist der Mensch ein vergessliches Wesen.

8/10

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Donnerstag, 10. März 2011
Rango + diverse Bewertungen


Seit knapp zwei Jahren gehört der 3D Film zum festen Programmteil der Kinobranche. Insbesondere die Animationsfilme wurden im plastischen Projektionsverfahren auf die Leinwand gebracht, sodass jetzt die Auswertung einer großen US-Amerikanischen Produktion unter der Regie von Gore Verbinski (Fluch der Karibik) ausschließlich in 2D geschieht. Für das Auge ist es ohnehin angenehmer und außerdem konnten viele der stereoskopischen Filme qualitativ (auf den räumlichen Effekt bezogen) nicht überzeugen.
RANGO hebt sich aber noch deutlicher von den Mitbewerbern auf dem Animationsmarkt ab, denn dieser Film ist nicht für Kinder geeignet, sondern spricht eindeutig das erwachsene Publikum an (und eben größere Kinder).

Der Westernstil ist konsequent umgesetzt worden. Es gibt einfach nichts Schönes in der Stadt Dreck. Ja, diese Stadt heißt einfach mal Dreck. Der Name ist Programm, denn viel mehr hat die Stadt auch nicht zu bieten. Eine mysteriöse Dürre macht den Bewohnern sehr zu schaffen und dort muss der neue Hilfssheriff Rango herhalten, ein Chamäleon, was wider Willen nach Dreck gekommen ist. Er ist der klassische Antiheld, der durch einen dummen Zufall zur großen Hoffnung der Hoffnungslosen wird. Das Klischee „Glaub an dich und du kannst alles schaffen“ ist zwar wirklich ausgelutscht, wird aber hier mit angezogener Handbremse auf die Moralkeule aufgetragen!

Gore Verbinski zitiert nicht nur wild im Westerngenre herum, sondern liefert letztlich einen astreinen Westernstreifen. Mit viel schwarzem Humor und teils schon grotesken Einfällen weiß er zu unterhalten. Leider geht ihm im Mittelteil deutlich die Puste aus, was das Filmvergnügen am Ende dann doch etwas trübt. Nichtsdestotrotz ist Rango hochwertige Unterhaltung für Animationsfans und eben für diese, denen die Werke von Pixar, Dreamworks und Co. zu kindlich geraten sind.

7/10


Meine erfundene Frau
Anfangs sympathische Komödie, die sich im Verlauf immer mehr in billigen Kalauern und Fäkalwitzen verliert. 4/10

Die Adler der neunten Legion
Aufwändige Sandalenproduktion, die, trotz guter Darsteller und interessanter Geschichte, nicht gänzlich zu überzeugen vermag. 6/10

Unknown Identity
Cooler Actionfilm, dem mehr Tempo und weniger hölzerne Dialoge gut getan hätten, denn die Grundidee ist überzeugend und überraschend. 6/10

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Sonntag, 27. Februar 2011
Kurzkritiken: King´s Speech/127 hours/True Grit


Die Monate Februar und März sind für den deutschen Kinogänger immer besonders anstrengend. In dieser Zeit laufen beinahe alle der nominierten Oscarfilme sehr geballt in den deutschen Kinos an, sodass es auch für einen Blog-Autor schwierig wird dieser Masse gerecht zu werden. Binnen fünf Tagen konnten vor der Oscarverleihung aber noch drei besonders wichtige Werke gesichtet werden. Die Kritiken jeweils in Kurzform hier, auch wenn jeder einzelne Film eine detaillierte Betrachtung verdient gehabt hätte:

The King´s Speech
Sensationelles Schauspielkino, was mit erstaunlich viel Humor aufwartet. Dank einer exzellenten Kameraführung sorgt die Regie hier häufig für ein kammerspielartiges Vergnügen beim großartig aufspielenden Duo Firth/Rush. Colin Firth wird dank seiner sprachlichen Meisterleistung den Oscar mit großer Sicherheit erhalten – verdient!

