Donnerstag, 20. Januar 2011
Black Swan


Mit 29 Jahren kann Natalie Portman schon auf eine sehr beachtliche Karriere zurückblicken. Neben der zweiten Star Wars Trilogie, „Leon-der Profi“, und der Comicverfilmung „V-wie Vendetta“ spielte sie meist in anspruchsvollen Independent-Produktionen mit. Und dieser Karriereweg scheint sich auszuzahlen, denn mit Independent-Meisterregisseur Darren Aronofsky überragt Natalie Portman nicht nur alle ihrer bisherigen Leistungen, sondern MUSS für die Rolle der Balletttänzerin Nina den Oscar erhalten.

Leider wurde in der vergangenen Zeit schon etwas zu viel von der Geschichte verraten, sodass der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so stark einsetzt, wie er es eigentlich könnte. Nina wird auserwählt in der Neuaufführung von Schwanensee die Schwanenkönigin zu tanzen. Insbesondere für die Darstellung des schwarzen Schwans muss sie an ihre Grenzen gehen – im Falle von Nina sogar sämtliche Grenzen überschreiten bis hin zum absoluten Wahnsinn. „Black Swan“ ist nicht bloß ein Film, der die Geschichte einer Tänzerin erzählt und dabei mit ihr durch viel Leid gehen muss. Es ist ein Trip durch sämtliche Gefühlslagen, die der Zuschauer fast schon physisch mit erlebt. Das liegt zum einen an der enorm körperlich agierenden Natalie Portman, zum anderen an der sehr intensiven Kameraführung, die keinen Blick auf schmerzhafte Szenen scheut.

Die Kamera suggeriert nicht selten im Horrorgenre angelangt zu sein und spielt dadurch mit den Vermutungen des Publikums – jedoch nur, um sie weiter in den Wahnsinn zu treiben bis weder Nina noch der Besucher selbst weiß, wie einem selbst geschieht. Dieses Experiment ist so unglaublich sensationell gelungen, dass jeder Filmfreund dieses Meisterwerk gesehen haben muss. Die schauspielerische Leistung einer Natalie Portman ist in Worte nicht zu fassen und spielt alle anderen Darsteller mit ihrer großartigen Performance an die Wand. Das ist eine Kunst für sich, denn sowohl Vincent Cassel als Regisseur als auch die laszive Mila Kunis als Teil der Tanzcompany liefern preisverdächtige Leistungen. Das größte Kunststück, was Darren Aronofsky jedoch gelingt, ist die Tatsache, dass dieser Film nicht bloß das Arthouse-Publikum begeistern wird, sondern trotz des hohen Anspruches durch Teile der Bildsprache auch den Zugang zum Mainstream-Publikum erreicht.

Wir blicken tief in die Seele einer Perfektionistin, die den Blick für die Realität durch ihren Wahn längst verloren hat. Dieser Gesichtspunkt lässt sich auf sämtliche Bereiche des Lebens übertragen, aber im Umfeld des Balletts, einer der schönsten und ästhetischsten Kunstformen, wirkt der Absturz in dunkle psychische Gefilden besonders konträr und brutal. Die letzten zehn Minuten werden in einigen Jahren wohl legendär sein und beim Zuschauer auch noch Tage nach dem Kinobesuch nachwirken. Wenn Kino diesen Effekt erzeugen kann, hat der Film mehr als alles richtig gemacht.

10/10

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Dienstag, 18. Januar 2011
Green Hornet + Love and other Drugs + Bewertung Last Night


Comicverfilmungen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, ähnlich wie mit den alljährlichen Weihnachtsfantasystreifen ist die Qualität der Quantität gewichen, sodass sich der Zuschauer mittlerweile zweimal überlegt, ob er sich eine (in Deutschland ja meist) unbekannte Comicvorlage als audiovisuelles Spektakel auf der Leinwand anschauen mag. Unfreiwillige Komik und oftmals auch zu ernste Verfilmungen von Strumpfhosenhelden wirken dann doch oft etwas seltsam. In diesem Fall versucht Regisseur Gondry zu keiner Sekunde an andere Verfilmungen dieser Art anzuschließen, sondern führt das komplette Superheldengenre von Beginn an ad absurdum.

Es vergehen keine fünf Minuten, in denen kein Verweis auf übertriebene Darstellung der Vorbilder hinweist. Dabei gelingt Gondry das Kunststück sich mit dem Zuschauer nicht auf Kosten der Verfilmungen lustig zu machen. Viel mehr erfreut er sich an den kleinen Ungereimheiten, die er mit viel Liebe zum Detail in die Welt von Green Hornet einfügt. So wird es eher eine kleine Hommage als eine Persiflage von Superman und Co. Der humoristische Aufbau macht unglaublich viel Spaß und lässt auch über Logik- und Drehbuchlöcher hinwegsehen. Denn die wahre Handlungsmotivation von Britt Reid und Kato (tolles Gespann: Seth Rogen und Jay Chou) wird über die komplette Spielzeit von 120 Minuten nicht klar und noch weniger nachvollziehbar.

Neben der ganzen Gags geht dennoch zwischendurch ein wenig die Puste aus und manchmal wünscht man sich, dass nicht aus jeder einzelnen Szene zwangsweise ein Gag herausgequetscht werden muss. Obwohl die meisten Gags zünden, wäre es doch wünschenswert, wenn die Geschichte vorangetrieben werden würde, statt das Zwerchfell zu kitzeln. Denn das hat Green Hornet gar nicht nötig, ebensowenig wie den 3-D-Effekt, der nur an den wenigsten Stellen überzeugt, am meisten im toll animierten Abspann! Übrig bleibt spaßiges Popcornkino, was die Eintrittskarte wirklich wert ist.