9/10


127 Hours
James Franco ist ebenfalls völlig zu Recht für den Oscar als bester Schauspieler nominiert. Er spielt den risikobereiten Aron Ralston mit einer leidenschaftlichen Hingabe und versinkt förmlich in der Rolle des adrenalinsüchtigen Bergsteigers. Leider gelingt es Regisseur Danny Boyle trotz der spektakulären Kamerabilder und den innovativen Schnitten nicht, eine Bindung zwischen Zuschauer und Protagonisten aufzubauen, sodass die wahre Geschichte am Ende erstaunlich kalt lässt.

7/10


True Grit
Kurzweiliger Westernstreifen mit einem auftrumpfenden und oscarnominiertem Jeff Bridges, der den gesamten Film auf den Schultern trägt. Sobald er nicht die Leinwand brilliert, verliert das Werk deutlich an Substanz und überzeugt somit nicht auf ganzer Linie. Dazu ist die Story nicht packend und die Charakterzeichnung nicht tief genug. Gewohnt genial dagegen die Dialoge der Coen-Brüder, die durchweg für Lacher in einer von Gewalt geprägten Welt sorgen.

8/10

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Freitag, 11. Februar 2011
Das Lied in mir


Die Frage, ob die eigenen Eltern auch die biologischen Erzeuger sind, möchte man sich gar nicht stellen. Denn wenn man jahrelang das Urvertrauen kennenlernt, zweifelt man keine Sekunde an der Elternschaft. Durch einen Zufall hört Maria (fabelhaft dargestellt von Jessica Schwarz) ein spanisches Kinderlied, während sie in Buenos Aires auf ihren Anschlussflug nach Chile wartet. Sie ist völlig verstört, denn wieso kann sie dieses Lied mitsingen, obwohl sie weder Spanisch spricht noch jemals in Argentinien gewesen ist. Es stellt sich heraus, dass sie in Argentinien geboren wurde und ihr Erziehungsberechtigter Anton zwar die Vaterfigur eingenommen hat, aber nicht der biologische Erzeuger ist, sondern Maria im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland gebracht hat. Die schmerzhafte Suche nach der eigenen Geschichte und Identität beginnt damit für Maria in einer Stadt, in der die ersten Probleme schon bei der reibungslosen Kommunikation beginnen.

Der Debütfilm von Florian Micoud Cossen macht glücklicherweise einige Fehler nicht, die in vergleichbaren Filmen gemacht werden und aus allgemeinen Filmklischees hätten entstehen können. Natürlich ist diese Nachricht ein sehr emotionaler Moment für Maria, dennoch überreagiert sie nicht, sondern handelt verhältnismäßig kontrolliert. Dieses Maß an Selbstkontrolle spielt Jessica Schwarz hervorragend, der man die Rolle zu jeder Sekunde abnimmt. Bevor Vorwürfe gemacht werden, versucht Maria die Gründe zu erkennen und zu ermitteln. Die Kamera verfolgt die Geschichte immer dicht an den Protagonisten hangelnd. Diese Bildsprache ist enorm wichtig für den Film, da hier weitaus mehr mit Bildern, als mit Worten erzählt wird. Die deutschen Dialoge sind schon spärlich gesäht, bei den spanisch sprachigen Dialogen wird der Zuschauer durch den Verzicht von Untertiteln bewusst in die Lage von Maria versetzt, die, wie der Betrachter, kein Wort versteht.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Realität wird niemals übertrieben dargestellt, sondern wirkt durchweg authentisch. Es werden die richtigen Fragen gestellt ohne zu geschwätzig einen Problemfilm eher auf die klassische Art und Weise zu erzählen. So wird die Geschichte durch eine durchweg traurige Atmosphäre begleitet, die trotz der brillanten stillen Szenen am Ende doch zu wenig bietet. Zu viele Fragen bleiben offen. Das mag bewusst gewählt sein, nimmt dem Film aber unnötig Spannung, da einige Hintergründe einfach zu kurz kommen bzw. komplett verschwiegen werden. Damit wird Potenzial für ganz großes Kino verschenkt, auch wenn 90% der Regiedebütanten froh wären, einen solchen Film auf die Beine gestellt zu haben.