7/10


Love and other drugs
Anne Hathaway ist der Star dieser dramatischen Romantikkomödie! Sie trägt den Film über Oberflächlichkeiten hinweg und fokussiert durch ihr intensives Spiel die ernsten Hintergründe über Krankheiten und dessen Umgang in einer partnerschaftlichen Beziehung und die Verfahrensweise der Pharmaindustrie, die neue medizinische Produkte verkaufen will. Dankenswerterweise wird niemals die absolute Kitschkeule ausgepackt, denn die Chemie zwischen Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal ist derart überzeugend, dass keine weitere Intensivierung der Romantik notwendig ist. Trotz dieser mehr als guten Vorzeichen schafft der Film es nicht restlos zu überzeugen. Der Film ist nur selten lustig, um als Tragikomödie punkten zu können; für ein Drama jedoch zu harmlos und oberflächlich.

7/10



Last Night
Geschwätziges Drama über Versuchungen und Seitensprünge. Im zweiten Drittel dreht sich das Schauspiel etwas im Kreis, kann aber mit dem konsequent offenen Ende punkten!
6/10

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Sonntag, 9. Januar 2011
Howl


Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich auf wahre Begebenheiten berufen, das Leben schreibt eben noch die besten Geschichten. Anders lässt sich die hohe Anzahl der Biografien, Tatsachenfilme oder auf Erzählungen basierende Werke in den letzten Jahren nicht erklären. Viel seltener dagegen dreht sich ein gesamter Film, um ein literarisches Werk bzw. dessen Entstehung. Preisgekrönte Beispiele sind „The Hours“ oder auch „Capote“, bei denen jeweils die Hauptrolle mit dem Oscar ausgezeichnet worden war. Soweit wird es für James Franco mit Sicherheit nicht kommen, obwohl seine Leistung zu der bisher Besten seiner Karriere gehört. Er spielt den Poeten Allen Ginsberg, Autor des skandalsträchtigen Gedichtes „Howl“.

Dieses Werk begleitet den Zuschauer kontinuierlich durch den Film, obwohl die Haupthandlung zwischen zwei Schauplätzen hin und her wechselt. Der eine Ort ist der Gerichtssaal, in dem Ginsbergs Verleger wegen Veröffentlichung von Obszönität angeklagt ist. Der Andere ein unbekanntes Zimmer, in dem Ginsberg über seine Arbeit, Inspiration und auch über Hintergründe des Skandalswerkes „Howl“ spricht.
Verknüpft werden die zwei Erzählebenen durch düstere Animationen, die immer wieder die Handlung des Gedichtes wiedergeben. Der Zuschauer hört das Gedicht nicht bloß, er erlebt es in wirren und atmosphärischen Bildern. Daneben trägt James Franco es voller Inbrunst einer kleineren Gruppe vor. Der Film spielt also auf vier verschiedenen Ebenen, der durch eine fünfte dokumentarische Seite noch verstärkt und weitere Authentizität erhält.

Diese kreative Vielfalt macht den Film mitunter sehr anstrengend zu verfolgen. Während man die kräftigen Verse erst einmal zu verarbeiten und verstehen versucht, geht die Handlung im Film natürlich schon weiter und prügelt sehr intelligente Mono- und Dialoge auf den Zuschauer ein, die ebenfalls erst einmal wirken müssen. Dieser Effekt scheint gewollt zu sein. Schließlich ist der Film ein flammendes Plädoyer für das freie gesprochene und geschriebene Wort. Ein Thema, was auch immer Jahre 2011 immer noch oder gerade wieder aktuell ist. Das Urteil über „Howl“ war für die Literaturszene ähnlich bedeutsam wie für die Schwulenbewegung der 50er Jahre. Die Grundfrage der Anklage kann somit beantwortet werden. „Howl“ ist von literarischem Wert und bleibt auch noch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung von großer Bedeutung.

So kreativ und detailliert die Regisseur Rob Epstein und Jeffrey Friedman all diese Themen in den Film einflechten, so überfordert werden einige Zuschauer das Kino verlassen haben. Es ist an einigen Stellen schlichtweg zu viel auf einmal und Emotionen werden unterdrückt, da diese sich nicht entfalten können. Denn nach einigen Momenten wird das Hirn wieder mit weiteren audiovisuellen Bombardements attackiert!

8/10

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Mittwoch, 5. Januar 2011
The Kids are all right



Die Ausgangssituation liest sich wie politisch überkorrektes Nischenkino mit der Garantie wegen penetrant ins Auge stechenden Moralzeigefinger zu erblinden: Ein lesbisches Pärchen hat zwei Kinder, die Dank eines Samenspenders gezeugt wurden. Die Tochter ist 18 Jahre alt und hat somit das Recht den Spender zu erfahren, sofern er dem zustimmt. Natürlich tut er dies und so entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten sich kennenzulernen, jedoch auch Probleme im Fundament der außergewöhnlichen Familie. Der Trailer konnte bereits erste Zweifel an der Überkorrektheit des Streifens beseitigen, ein etwas unwohles Gefühl blieb dennoch. Völlig unberechtigt!

Zu allererst: Der Cast ist nicht nur sensationell gut (allen voran die göttlich aufspielende Annette Bening), sondern auch unendlich sympathisch. Man möchte sich sofort mit den Darstellern auf die Terrasse setzen und sich ebenfalls ein Weinchen genehmigen. Denn die Protagonisten sind derart authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass sich blitzschnell ein Identifikationspotenzial sondergleichen einstellt. Es sind die versteckten Blicke und Gesten, die den Film so besonders machen und gegen Ende zu einem Juwel wachsen lassen. THE KIDS ARE ALL RIGHT beschönigt nichts, ist brutal ehrlich und der Schlusssatz aus dem Munde des Sohnes so bittersüß und wahr, wie ihn tatsächlich nur der eigene Nachwuchs in jugendlicher Logik hervorbringen kann.

Der Entfremdungsprozess einer langjährigen Beziehung wird pointiert und immer mit dem richtigen Gefühl vermittelt. Die Geschichte verliert trotz der vielschichtigen Strukturen innerhalb der fünf Figuren niemals den roten Faden und verläuft sich nicht in kitschigen Liebesklischees. Dafür an die Drehbuchautoren ein großes Lob, wie auch an die Kamera, die jedem Darsteller genug Raum gibt sich zu entfalten und in den richtigen Momenten mit der Nahaufnahme ganz intime Momente einfangen kann.

Die Tatsache, dass es sich um ein homosexuelles Paar handelt, wird absolut zur Nebensache und wirkt niemals aufgesetzt. THE KIDS ARE ALL RIGHT ist somit nicht nur ein hervorragender Film, sondern ebenfalls ein unaufdringliches Plädoyer für homosexuelle Kindererziehung. Denn es spielt keine Rolle, wer sich in welcher Form liebt. Die Probleme und Hürden bleiben überall gleich. Der Film liefert zwar keine neuen Erkenntnisse, setzt diese aber so angenehm ehrlich um, dass ich jedem Darsteller jeden gesprochenen Satz voll und ganz abnehmen kann.


9/10

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Montag, 20. Dezember 2010
The Tourist + Kurzkritik Narnia 3


Der Erfolgsdruck war immens groß. Nachdem absoluten Meisterwerk „Das Leben der Anderen“ wartete nun Hollywood auf Florian Henckel von Donnersmarck. Eigentlich sollte für jeden Filmemacher die Ehre ausreichen, den zweiten Film bereits in den USA drehen zu dürfen, dann aber auch noch mit den zwei aktuell größten Filmstars der Welt einen Weihnachtsblockbuster produzieren zu können, ist der letzte Ritterschlag für das schon beinahe fünf Jahre alte Stasi-Drama. Es wird leider das letzte Zugeständnis bleiben, denn die Lorbeeren sind nach diesem Film schon verbraucht.

THE TOURIST ist ein langweiliger, schnöder und komplett seichter Film über Identitätsschwindel. Der Trailer suggerierte einen Thriller, bei den Golden Globes sind die Darsteller im Segment „Beste Komödie“ nominiert. Dabei ist der Film weder Komödie, eine Liebesgeschichte, noch ein Thriller. Eigentlich ist der THE TOURIST lediglich eine uninspirierte Abfolge von Bildern, die im traumhaft schönen Venedig postkartenähnlich abgelichtet worden sind. Die Geschichte ist arg konstruiert, die Auflösung strotzt vor Logiklöchern und die beiden Weltstars liefern ihre Schauspielkunst auch eher routiniert ab. Eine bemerkenswerte Leistung muss daher den drei Hauptakteuren (Jolie, Depp und von Donnersmack) aberkannt werden. Das größte Problem des Films ist aber gar nicht das unausgegorene Skript oder die Leistung der Darsteller, sondern einfach die pure Langeweile, die im Kinosaal regiert. Die Inszenierung ist viel zu ermüdend, sogenannte Actionszenen bleiben viel zu rar eingestreut und insgesamt auch nicht wirklich spektakulär.

Die Grundidee ist dabei gar nicht so uninteressant. Leider bleiben die Charaktere blass, man erfährt schlichtweg nichts über sie. Das sorgt für etwas Mysteriöses zu Beginn, ab dem Mittelteil und gegen Ende nervt diese Tatsache nur noch. Den Zuschauer lässt das Gefühl nicht los, einen überflüssigen Film gesehen zu haben, der an den eigenen Erwartungen zerbricht.

4/10


Die Chroniken von Narnia – die Reise auf der Morgenröte

Die ersten beiden Teile der Fantasyfilmreihe waren bislang nie große Kinohighlights, dennoch versprühten die Filme einen gewissen Charme, der das bunte Treiben sympathisch an die Besucher transportierte. Der dritte Teil ist dagegen um einiges schwächer als die Vorgänger. Das Drehbuch hat keinen roten Faden, sodass man das Gefühl hat, kleine Story- bzw. Episoden Häppchen präsentiert zu bekommen, die nacheinander gezeigt werden. Kinomagie tritt dabei selten ein. Die Bilder sind gewohnt opulent und zur meisten Zeit schaut man sich das Ganze auch gerne an. Leider sieht man an einigen Ecken das gekürzte Budget und sehnt sich nach den großen Fantasyfilmen. Geduld ist gefragt, die Verfilmung von „Der Hobbit“ lässt noch ein wenig auf sich warten. Narnia bleibt ein nettes Filmchen – nicht mehr, nicht weniger.