7/10

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Donnerstag, 10. Februar 2011
My Soul to take 3D



Manchmal geht man ins Kino, um gar nicht hochwertig unterhalten zu werden. Nein, manchmal darf es auch einfach ein recht schlechter Film sein, der dennoch gerade wegen dieser mangelnden Qualität ein Lachen ins Gesicht zaubert. So auch die Erwartungshaltung bei „My Soul to take 3D“! Niemals hätte jemand gedacht, dass diese Erwartungshaltung um Längen übertroffen werden könnte, aber Kulthorrorfilmemacher Wes Craven hat es tatsächlich geschafft ohne Probleme einen der schlechtesten Filme aller Zeiten zu produzieren und damit auf recht groteske Art und Weise zu unterhalten. Dieser Beitrag könnte nun das Machwerk ganz kritisch beäugen und zu guter Letzt auch noch ernst nehmen, aber das übernimmt der Film dann schon selbst.

Über die Geschichte muss dabei gar kein Wort verloren werden. Oft wird ein schlechtes Drehbuch bemängelt und so wird dann von einem fehlenden Drehbuch gesprochen, um dem Kritikpunkt ein wenig Tiefe zu geben, vielleicht auch um einfach wichtiger zu klingen. In diesem Fall muss eine Ausnahme gemacht werden. Zu diesem Film kann wirklich einfach kein zusammenhängendes Drehbuch existieren. Zusammenhänge zwischen den Handlungen der sogenannten Protagonisten bestehen nicht und niemand tut zu irgendeinem Zeitpunkt auch nur irgendetwas Sinnvolles. Die Dialoge sind dabei so sensationell unterirdisch, dass sie beinahe epische Ausmaße annehmen (Wenn in einem panischen Streitgespräch völlig aus dem Nichts dem letztendlichen Mörder ein Getränk angeboten wird, möchte man nur stehend applaudieren.), ebenso für die Idee, dass jedes Opfer zufällig durch ein völlig deplatziertes Waldstück laufen muss, um zur Schule zu kommen. Straßen wären für den ganzen Hokus-Pokus nun nicht mysteriös genug. Dabei ist der Wald manchmal unglaublich groß, wenig später dagegen gerne nur ein winziges Stück Grün in einer Kleinstadt. Bis auf wenige Ausnahmen muss Mr. Ripper die Todesstöße aber natürlich im schönen Villegrün vornehmen. Da macht das leicht verfluchte Waldstück inkl. Krankenwagenmahnmal(!!!) auch absolut Sinn. Das versteht nun wirklich jeder!

Man hätte doch noch etwas Positives an diesem Film finden können, wenn die Splatterszenen wenigstens spektakulär inszeniert worden wären. Aber die Kamera schaut immer weg und man sieht nur wie ein wenig Blut in den zeitlichen Abständen auf die Opferfüße tropft, wie mehrere kleine Tüten Kunstblut von einem Praktikanten am Set hintereinander geöffnet werden und auf den Boden verteilt werden können.

Die Regie unterbietet mit unsäglichen Anweisungen sogar noch die Leistung der Schauspieler, die allesamt nur ausgewählt wurden, wenn sie in diesem Leben, nicht ohne Grund, kein einziges Casting gewinnen konnten. Sensationell wie deplatziert die Akteure im Set agieren und auf dem Niveau einer drittklassigen Soapdarstellerin ihr Mimenspiel einsetzen. Zu keiner Sekunde wird aus den wahllos zusammengeschnittenen Szenen ein ernst zu nehmendes Ganze, was, ungelogen, unglaublich unterhaltsam ist – denn der Film meint jede Sekunde genau so, wie er sie zeigt! Das macht „My Soul to take 3D“ ohne 3D-Effekte zu einem Highlight am unteren Rande der Erträglichkeit. Schon traurig, wenn ein Film so mies ist, dass man sich nicht mehr darüber ärgern kann, sondern amüsiert die knapp 100 Minuten durchsteht. So wie es zu Weihnachten Schrottwichteln gibt, muss es viel mehr Schrott-Videoabende geben! Falls einer in Planung ist, diesen Film unbedingt mitnehmen. Alle werden den Kenner dieses Machwerkes dafür lieben. Versprochen!!!