5/10

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Donnerstag, 16. Dezember 2010
22 Bullets


Rachethriller meets Mafiafilm und das Ganze sogar noch in Frankreich. Ja, richtig gelesen, die Mafia agiert offenbar auch bei den Franzosen und hat es auf den Mafiarentner Charly Mattei (Jean Reno) abgesehen. Bei einem Ausflug mit seinem Sohn wird er im Parkhaus von 22 Kugeln durchbohrt, überlebt diesen brutalen Anschlag jedoch wie durch ein Wunder. Niemals wird er den Fängen der Mafia entkommen können und beschließt daher alle Beteiligten des Überfalls zu ermorden und somit auf einen Rachefeldzug zu gehen. Dumm nur, dass sein einstiger Freund Tony Zacchia (Komödiendarsteller Kat Merad) dahinter steckt.

Da sind wir schon bei dem grundsätzlichen Muster eines klassischen Rachefilms angelangt, der jedoch endlich einmal das direkte Opfer zum Täter werden lässt (meist wird ein Kind des Protagonisten entführt oder ermordet). Die Einbindung in das Genre der Mafiafilme ist sehr glaubwürdig gelungen, denn hier spielt nicht nur das Blutvergießen eine Rolle, sondern auch die Ehre, Respekt und die weiteren Zutaten, die bei einem Mafiafilm nicht fehlen dürfen. Auch die beiden Darsteller überzeugen durchweg und können den Film über die komplette Laufzeit tragen. Alles ist sehr kurzweilig, wenn auch wenig spektakulär und nicht sonderlich innovativ inszeniert worden. So erhöht sich die Spannung zwar, dennoch berührt selbst eine Kindesentführung nur schwach. Ebenso werden weitere Klischees einfach zu sehr ausgereizt, woran die gesamte Authentizität schlichtweg leiden muss. Es ist unbegreiflich, warum die ermittelnde Polizeibeamtin mal wieder ihr eigenes Schicksal mit dem Fall bewältigen muss und NATÜRLICH ein Alkoholproblem hat. Diese Art von Nebengeschichte nervt, da schon zigfach gesehen.

Dennoch ist es erstaunlich, dass sogar der Rachefeldzug selbst weitaus kritischer dargestellt wird, als man es von anderen Genrefilmen kennt. Das Gewissen spielt immer eine Rolle, außerdem muss Charly Mattei auch sein eigenes Leben schützen. Trotz der kriminellen Vergangenheit sympathisiert man schnell mit dem Antihelden dieses Films, dessen Qualität trotz einiger positiver Faktoren nicht mehr als überdurchschnittlich zu bewerten ist. Gegen Ende fragt sich der deutsche Zuschauer dagegen, ob diese Art von Film auch mit Schauplatz Deutschland gut funktionieren würde. Das passende Ende im Watt der Nordsee ließe sich jedenfalls inszenieren. Ach, besser nicht.

6/10

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Dienstag, 14. Dezember 2010
Rapunzel + Bewertung Fair Game



Das ist er nun, der 50. Zeichentrick/Animationsfilm aus dem Hause Disney. Passend (wie meistens) zur Weihnachtszeit soll es wieder märchenhaft in Deutschlands Lichtspielhäusern zugehen. Nachdem erste eigene Ausflüge in die CGI-Animation kommerziell eher mittelmäßig erfolgreich und inhaltlich bloß durchschnittlich waren („Himmel und Huhn“, „Triff die Robinsons“ und „Bolt“), meldete sich Disney letztes Jahr mit dem zauberhaften „Küss den Frosch“ im alten 2-D Zeichentrickstil zurück. Rapunzel hingegen erstrahlt wieder im CGI-Animations-Stil von der Leinwand, dieses Mal sogar in 3D.

Eine Märchenverfilmung klingt erst einmal wirklich unspektakulär und ziemlich bieder. Ein gewisses Vorurteil bekommt man deswegen vor Filmbeginn einfach nicht los, eben auch weil der Trailer nicht jeden Kinogänger restlos überzeugen konnte. Doch bereits nach wenigen Augenblicken ist man im Disney-Zauber gefangen und auf direktem Wege zurück in die Kindheit als Zeichentrickfilme grundsätzlich ein Highlight waren. Die Geschichte rundum die verloren gegangene Prinzessin Rapunzel wurde aufgepeppt und modernisiert, jedoch ohne dabei völlig auf den heutigen Zeitgeist zu setzen. Die Atmosphäre ist angenehm klassisch und durch den unaufdringlichen Animationsstil bemerkt man die Veränderung der Machart im Vergleich zu den älteren Klassikern wie „Das Dschungelbuch“ keineswegs. Ja, es ist gar der erste Animationsfilm, der das Flair eines gezeichneten Trickfilms auf die CGI-Ebene bringen kann.


Neben der üblichen Liebesgeschichte (in diesem Fall mit dem Dieb Flynn Ryder) dürfen selbstverständlich auch die schrägen Nebenfiguren niemals fehlen. Das treue Chamäleon Pascal und das gewissenhafte und übermotivierte Gardepferd Maximus sorgen für die meisten Lacher im Kinosaal. Glücklicherweise können beide ausnahmsweise nicht sprechen, sondern agieren lediglich über Mimik und Körpersprache. Dennoch ist den Machern das Kunststück gelungen beiden Figuren einen Charakter zu verleihen. Aber auch ohne die beiden stillen Helden gibt es große Kinomomente. Wenn gegen Ende hunderte Leuchtlaternen in 3-D in den Abendhimmel steigen, regiert die Kinomagie das Publikum. Klar, ein wenig kitschig ist es schon, aber in der Weihnachtszeit sollte das erlaubt sein. Denn was bleibt, ist ein tolles Kinoabenteuer, dass vom Ideenreichtum und der erzählerischen Finesse zwar nicht an die Pixar-Filme heranreichen kann, jedoch durch die zauberhafte Atmosphäre zu einem der Kinohighlights im Jahre 2010 wird.

9/10



Fair Game
Großartig gespielte, semi-dokumentarische Geschichtsstunde über einen unfassbaren, weil wahren Fall in der jüngeren US-Geschichte. Naomi Watts verkörpert die starke Frau, Valerie Plame, mit einer Leidenschaft, als hätte sie die Strapazen alle selbst tatsächlich überstehen müssen.

8/10

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Mittwoch, 24. November 2010
Harry Potter 7.1 + weitere Bewertungen


Nach James Bond (der allerdings auch auf bisher 16 Filme mehr kommt) ist Harry Potter die erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten. Anfangs wechselten sich die Regisseure regelmäßig ab, um immer wieder neue inszenatorische Ansätze in die Geschichte zu integrieren. Nun sitzt David Yates bereits das dritte Mal auf dem Regiestuhl. Er hat die Ehre diese Filmreihe zu Ende zu bringen. Bereits mehr als zwei Millionen Besucher sind dem Ruf gefolgt und haben sich den ersten Teil des Finales angeschaut.

Erstmals spielt der Film zur keiner Sekunde in der Schule von Harry Potter, dafür aber im gesamten Gebiet Englands. Die Ausstattung ist wie immer atemberaubend gut und man kann sich schwer vorstellen, dass die meisten Szenen im Studio entstanden sind und ganze Landschaften sowie Gebäude nur für diesen Dreh aufgebaut worden sind. Die Spezialeffekte können sich selbstverständlich auch sehen lassen; die Maske bleibt ebenfalls auf einem sehr hohen Level. Was könnte jetzt noch das Vergnügen trüben, wenn das Drehbuch auf einer tollen Geschichte basiert?! Naja, Schauspieler müssen dem Ganzen noch Leben einhauchen und hier ist das größte Manko: Daniel Radcliffe aka Harry Potter. Während in anderen Verfilmungen die großartigen Nebendarsteller von seiner Schauspielleistung ablenken konnten, ist Daniel Radcliffe nun viel mehr in den Fokus geraten. Insbesondere in den emotionalen Momenten enttäuscht seine Mimik und Gestik, während Emma Watson aka Hermine ihn regelmäßig an die Wand spielt. Weitere Ablenkungen gibt es kaum. Dadurch können diverse Längen nicht überspielt werden, sondern werden gar dadurch viel konsequenter aufgedeckt.

Es bleibt nun abzuwarten, was das Finale in 3-D dann mit sich bringt. Eine Steigerung ist in jedem Falle bitter nötig, aber auch wahrscheinlich. Durch die Trennung des Buches in zwei Teile sind offenbar (normaler Spannungsbogen jeder Geschichte) die spannenden bzw. spannenderen Elemente noch nicht erreicht worden. So ist alles nett anzusehen, jedoch wirkt das gesamte Werk merkwürdig blutleer und teilweise etwas belanglos (die filmische Auflösung bekommt man erst im Juli 2011 zu sehen). Finanziell hat sich die Aufteilung des Buches bereits jetzt gelohnt, dramaturgisch gibt es bisweilen noch diverse Zweifel.

6/10

Machete 8/10
Die Legende der Wächter 7/10
I am Love 7/10

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Sonntag, 7. November 2010
Die kommenden Tage



Im Jahre 2020 ist von unserer heutigen Zivilisation nicht mehr viel übrig. Diese Prophezeiung lässt der deutsche Film „Die kommende Tage“ quasi nonstop auf den Zuschauer los und dient daher auch als Eröffnungssequenz. Die Geschichte selbst startet bereits im Jahre 2012. Der schon heute oft heraufbeschworene Ressourcenkrieg beginnt tatsächlich, erst schleichend, dann sorgt er doch recht schnell für einschneidende Veränderungen in Deutschland und insbesondere für Familie Kuper, die im Zentrum der gesamten Geschichte steht – der ganze Film wird aus der Perspektive der jungen Frau Laura Kuper erzählt.

Die Ausgangssituation ist unglaublich ambitioniert. Der Untergang einer Gesellschaft, die Faszination und Sogkraft von Terrorbewegungen sowie die Verwicklungen einer gesamten Familie in diesem Untergangsszenario sollen innerhalb von 129 Minuten bewältigt werden. Dabei soll die Gesellschaft innerhalb dieser einen Familie reflektiert werden, Laura (Bernadette Heerwagen) ist die Bürgerlichkeit in Person, Cecilia (Johanna Wokalek – wie immer großartig) spiegelt den Aufbau einer neuen Protestgruppierung wieder, die sich jedoch von den Radikalen zu sehr beeinflussen lässt; wie schnell sie in die Fänge des überaus charismatischen Konstantin (August Diehl) gerät, ist eine der besten Skizzierungen des Films.