1/10

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Samstag, 29. Januar 2011
Tron Legacy


Es ist immer wieder verwunderlich, dass man den Ausdruck „Den Film muss man im Kino sehen“ grundsätzlich nur bei den visuell besonders beeindruckenden Filmen hört. Selbstverständlich muss man einen derartigen Angriff auf den Sehnerv im Kino sehen, um die volle Kraft der Bildgewalt erleben zu können. Jedoch lohnt sich ein Kinobesuch bei einem visuell ansprechenden Film nur genauso oft, wie bei allen anderen Arten der Darstellung auch. Zumal die Ausdruckskraft von Bildern erst im kompletten Film dem Zuschauer bewusst werden kann. Die Kameraarbeit, Regie und allgemein die transportierte Atmosphäre tragen zum Seherlebnis bei und sind damit oft genug ein weiterer Grund einen Film auf der Leinwand zu bewundern.

Im Falle von Tron Legacy war nach der ersten Trailersichtung klar, dass es sich hier um durchdesigntes Popcornkino handeln wird, ohne den Anspruch auf ein stringentes Drehbuch zu haben mit dem Focus auf die Visualität. Diese Erwartungshaltung wird auch definitiv erfüllt. Die sterile Computerwelt ist bis zur absoluten Perfektion durchgestylt. Die Effekte sind tadellos und trotz aller Künstlichkeit kommt niemals ein Zweifel an der Existenz der Parallelwelt auf. Leider sind die angekündigten 3D-Effekte auch in diesem Film nicht so berauschend, wie man es erwartet hatte, ja erwarten musste. Der bei Filmbeginn angekündigte Stilwechsel zwischen Real- und Computerwelt von 2D in 3D überzeugt so nur streckenweise. Tron Legacy punktet aber nicht nur optisch, sondern auch durch den sensationellen Soundtrack von Daft Punk. Selten wurden Bilder derart mühelos in Musik umgewandelt. Umso ärgerlicher ist die Tonabmischung des Films, die an den actionreichen Stellen des Films die Musik nicht genug in den Vordergrund holt und den pulsierenden Symbioseeffekt von Bild und Musik nicht einwandfrei verbinden kann. Absurd dabei die Oscarnominierung für den besten Tonschnitt, umgekehrt jedoch keine Berücksichtigung bei den Special Effects, die zweifelsohne zu den Besten gehören, die das menschliche Auge bisher je zu Gesicht bekam.

Den Machern hätte allerdings auch ein gutes Drehbuch sicherlich nicht geschadet. Niemand erwartet hier eine große Charakterstudie, eingebettet in den Vater-Sohn-Beziehungskonflikt. Bei all der Sterilität hätte eine größere Emotionalisierung der Geschichte dem Film nicht nur mehr Tiefe gegeben, sondern auch einen Batzen mehr Spannung. Über weite Strecken ist Tron Legacy schlichtweg langweilig, was mit Sicherheit auch an der überraschenderweise recht gering ausfallenden Anzahl an Actionszenen liegt. So gerät der perfekte Look am Ende zum Selbstzweck und in der Kombination zur Musik zum einzigen Grund diesen Film zu schauen. Eigentlich wusste man das zwar schon vorher. Mit einer größeren emotionaleren Einbindung rechnet man dann aber doch. Es bleibt eine gewisse Gefühlskälte im Kinosaal zurück, die der Sonnenaufgang am Ende besonders deutlich macht. Eines der einfachsten Stilmittel geht direkt tiefer unter die Haut als jedes gesagte und doch nicht gemeinte Wort im Film. Auch ein Computerprogramm kann dem Sonnenlicht mehr abgewinnen als der Computerwelt und beweist, dass bei all der Logik gar ein Programm ein wenig Gefühl benötigt.

6/10

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