So ambitioniert das Ganze zu Beginn ist, so sehr verliert sich die Geschichte gegen Ende in Unstimmigkeiten und führt gesamte Handlungsstränge nicht stringent zu Ende, einige Punkte verlaufen gar komplett im Sande. Gegen Ende konzentriert sich die Utopie nur noch auf Laura, die als Erzählerin zwar geeignet ist, jedoch selbst die langweiligste Geschichte von allen erlebt. Der Film leidet unter dem eigenen Anspruch, der wirklich bemerkens- und lobenswert ist. Der Fokus auf eine klare Linie wird leider im zweiten Teil nicht eingehalten. Wenn sich das Drehbuch auf weniger Hauptaspekte konzentriert hätte, wäre hier einer der großartigsten deutschen Filme der letzten Jahre herausgekommen. So ist es ein überdurchschnittlicher Streifen, dessen vermeidbare Schwächen ein kleines Meisterwerk verhindern. Die Schauspieler, Kamera, Musik und die gesamte Atmosphäre waren darauf jedenfalls ausgelegt. Manchmal ist es dann doch zu viel des Guten.

7/10

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Samstag, 6. November 2010
Buried



Die Grundsituation dieses Films ist gleich doppelt spannend. Paul (Ryan Reynolds) wacht in einem Sarg unter der Erde auf, denn er wurde lebendig begraben. Er ist Truckfahrer im Irak, gerät in einen Hinterhalt und wacht daraufhin in dieser scheinbar ausweglosen Situation wieder auf. Ein Feuerzeug, ein Handy und ein Stift sind die einzigen Hilfsmittel, die ihm geblieben sind.
Der andere Grund, warum „Buried“ ein spannendes Filmprojekt darstellt, ist ganz klar die sparsame Inszenierung. Die komplette Spielzeit von knapp 90 Minuten wechselt der Schauplatz nicht ein einziges Mal, Ryan Reynolds ist der einzige Schauspieler und auch der Zuschauer ist gefangen unter der Erde. Nochmals: Der gesamte Film spielt ausschließlich in dieser Kiste.

Die Idee ist prinzipiell unglaublich gerissen, denn selten konnte man die Lebenslage des Protagonisten so nachempfinden wie hier. Leider ist das Grundkonzept in sich nicht immer so stimmig, wie es hätte sein können. Es gibt unglaublich viele Redundanzen, Telefongespräche laufen viel zu häufig identisch ab und in zahlreichen Punkten wird einfach unglaublich übertrieben. Schwer vorstellbar, dass einige Menschen tatsächlich in dieser Form am Telefon reagieren würden. Außerdem fällt zu oft auf, dass der Film auf 90 Minuten krampfhaft ausgedehnt wurde, eine Kürzung um 15 Minuten hätten dem Zuschauer gut getan (SPOILER an: wie jemand mehr als 50-60 Minuten nicht bemerken kann, dass er eine Schlange in der Hose hat, ist nun wirklich rätselhaft! SPOILER aus). Das nimmt einiges an Authentizität, sodass der Zuschauer sich dem Charakter eher abwenden mag als sich tiefer mit ihm auseinander zu setzen.

Die schauspielerische Leistung ist enorm. Ryan Reynolds überzeugt und die Kameraarbeit ist wirklich toll geworden, wenn man bedenkt, dass nicht sonderlich viel Platz gewesen ist. Trotz einiger Hänger und Schwächen ist der Film auf eine gewisse Weise sehenswert. Das unglaublich konsequente und abrupte Finale ist tatsächlich der Höhepunkt und lässt in diesem Moment über die negativen Seiten hinwegsehen, ganz vergessen sind sie jedoch nicht.

6/10

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Mittwoch, 3. November 2010
Wir sind die Nacht + 2 Kurzkritiken (R.E.D. + So spielt das Leben)


Deutsche Filme sind doch alle schlecht! Immer wieder hört man dieses Urteil und wundert sich regelmäßig, wie man auf eine derartige Meinung kommen kann. Ob man die Kriegs-, Nachkriegs- oder DDR-Filme nimmt, die grundsätzlich überdurchschnittlich gut gewesen sind, Kinder- und Jugendfilme, Komödien oder auch gar reine Dramen, kurz: Wenn man den deutschen Film aus den letzten zehn Jahren beurteilt, kann man sich einig sein, dass die Qualität nicht selten herausragend war. Nun wagte man den Schritt noch etwas weiter hinaus und inszenierte deutsches Vampir- Kino, welches neben dem genretypischen Grundgerüst auch im Bereich der Spezialeffekte überzeugen sollte.

Die Geschichte spielt dabei eigentlich eine untergeordnete Rolle. Ein Mädchen aus zwielichtigen Verhältnissen wird von einer Vampirfrau gebissen, lernt die Luxuswelt ohne Grenzen kennen und verliebt sich letztendlich doch noch in einen Sterblichen. Karoline Herfurth meistert erneut die Hauptrolle (hier: Die Jungvampirin Lena) eines Streifens und beweist noch einmal, dass sie ohne weiteres einen ganzen Film tragen kann. Die Mischung aus Kampfgeist und Verletzlichkeit kauft man ihr immer wieder ab. Nina Hoss als Vampirchefin des Quartetts überzeugt dagegen nur bedingt, zu hölzern ist ihre Performance; Jennifer Ullrich, als eher depressiver Gegenpart zur unglaublich nervigen und aufgesetzten Anna Fischer, ist der heimliche Star des Films. Ihre durchdringenden Blicke verbleiben, auch nach Filmende, noch eine Weile im Gedächtnis des Zuschauers.

Aus technischer Sicht kann man dem Film keinesfalls etwas vorwerfen. Die Spezialeffekte überzeugen auf ganzer Linie und auch die Kamera fängt das Geschehen authentisch ein – der eine oder andere große Schwenk über das Stadtbild Berlins ist dagegen eher unnötig. Leider verfängt sich der Film im Mittelteil mit einigen Belanglosigkeiten und drängt die Geschichte auf eine moralische Ebene, die der Zuschauer auch ohne den deutlichen Hinweis verstanden hätte. Daher nehmen diverse Hänger das Tempo und die Intensität des großartigen Beginns etwas zurück. Der Einstieg in ein neues Genre für den deutschen Film ist aber definitiv gelungen. Leider bestätigt der kommerzielle (Miss)-Erfolg diese These nicht, bleibt zu hoffen, das es nicht das letzte Experiment auf diesem Terrain gewesen ist.

7/10



R.E.D. – 8/10
Völlig sinnlose, selbstironische und irrwitzige Actionkomödie, mit den sogenannten Allstars, die sich auf herrliche Weise selbst aufs Korn nehmen und mit purer Spielfreude die Leinwand in Schutt und Asche legen. Popcornkino der Extraklasse, der für ein Publikum jeder Alterklasse gemacht zu sein scheint. Das Actionhighlight im Herbst, welches auch für das weibliche Publikum bestens geeignet ist.


So spielt das Leben – 7/10
Ein unglaublich netter Film – nett, im absolut positivsten Sinne gemeint. Romantikkomödie mit recht ernstem Unterbau, die für eine intensive Szene liebend gerne mal einen Gag opfert. Die Happy-End-Garantie des Genres bleibt selbstverständlich bestehen; die zu durchstehenden Probleme sind jedoch weitaus alltäglicher und realistischer als bei den meisten Mitbewerbern.

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Sonntag, 24. Oktober 2010
Wall Street - Geld schläft nicht



Selten war man als Zuschauer in einem derartigen Zwielspalt, ob man einen Protagonisten mögen oder hassen soll. 1987 spiele Oscarpreisträger Michael Douglas seine Paraderolle des Finanzhais Gordon Gekko und ist nun wieder zurück auf den deutschen Kinoleinwänden. Die Geschichte spielt zum größten Teil im Jahre 2008, obwohl Gekko, laut Filmhandlung, bereits im Jahre 2001 aus dem Gefängnis entlassen wurde. Dieses Mal ist Gekko jedoch nicht der einzige Vollblutkapitalist in diesem Streifen und deshalb gerät der junge Broker Jake Moore auch nicht nur in seine Fänge. Vor 22 Jahren musste sich Bud Fox nur mit Gekko herumschlagen, heutzutage ist die Finanzwelt offenbar noch bösartiger geworden?! Oliver Stone mag uns diese Tatsache vielleicht als eine seiner Thesen verkaufen.

Wall Street 2 soll Auslöser der großen Finanzkrise aufzeigen und kritisch hinterfragen. Grundsätzlich wird diese Intention auch glaubwürdig verfilmt. Die Bänker denken stets nur an den eigenen Profit und haben keine Gewissensbisse moralisch verwerflich zu handeln, um die eigene Aktienanteile vor Verlusten zu schützen. Die Geschichte ist zudem technisch und schauspielerisch absolut brillant umgesetzt worden. Die Kamera setzt oft auf Nahaufnahmen, die den Akteuren punktgenaue Mimik abverlangt. Michael Douglas bringt die Leinwand regelmäßig zum Glühen und ist selbstverständlich das große Highlight des Films. Aber auch die jungen Nachwuchsstars können glänzen und fast restlos überzeugen. Auch wenn man Shia LaBeouf den geschäftstüchtigen Broker selten abnimmt, die emotionalen Momente meistert er, wie seine Filmfreundin Carey Mulligan, erstklassig.

Die einzigen Probleme des Films sind die geradlinige Inszenierung, inklusive dem scheinbar notwendigem Hollywoodende, und dem zu offensichtlichen Fingerzeigen auf die Finanzkrise 2008. Was beispielsweise Gekko die sieben Jahre nach seiner Haftentlassung getrieben hat, bleibt unbeantwortet (außer das Schreiben seines Buches) und irrelevant. Letztlich musste der Film aufgrund der Krise aber dramaturgisch im Jahr 2008 angesiedelt sein, um eine Daseinberechtigung zu erzwingen. Dabei kann die Filmwelt intelligente Filme ständig gebrauchen und braucht keine mit der Brechstange erzwungenen Gründe (Es ist nun wirklich fragwürdig, ob die Zuschauer den Film tatsächlich aufgrund der Krise vor zwei Jahren anschauen wollen) . Die letzten zehn Minuten wirken zudem gehetzt und am Ende leider nicht ganz glaubwürdig. So schön die menschliche Entwicklung sein kann, so unpassend ist der Schluss. Eine doppelte Wendung des Hauptcharakters binnen so kurzer Zeit, hinterlässt ein paar Kratzer in der sonst makellosen „Wall Street – Bilanz“. Kratzer, die ein Gordon Gekko in seiner persönlichen Natur eigentlich nicht akzeptieren würde. Aber wie ist das Kredo des Films so schön: Rendite ist nicht alles! Stimmt, ein spannender Kinoabend ist doch auch viel wert.

8/10

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Montag, 18. Oktober 2010
Die etwas anderen Cops


In den USA gehört er zu den beliebtesten Komikern landesweit, hierzulande gelten Filme mit Will Ferrell als absolutes Kassengift. Der aktuelle Streifen „Die etwas anderen Cops“ stellt diese These auf den Kopf. Fast 200.000 Besucher konnte der Film an diesem Start-Wochenende zählen, dem launigen Trailer sei Dank. Anfangs scheint der Film auch das einzuhalten, was der Trailer zu versprechen versuchte: Absolut übertriebene Absurditäten reihen sich schon in den ersten zehn Minuten aneinander und bringen das Zwerchfell beinahe zum explodieren.

Alleine die Gastauftritte von Samuel L. Jackson und Dwayne Johnson sind so unglaublich hirnverbrannt, dass man wirklich nur laut los lachen kann. Das Tempo ist schwindelerregend und die Gagdichte erreicht höhere Sphären. Eine gute Komödie würde über die gesamte Laufzeit mit der gleichen Anzahl an Witzen auskommen, für die Will Ferrell und Co. gerade mal 30 Minuten benötigen. Dummerweise streut eine gute Komödie die lustigsten Momente gut verteilt auf knapp 90 Minuten. Hier wird leider der Großteil bereits in der ersten Hälfte inflationär verpulvert. Im zweiten Teil des Films reicht es oft nur für ein Schmunzeln oder das Lachen ist schlicht vergangen. Zu langatmig gerät die Story und zu oft wiederholen sich lustige Segmente, die im x-ten Aufguss dann doch nicht mehr witzig sind.

Die Schauspieler allen voran Will Ferrell geben tatsächlich vor der Kamera alles und die Rolle des etwas anderen Cops scheint dem Amerikaner auf den Leib geschrieben worden sein. Selbst Mark Wahlberg zeigt ein wenig komödiantisches Talent, agiert aber meist als Vorlagengeber. Furios gelingt dabei der „Thunfisch-Löwen“-Dialog, der zum Sinnlosesten und Witzigsten des Jahres gehört und gehören wird. Leider ist der Qualitätsunterschied der beiden Hälften derart enorm, dass der Film am Ende im Gesamten nur noch Mittelmaß ist, obwohl man insgesamt vielleicht gar mehr gelacht hat als in anderen Komödien. Eigentlich völlig absurd, genau wie der der Einstieg zu Beginn der Komödie.

5/10

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Montag, 11. Oktober 2010
The Social Network


Jeder nutzt es, die einen mehr, die anderen weniger. Und auch dieser Blog wäre in seiner Existenz noch eine Spur bedeutungsloser, wenn die Verbreitung nicht durch die gleiche Plattform angetrieben werden würde. Ja, die Rede ist von Facebook. Bis auf wenige Eckdaten blieb das Bild des genialen Erfinders und gleichzeitig jüngstem Milliardär der Welt weitestgehend unergründet. Regiemeister David Fincher („Fight Club“, „Benjamin Button“) sorgt für Aufklärung; dennoch wird im Film nicht verraten, welche Elemente fiktional sind und welche Dinge der Wirklichkeit entsprechen. So bleibt auch am Ende dem Zuschauer ein klares Bild verwehrt.

Der Einstieg ist furios und voller Biss. Bereits nach drei Minuten hat Mark Zuckerberg (großartig dargestellt von Jesse Eisenberg) jedwede Möglichkeit auf Sympathie auf die komplette Filmdauer von 120 Minuten verspielt. Auf eine herausragende Art und Weise wird der gesamte Charakter des Menschen Zuckerberg in Windeseile skizziert. Die sowohl für die Gründung von Facebook als auch die für den Film relevanten Eigenschaften werden blitzschnell deutlich: intelligent, wortgewandt, im sozialen Umgang völlig verkrüppelt und arrogant. Das Niveau dieser genialen Ausgangsszene kann der Film bei weiten nicht bis zum Schluss halten, dennoch handelt es sich hier um einen Film, der mehr ist als ein bloßes Biopic der letzten Jahre von Zuckerberg.

Die Gier nach Anerkennung, Fortschritt und Alleinstellung in der Gesellschaft multipliziert sich nach jedem Erreichen einer weiteren Karrierestufe ins Unermessliche. Auf dem Weg zum Milliardär muss man Opfer bringen, auch wenn der einzige Freund, dem man im Leben wahrscheinlich haben wird, hierbei auf der Strecke bleibt. Das Grundgerüst des Films erinnert demnach an Wall Street, der ab nächster Woche auch in Deutschland seine Fortsetzung erlebt. Leider vertieft sich Fincher immer wieder in den technischen Details und beleuchtet die „nerdige“ Seite von Zuckerberg weitaus mehr als eine Reflektion des aktuellen Zeitgeistes verbunden mit der Faszination des Social Networks im Film zu implementieren.

Am Ende steht bloß ein einsamer Computerfreak mit Unsummen an Geld, den der Zuschauer bereits zu Beginn nicht leiden konnte. Eine persönliche Figurenentwicklung erlebt demnach niemand, dafür jedoch teils sensationelle Dialoge, die aufgrund der anspruchsvollen Thematik langsamer hätten gesprochen werden können. In diesem Fall behalten nur Informatikstudenten den Überblick, die, nach dem sicherlich nicht falschen Klischee des Films, sich jedoch eher selten in einem der Kinosäle im Lande verlieren werden.

8/10

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